Nach tödlichem Unfall auf Miesbacher Straße in Rosenheim

Richter Dr. Zenkel verkündet das Urteil

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Die Anwälte der Angeklagten berieten sich am ersten Verhandlungstag noch einmal vor Beginn des Berufungsprozesses.
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Traunstein/Rosenheim - Fast drei Jahre ist es her, dass bei einem Unfall in der Miesbacher Straße zwei junge Frauen getötet wurden. Drei Männer mussten sich vor Gericht verantworten, alle drei wurden verurteilt. Zwei von ihnen gingen in Berufung. Am heutigen Dienstag, 12. November, wurde das Urteil nun bekannt gegeben.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Tödlicher Unfall auf Miesbacher Straße in Rosenheim
  • Drei Männer wurden in der Folge verurteilt
  • Zwei von Ihnen gingen in Berufung
  • Plädoyers im Berufungsprozess wurden gesprochen
  • Urteil gefallen

Update, 16.11 Uhr: Urteil gefallen

Richter Dr. Zenkel verkündet das Urteil: Die Berufungen der Angeklagten wurden verworfen.

Der BMW-Fahrer aus Riedering wurde im März 2019 zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt, der BMW-Fahrer aus Kolbermoor bereits im Mai 2018 zu einer Haftstrafe von zwei Jahren - beide Strafen ohne Bewährung. 

Das Urteil des Riederingers bleibt bestehen, der Kolbermoorer wurde nun zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt.

Begründung zum Verfahren "Rennen auf dem Brückenberg"

„Wir sind davon überzeugt, dass es sich so zugetragen hat, wie in der Anklageschrift dargelegt. Es handelte sich um ein Rennen. Es kam ihnen auf der kurvenreichen Strecke bei überhöhter Geschwindigkeit darauf an, ihre Fahrzeuge zu vergleichen“, so der Vorsitzende zu dem Rennen auf dem Brückenberg. Dass es sich um ein Rennen gehandelt hat, folgert die Kammer aus dem Ablauf der Geschehnisse, nicht aus den Zeugenaussagen. 

Begründung zum Verfahren „Unfall Miesbacher Straße“ 

„Objektive Beweismittel zum Fahrverhalten der Angeklagten sind nicht vorhanden. Der Sachverständige kann nur Modellberechnungen machen, die nicht zu verwertbaren Beweisen führen. Wir folgen den Einlassungen des angeklagten Golf-Fahrers“, so Dr. Zenkel. 

Man sehe Abweichungen in seinen Ausführungen, die man aber nicht sehr schwerwiegend bewerte. „Eines war stringent vorhanden, nämlich die Aussage 'die Schweine haben mich nicht rein gelassen'. “ 

Entweder der vordere BMW-Fahrer habe gebremst, oder der hintere BMW-Fahrer habe seine Geschwindigkeit erhöht. Zenkel weiter: „Der Golf-Fahrer hat in der Situation genau das gemacht, was man normalerweise nicht macht, er ist nämlich nach links ausgewichen. Warum hat er das gemacht? Weil er keine Möglichkeit hatte nach rechts einzuscheren.“ 

Der Beifahrer des Kolbermoorers habe sich drei Mal umgedreht, um den Überholvorgang zu beobachten. „Warum überzeugt er sich drei Mal davon? Weil er wissen will, ob er vorbei kommt“, sagt Zenkel. 

Das Gericht sei der Auffassung, dass es in diesem Sinne kein Rennen gegeben habe. „Wenn einer ein Rennen gefahren habe, dann war es der Golf-Fahrer. Es sind viele einzelne Indizien, die aber für die Täterschaft der Angeklagten sprechen. In der Gesamtschau haben wir die Überzeugung gewonnen, wie es auch im Sachverhalt dargestellt wurde. Es handelt sich bei beiden Angeklagten um vorsätzliche Tötung.“ 

Die Maximalstrafe dafür sei fünf Jahre Freiheitsentzug. Daher seien die angeordneten Freiheitsstrafen angemessen. Für das Rennen am Brückenberg erhöhe sich die Strafe des Kolbermoorers noch um fünf Monate.

Dr. Zenkel abschließend: "Es handelt sich hier nicht um einen dummen Streich, sondern um eine hoch kriminelle Handlung!“ 

Gegen das Urteil könne noch Revision eingelegt werden.

Update, 14.41 Uhr: Plädoyer Verteidigung

Nun trägt Rechtsanwalt Baron von Koskull sein Plädoyer vor. 

Er geht zunächst auf das Rennen seines Mandanten aus Kolbermoor am Brückenberg ein. In der Berufungsinstanz sei zusätzlich zu den Zeugen ein Sachverständigen-Gutachten hinzugezogen worden. Das Gutachten habe zwischen den Zeilen ergeben, dass die Aussagen der Polizeibeamten unglaubwürdig gewesen seien. 

Bei einem illegalen Rennen müssen der Wettbewerbscharakter und die Geschwindigkeit betrachtet werden. Der Diensteifer der Beamten habe vor Gericht dazu geführt, dass die Unschuld seines Mandanten belegt sei. Nun zitiert er die Mutter eines der Mädchen: 

„Er habe nicht den Arsch, die Wahrheit zu sagen. Und da hat sie Recht. Mein Mandant hat nicht den Arsch, die Wahrheit zu sagen, die sie hören will.“ 

Von Koskull geht nun auf die Aussagen des Golf-Fahrers ein und stellt diese in Frage. „Als der Vorwurf des Rennens sich nicht mehr aufrecht erhalten habe lassen, hat er einfach seine Aussage angepasst.“ Die Aussagen der Beifahrer seien zugegebenermaßen von Widersprüchen gespickt. Den Kern der Aussagen könne man jedoch in den WhatsApp-Verläufen nachlesen, so von Koskull. Nämlich, dass man sich nicht erklären habe können, warum der Golf-Fahrer nicht einscherte. 

Zu einer möglichen Absprache sagt von Koskull, dass diese im gesamten Verfahren nie auch nur irgendwie konkretisiert oder inhaltlich betitelt worden sei. Er führt einige Zeugenaussagen an. „Kein Urteil dieser Welt wird diese jungen Frauen zurück bringen, es kann nur für Genugtuung sorgen."

Die letzten Worte der Angeklagten: 

„Ich habe seit dem ersten Tag immer schon eine Aussage gemacht und wollte bei der ersten Verhandlung schon eine machen, aber mein Anwalt hat mir davon abgeraten“, so der Angeklagte aus Kolbermoor. „Jetzt habe ich endlich aussagen können. Ich habe auch immer das ausgesagt, wie es war. Ich wüsste nicht, was ich machen hätte sollen, um den Unfall zu verhindern. Ich kann jeden von den Angehörigen in die Augen schauen und sagen, dass ich nichts für den Unfall kann.“ Er dreht sich dabei um und schaut die Familien an. 

Ob heute noch ein Urteil fallen wird, ist ungewiss. Um 16 Uhr wird verkündet, wie es weiter geht.

Update, 13.46 Uhr: "Mein Mandant wurde öffentlich angegriffen"

Rechtsanwalt Dr. Andreas Michel stellt in seinem Plädoyer die Glaubwürdigkeit der Belastungszeugen in Frage. Seiner Meinung nach, habe der Golf-Fahrer drei Fehler gemacht. „Es stellt sich die Frage, warum macht der Golf-Fahrer vier Sekunden vor der Kollision den Fehler und beschleunigt wieder, wie er ausgesagt hat?“, so Michel. 

„Er hat zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht wahrgenommen, dass Gegenverkehr kommt.“ Dass sein Mandant den Gegenverkehr so früh - wie von Staatsanwalt und den Nebenklägeranwälten behauptet - gesehen haben soll, hält er für „unmöglich“. Es seien vor Gericht keine anderen Kenntnisse offenkundig geworden, die einen zweifelsfreien Rückschluss auf die Mitwirkung seines Mandanten an dem Unfall bestätigen würden. 

Zum Vorfall „Driften im Kreisverkehr Geiselhöring“ sagt Michel: „Hier besteht definitiv ein Verwertungsverbot, da der Polizeibeamte laut Aktenlage ganz klar die Unwahrheit ausgesagt hat.“ Auf die Frage hin, ob sein Mandant am Fahrzeug der Mädchen Hilfe geleistet habe, bezieht Michel sich auf die Aussage eines Zeugen: 

„Ein Polizeibeamter hat das doch vor Gericht bestätigt. Sonst hätte der ja gelogen.“ Sein Mandant sei von Anfang an in den Sozialen Medien angegriffen worden. „Öffentlich und vor laufenden Kameras haben die Angehörigen lebenslänglich gefordert und gesagt, dass mein Mandant keinen Arsch in der Hose hat.“

Update, 13.15 Uhr: "Wir sind knapp am Mordmerkmal Heimtücke"

Nebenklagevertreter Christian Schluttenhofer sieht die Anklage der Staatsanwaltschaft ebenfalls bestätigt. Auch für ihn haben die Angeklagten mit Vorsatz den Golf-Fahrer nicht einscheren lassen. 

„Das ist meines Erachtens heimtückisch. Wir sind knapp am Mordmerkmal Heimtücke." Die Angeklagten können froh sein, dass sie nur wegen fahrlässiger Tötung angeklagt seien. “ Dass ein Beifahrer sich dreimal nach dem überholenden Golf umgeschaut habe, sei für ihn der Hinweis, man habe einen „Konkurrenten“ im Blick behalten wollen. 

Die lange Dauer des Überholvorgangs sei nur erklärbar, wenn die beiden BMW aktiv das Einscheren des Golfs verhinderten hätten. Auch Nebenklagevertreter Graue schließt sich dem Staatsanwalt und seinem Kollegen Schluttenhofer an. „Der Golf-Fahrer war kein Selbstmordkandidat“, sagt Graue. „Warum fuhr er nicht rein? Weil da keine Lücke war“, sagt der Rechtsanwalt.

Update, 12.19 Uhr: Vater äußert sich vor Gericht

Der Vater eines der Mädchen äußert sich nun vor Gericht: „Das, was wir die letzten drei Jahre erleben, ist kaum in Worte zu fassen“, sagt er den Tränen nah. „Die Aussagen der Beifahrer sind haarsträubend. Für mich ist das ein Fakt, dass sich die abgesprochen haben, weil die Aussagen von Prozess zu Prozess immer kürzer wurden und sich verändert haben. Wäre nur ein einziges der drei Fahrzeuge nicht da gewesen, wäre der Unfall nicht passiert.“ 

Er bricht in Tränen aus. „Es sind Einschnitte, die man keinem Menschen wünscht. Diese Mädchen wollten leben, wer sie gekannt hat, der war stolz auf sie. Das ist eine Katastrophe, die sie da angerichtet haben.“ Es sei fast ein Hohn was bei sogenannten Tötungsdelikten mit Fahrzeugen für Urteile ausgesprochen werden.

"Auch wir als Eltern sind der absoluten Auffassung, dass es ein Rennen war. Sie haben gesehen, dass er ortsunkundig war und haben ihn dann überholt“, sagt die Mutter. „Es ist total klar, dass die BMW auf den Golf gewartet haben, um ihn zu provozieren."

„Unsere Kinder haben keine Zukunft mehr, weil sie einfach nicht mehr da sind auf dieser Welt“, so die Mutter. „Wir Eltern würden uns wünschen, dass die Angeklagten einige Jahre nachdenken müssen, wie sie sich im Straßenverkehr verhalten müssen.“ 

Die Schwestern der Mädchen äußern sich nun auch vor Gericht unter Tränen. „Wir waren ein Team. Ihr tragt auch die Schuld mit daran, dass sie jetzt nicht mehr da sind. Ich wünsche mir aus tiefstem Herzen Gerechtigkeit. Wir haben eine Schwester verloren, unsere Eltern ihre Kinder.“

Update, 12.05 Uhr: Plädoyer des Staatsanwalt

Die Obduktionsberichte wurden im Selbstleseverfahren in die Hauptverhandlung eingeführt. Weiter geht es mit den persönlichen Verhältnissen der Angeklagten. Es folgen die Plädoyers.

Plädoyer des Staatsanwalts:
„Nach Durchführung der Hauptverhandlung bin ich der Überzeugung, dass sich der Vorfall so, wie in der Anklageschrift dargelegt, zugetragen hat“, sagt Staatsanwalt Jan Salomon. 

Die Lücke sei wegen des Beschleunigen des hinteren BMW-Fahrers für den überholenden Golf-Fahrer zu klein gewesen, so dass er sich entschlossen habe, den zweiten BMW ebenfalls noch zu überholen. 

„Ich halte die Aussagen des Golf-Fahrers für glaubwürdig. Er hat sich selbst belastet und meiner Meinung nach keinen Falschbelastungseifer gezeigt“, so der Staatsanwalt. Die Aussagen der Beifahrer der Angeklagten hingegen halte er für nicht glaubwürdig. 

Die Angeklagten hätten vorsätzlich die Lücke geschlossen. Der Staatsanwalt fordert für den Angeklagten aus Kolbermoor drei Jahre und drei Monate Haft und für den Angeklagten aus Riedering drei Jahre Haft.

Update, 10.40 Uhr: „Sobald jemand von uns was sagt, geht’s nach hinten los“

Nun verliest Richter Dr. Zenkel Auszüge aus dem Bundeszentralregister. Beide Angeklagten haben keine Einträge. Beim BMW-Fahrer aus Kolbermoor befinde sich im Verkehrszentralregister eine Eintragung, auch beim Angeklagten aus Riedering: Geschwindigkeitsüberschreitung im Jahr 2015. 

Nun wird der Chatverlauf zwischen der Freundin des Angeklagten Riederingers und ihm vorgelesen. „Sag mir bitte, dass das nicht stimmt“, so die Freundin. Sie wollte wissen, ob es stimmt, dass ihr Freund den Golf-Fahrer mit überhöhter Geschwindigkeit überholt habe. 

Der Angeklagte antwortete darauf: „Nein das stimmt nicht. Wir sind von der Ampel weggefahren. Der Golf ist 40 gefahren. Dann haben wir ihn überholt. Dann hat er aufgeblendet und mich in der nächsten Kurve überholt. Wenn ich einen Fehler gemacht hätte, würde ich dazu stehen, da sind zwei Menschen ums Leben gekommen.“

Zudem wird noch der Verlauf der schon öfter zur Sprache gekommenen WhatsApp-Gruppe verlesen. Kurz nach dem Unfall habe es einige Nachrichten von Gruppenmitgliedern gegeben, dass überall Einsatzfahrzeuge unterwegs seien. „Frag nicht, uns geht’s gut“, so die Nachricht des Beifahrers des angeklagten Kolbermoorers. 

Im Chat geht es weiter um den Unfall. „Hauptsache euch geht’s gut“, so eine weitere Nachricht. Die Gruppenmitglieder wollten noch wissen, mit welchen Autos die Angeklagten unterwegs gewesen seien. Im Laufe de Nacht und des nächsten Morgens geht es in der Gruppe dann um die Identität der toten Mädchen. 

„Gleich heißt es illegales Straßenrennen, hirnverbrannte Vollidioten“, so eine weitere Nachricht. „Der Golf-Fahrer sagt sicher aus, dass ihr provoziert habt, weil er sich schützen will“, schreibt ein Mitglied der Whatsapp-Gruppe darauf. Der gesamte Verlauf geht darum, dass der Golf-Fahrer der Schuldige ist und die beiden BMW-Fahrer ins Visier der Polizeibeamten geraten. 

Auch dass die Tuningszene unter Generalverdacht gestellt werde, stößt einigen Gruppenmitgliedern sauer auf. „Was für ein Rennen? Sobald jemand von uns was sagt, geht’s nach hinten los, die Bullen sind wie Hunde. Ich habe Aussagen gemacht, so wie's war, das müsste reichen“, eine weitere Nachricht.

Weitere Chatverläufe aus den Auswertungen der Handys der BMW-Insassen werden verlesen: „Die wollen uns die ganze Sache anhängen“, wird weiter gechattet. „Diesmal haben wir wirklich kein Rennen gemacht.“

Update, 10.21 Uhr: Zeuge: "Ich kann keine genauen Geschwindigkeiten mehr sagen“

Nun sagt der letzte für heute geladene Zeuge aus. Der 26-Jährige ist ebenfalls ein Freund der Angeklagten. Auch er war Mitglied der Motorsport-WhatsApp-Gruppe. 

Zu dem Unfall könne er nicht viel berichten, da er nicht vor Ort gewesen sei. „Ich habe die vier BMW-Insassen in der Nacht des Unfalls von der Polizei abgeholt. Wir haben erstmal nichts geredet und Getränke geholt. Dann haben wir in Kolbermoor das Auto eines der Beifahrer abgeholt.“ Er habe in der Situation nicht das Gespräch beginnen wollen. 

„Die Stimmung war sehr trüb. Es kamen dann bröckelweise Aussagen, dass sie nicht verstanden haben, warum der Golf-Fahrer nicht anders reagiert hat.“ Aus den Medien habe er noch in der Nacht von dem schweren Unfall erfahren und mitbekommen, dass jemand verstorben ist. 

Richter Dr. Zenkel hakt hier nach: „Sie wissen von dem Unfall und holen die ab und dann fragen sie nicht nach, was passiert ist?“ Auch für den Staatsanwalt erscheint diese Aussage unglaubwürdig. 

„Das ist nicht unglaubwürdig, ich frage doch da nicht nach, wenn sie nicht darüber sprechen wollen“, so der Zeuge. „Es wurde darüber gesprochen, dass der Golf-Fahrer überholt hat, aber wie genau der gefahren ist, war nicht Thema.“ 

Beim Angeklagten Riederinger habe er beim Abholen Blut auf seinem Pulli wahrgenommen. „Ich weiß dass es ein weißer Pulli war und dass der blutverschmiert war.“ Dass die Angeklagten zuvor den Golf überholt hatten, darüber sei gesprochen worden, aber nicht warum. „Später haben sie dann eingeschätzt, wie schnell sie gefahren sind, ich kann aber keine genauen Geschwindigkeiten mehr sagen“, so der Zeuge.

Update, 9.49 Uhr: Zeuge: „Sie wissen nicht, warum der Golf-Fahrer überholt hat"

Der Nächste Zeuge (26) war Mitglied der Motorsport-WhatsApp-Gruppe, in der auch die Angeklagten aktiv waren. 

Der Unfall sei Thema gewesen, „das Meiste war aber über den Golf-Fahrer“, so der Zeuge. Er habe mit den Angeklagten, Freunde von ihm, aber auch persönlich über den Unfall gesprochen. 

„Sie haben erzählt, dass sie nicht wissen, warum der Golf-Fahrer überholt hat und warum er nicht reagiert hat und davon, dass der Golf-Fahrer schuld war.“ Ob darüber gesprochen wurde, dass sie den Golf-Fahrer vorher auch schon überholt haben, wisse er nicht mehr genau. 

Der Vater einer der Samerbergerinnen will wissen, was ihm der Angeklagte aus Kolbermoor erzählt hat, ob er erste Hilfe geleistet habe. „Ich kann bloß sagen, dass er mir gesagt hat, dass er die hintere Türe des Micras öffnen wollte und dass da ein Mädchen gesessen ist."

Update, 9.38 Uhr: Zeuge unterhielt sich mit BMW-Insassen über Unfallhergang

Für den heutigen Verhandlungstag sind drei Zeugen geladen. Der erste Zeuge (29) sei am Unfallabend mit einem Beifahrer der Angeklagten verabredet gewesen, der am vereinbarten Treffpunkt aber nicht erschienen sei. Er habe dann seinen Freund mehrmals angerufen. Am Telefon habe er die Nachricht bekommen, dass ein Unfall passiert sei und ist dort hin gefahren. 

„Ich habe an der Unfallstelle dann die BMW-Insassen bei ihren Fahrzeugen vorgefunden. Es war erstmal Chaos und es dauerte bis ich rausbekam, was überhaupt passiert ist. Wir haben über den Unfallhergang und darüber gesprochen, was passiert ist. Die Betroffenheit war groß. Das, was ich mitbekommen habe, war, dass wohl ein Auto auf der falschen Spur in den Gegenverkehr gefahren ist.“
Man habe sich nicht durchgehend unterhalten, da alle unter Schock gestanden haben. Bei seinem Eintreffen seien die Einsatzkräfte schon zu Gange gewesen.

Erstmeldung:

Am Donnerstag, den 10. Oktober begann der Berufungsprozess um den tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim. In voraussichtlich sieben Verhandlungstagen wird der Fall am Landgericht Traunstein neu verhandelt. Nach ihren jeweiligen Verurteilungen haben sowohl der Angeklagte aus Kolbermoor, als auch sein Mitangeklagter aus Riedering Berufung eingelegt.

Im Berufungsprozess werden drei Verfahren verbunden: Die beiden gerichtlichen Auseinandersetzungen mit dem Unfall auf der Miesbacher Straße und ein weiteres Verfahren: Der Angeklagte aus Kolbermoor wurde am 3. Dezember 2018 wegen der Teilnahme an einem verbotenen Autorennen vom Amtsgericht Rosenheim verurteilt. Er soll das Rennen nur kurze Zeit nach dem schlimmen Unfall gefahren haben. Auch gegen dieses Urteil hat der Angeklagte Rechtsmittel eingelegt

Angeklagte brechen ihr Schweigen

Nachdem sich beide Männer bei den ersten Prozessen vor Gericht nicht geäußert hatten, brachen sie am ersten Verhandlungstag des Berufungsprozesses vor der sechsten Strafkammer ihr Schweigen. Der zweite Verhandlungstag war geprägt von den Aussagen der wichtigsten Zeugen: Gehört wurden der mittlerweile 26-jährige Golf-Fahrer, der mit den Mädchen vom Samerberg kollidierte, seine Beifahrerin und die Beifahrer der Angeklagten. Am dritten Verhandlungstag sagten  hauptsächlich Polizisten aus. Es ging im Wesentlichen um die Frage, ob ein Rennen gefahren wurde oder nicht. Am vierten Prozesstag sagten die Ersthelfer aus und ein Beweisantrag der Nebenklagevertreter sorgte für Überraschung. An Verhandlungstag fünf ging es unter anderem um ein Rennen, das der angeklagte BMW-Fahrer aus Kolbermoor nach dem Unfall in Rosenheim gefahren haben soll.

Eklat am sechsten Verhandlungstag: Ein Zeuge, der die Angeklagten laut Nebenklagevertreter eigentlich schwer belasten hätte müssen, wurde nach seiner Aussage wegen des Verdachts auf Falschaussage vorläufig festgenommen.

Insgesamt 31 Zeugen sollen bei dem Berufungsprozess gehört werden. Das Urteil wird für Dienstag, 12. November, erwartet.

Schuldspruch vor dem Amtsgericht Rosenheim 

Das Amtsgericht Rosenheim sprach beide Fahrer bei der ersten Verhandlung der fahrlässigen Tötung, Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässigen Körperverletzung schuldig. Der BMW-Fahrer aus Riedering wurde im März 2019 zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt, der Fahrer aus Kolbermoor im Mai 2018 zu einer Haftstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung. Der Autofahrer aus Ulm wurde zu einer 20-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Diese ist inzwischen rechtskräftig. Er wird in diesem Prozess jedoch voraussichtlich wieder als Zeuge aussagen müssen.

Bei dem Unfall am 20. November 2016 auf der Miesbacher Straße in Rosenheim wurden z wei junge Frauen tödlich verletzt. Die 15-jährige Ramona D. und die 21-jährige Melanie R. stammten beide vom Samerberg. Ramonas Schwester Lena überlebte den Crash schwerst verletzt.

Die Unfallstelle auf der Miesbacher Straße in Rosenheim. Die weißen Kreuzen haben Unbekannte aufgestellt. Sie sollen die Unschuldigkeit der Opfer erinnern.

Die beiden BMW-Fahrer, gegen die jetzt neu verhandelt wird, sollen den Golf damals absichtlich beim Einscheren nach einem Überholvorgang behindert und so den Horror-Unfall mitverursacht haben. 

**chiemgau24.de berichtet vom Prozess am Dienstag**

jb

Quelle: chiemgau24.de

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