Prozessauftakt vor dem Landgericht in Traunstein

"Da habe ich einen Schmerz in der Brust gespürt!"

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Traunstein/Burgkirchen - Am Vormittag begann der Prozess gegen einen Mann, der im Juli 2014 gleich mehrfach auf seine Ex-Frau geschossen haben soll. Am Nachmittag kamen Opfer und weitere Zeugen zu Wort:

UPDATE, 17 Uhr:

Nach der zuletzt sehr emotionalen Aussage der Geschädigten, machten noch weitere Zeugen Angaben vor der 5. Strafkammer unter dem Vorsitz von Erich Fuchs. Einer der Männer, die den Angeklagten Ende Juli überwältigt hatten, war gerade dabei, in der näheren Umgebung Reifen an seinem Auto zu wechseln. Nachdem er mehrere Schüsse und das Schreien einer Frau vernommen hatte, lief er zusammen mit einem anderen Mann in Richtung des Altenheims in Burgkirchen. Dort angekommen habe er den Angeklagten gesehen, der mit einer Waffe auf eine Frau zielte, so der Zeuge. Er will den Mann dabei angesprochen und aufgefordert haben, den Revolver fallen zu lassen. In diesem Moment sei sein Begleiter schon angelaufen gekommen und habe den Angeklagten zu Boden geworfen. Dabei soll dem 53-Jährigen die Waffe entglitten sein. Der Zeuge, der den Angeklagten zu Boden gebracht hatte, bestätigte die Angaben seines Vorredners. Auch er habe die Schüsse und Schreie am Tatabend gehört und habe sich unverzüglich in Richtung der Geräusche aufgemacht. Aus einiger Entfernung konnte er den 53-Jährigen bereits mit der Waffe erkennen, so der Zeuge. Auch nachdem er den Mann zu Boden geworfen hatte, habe der Angeklagte widerholt versucht, die fallengelassene Waffe zu greifen "Er hat dabei immer wieder gesagt, das ist ein Spielzeug und das meine Frau", berichtete der Zeuge gegen Ende seiner Aussage.

"Ich habe dort eine Frau bemerkt, die am Boden gekauert ist", sagte ein Mitarbeiter der Burgkirchner Sicherheitswacht aus, der nach dem eigentlichen Tatgeschehen zum Tatort gekommen war. Er habe sich um die verängstigte Geschädigte gekümmert. Seine Kollegin habe die Waffe mitsamt der Munition bis zum Eintreffen der Polizei sichergestellt.

Am Ende des ersten Prozesstags machte noch der neue Freund der Geschädigten Angaben zu dem Vorfall, der sich Mitte Juni 2014 in Burgkirchen ereignet haben soll. Nachdem er die Geschädigte zur Arbeit gefahren hatte, stand plötzlich der Angeklagte vor dem geschlossenen Fenster seines Wagens. Mit dem Revolver in der Hand habe ihn der Angeklagte aufgefordert, die Scheibe herunterzufahren. "Da habe ich Panik bekommen. Ich hab die Handbremse gelöst und bin davon gefahren. Ich habe definitiv eine Waffe erkannt, sogar die Trommel", erklärte der Zeuge weiter. Beim Wegfahren habe er dann auch einen lauten Knall vernommen. Kurze Zeit später, noch am selben Tag, habe er dann zusammen mit seiner späteren Freundin Anzeige bei der Polizei erstattet.

Der Prozess gegen den angeklagten 53-Jährigen wird am 16. März weiter fortgesetzt. Dann sollen unter anderem die medizinischen und psychiatrischen Gutachter und weitere Zeugen gehört werden. chiemgau24.de berichtet auch dann wieder von den Entwicklungen aus dem Gerichtssaal.

UPDATE, 15.45 Uhr:

Nach der Mittagspause setzte Richter Erich Fuchs die Verhandlung gegen den 53-jährigen Mann aus dem Landkreis Altötting weiter fort. Es wurde zunächst die Geschädigte und Noch-Ehefrau des Angeklagten angehört. Trotz der Tatsache, dass die Frau ihren Ehemann seit der Tat nicht mehr gesehen hatte und anfangs etwas verunsichert erschien, machte sie sehr ruhig und bedacht wirkend detaillierte und umfassende Angaben zum Fall. Die Altenpflegerin gab an, bereits früher von ihrem Mann verbal bedroht worden zu sein. "Wir haben zusammen gewohnt, aber nicht zusammen gelebt", fasste die Geschädigte die Beziehung zu ihrem Noch-Ehemann zusammen. Während ihrer Tätigkeit als Altenpflegerin Anfang 2014 habe sie dann einen alten Bekannten aus der Schulzeit wieder getroffen. "Wir wollten schon versuchen, unsere Ehe zu retten", erklärte die Geschädigte. Aufgrund eines angeblichen Vorfalls, bei dem der Angeklagte sie mit einem Messer bedroht habe, sei dieses Vorhaben jedoch nicht geglückt.

"Ich wollte, dass wir uns wie normale Menschen trennen", erklärte die Geschädigte. Mitte Juni habe sie den Angeklagten dann aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen. "Es wird was Schlimmes passieren", soll der 53-Jährige damals bereits gesagt haben. "Ich habe mit vielem gerechnet, damit jedoch nicht", so die Geschädigte zu den Vorfällen Mitte Juni bis Ende Juli 2014. "Auf einmal ist mein Mann vor mir gestanden", berichtete die Geschädigte vom Tatabend. Sie habe dann gesehen, dass er eine Waffe in der Hand hielt. "Ich habe nicht geglaubt, dass er schießt", brach die Frau vor Gericht in Tränen aus. Sie habe dreimal ein Klacken und danach ein lautes Geräuch gehört. "Da habe ich einen Schmerz in der Brust gespürt."

Ihr Mann habe zu diesem Zeitpunkt ungefähr einen Meter entfernt gegenüber gestanden und mit der Waffe auf sie gezielt, so die Altenpflegerin. Sie habe sich umgedreht und sei weggelaufen. "Da habe ich noch zweimal ein Klack und dann wieder ein lautes Geräusch gehört." Einen Schmerz habe sie dann nicht mehr verspürt. Der Angeklagte habe sie schließlich eingeholt. "Da war wieder ein Klack, ich habe gewusst er wollte wieder schießen", berichtete die Geschädigte. Ein drittes Mal habe sie dann ein lautes Geräusch vernommen. Danach ging alles schnell. Zwei Passanten hätten ihren Mann zu Boden geworfen, sie selbst konnte die Polizei alarmieren.

Neben einer Prellung im Brustbereich, verursacht von einer der Kugeln, die glücklicherweise nicht eindringen konnte, verletzte sich die Geschädigte noch am Handgelenk. Seit dem Vorfall befindet sich die Geschädigte in psychiatrischer Behandlung. "Manchmal schaue ich mit den Kindern noch die alten Fotos an und wir erinnern uns an die guten Zeiten", bricht die Geschädigte wiederholt in Träne aus. Auch ihre Kinder befänden sich seither in ständiger Therapie.

"Die Kinder waren dir doch schon immer egal! Wenn ich gestorben wäre, wären sie jetzt im Heim", unterbrach die Geschädigte unter Tränen den Versuch des Angeklagten, sich bei ihr für die Tat zu entschuldigen.

UPDATE, 12.40 Uhr:

Zu Beginn der Beweisaufnahme machten als erstes Beamte der Kriminalpolizei Angaben zur Sache. Sie berichteten über die Vernehmungen der Zeugen und des Angeklagten, jedoch nicht über die Aussage der 37-jährigen Geschädigten.

Der neue Freund der Ehefrau hatte ausgesagt, dass er Mitte Juni vom Angeklagten mit der Waffe bedroht worden sei. Er sei dabei in seinem Auto gesessen und habe in den Lauf der Waffe geblickt, berichtete der Mann bei seiner Vernehmung. Sofort habe er die Handbremse dann gelöst und sei davon gefahren. Dabei habe der Zeuge noch einen lauten Knall vernommen, so die Beamten. Der Angeklagte selbst hatte bereits damals angegeben, unbewaffnet gewesen zu sein.

Weiter berichteten die Polizisten, dass bei der Untersuchungen des zweiten Tatorts insgesamt zwei Projektile entdeckt werden konnten. Die Verletzungen der Geschädigten hielten sich jedoch glücklicherweise in Grenzen, sie seien nur oberflächlicher Natur gewesen. Es kam dabei zu Pressungen an der Brust der Frau. Bereits kurz vor dem Geschehen Ende Juli soll der 53-Jährige jedoch die Tat in einer Gaststätte angekündigt haben. "Ich gehe in den Wald, hole eine vergrabene Waffe und erschieße meine Frau und den Mann", soll der Angeklagte damals verkündet haben.

Eine Aussage, die ein anderer Gast bezeugen könne, so einer der Kriminalbeamten. Dank der Mithilfe zweier Männer, die zufällig auf das Geschehen aufmerksam wurden, konnte der 53-Jährige bis zum Eintreffen der Polizei in Schach gehalten werden. Die Zeugen hätten den Angeklagten entwaffnet und am Boden fixiert.

Ein Kriminalbeamter erläuterte dann die Tatort-Rekonstruktion des Geschehens Ende Juli in Burgkirchen vor Gericht. Aus den Beschreibungen der Geschädigten und den Fundorten der Projektile mit dem Kaliber 22 stellte der Beamte das Tatgeschehen fotografisch nach. Nach der Mittagspause soll jetzt dann das Opfer zu Wort kommen!

UPDATE, 11.20 Uhr:

Nach der Verlesung der Anklageschrift durch den zuständigen Staatsanwalt Björn Pfeifer begann der vorsitzende Richter der 5. Strafkammer, Erich Fuchs, mit der Befragung des Angeklagten. Dieser machte sowohl Angaben zu seiner Person, als auch zu den Vorgängen an den beiden Tat-Tagen. Der 53-jährige Maschinenschlosser polnischer Herkunft gab an, bereits in der Beziehung zu seiner ersten Frau unter Alkoholeinfluss gewalttätig gewesen zu sein. Nachdem seine zweite Ehefrau, mit der er nach wie vor verheiratet ist, einen anderen Mann kennengelernt hatte, habe er nach einer längeren ruhigen Phase wieder verstärkt angefangen zu trinken; "ungefähr fünfzehn Bier am Tag, am Wochenende auch mal eine Flasche Wodka dazu", so der Angeklagte.

Mitte Juni 2014 wollte der Angeklagte den neuen Freund seiner Frau dann zur Rede stellen. Dabei habe der 53-Jährige den Mann in einem Auto in der Nähe der Arbeitsstelle seiner Noch-Ehefrau angetroffen. Mit dem Handy in der Hand habe er an den Wagen geklopft und ihn aufgefordert die Scheibe zu öffnen. "Dann habe ich einen Silvester-Knaller auf den Boden geworfen, er ist weggefahren", so der Angeklagte weiter. "Danach habe ich mir eine Flasche Wodka gekauft."

Eine Pistole oder einen Revolver will er zu diesem Zeitpunkt nicht bei sich gehabt, geschweige denn besessen haben. Eine Woche nach dem Vorfall mit dem neuen Freund habe seine Frau dann ein Kontaktverbot beim Amtsgericht in Altötting erwirkt. Auch das Aufenthaltsbestimmungsrecht der gemeinsamen Kinder ging kurze Zeit später an die Noch-Ehefrau. Den Revolver zum Abfeuern von Signalraketen will der Angeklagte erst danach auf einer Fahrt nach Tschechien für 60 Euro bei einem Straßenhändler gekauft haben. "Für Silvester und Knaller hab ich den besorgt", erwiderte der Angeklagte auf Nachfrage von Staatsanwalt Pfeifer. Aus einem kleinen Eimer habe er dann auch die Munition Kaliber 22 mitgenommen. Er sei der Meinung gewesen, dass es sich um Schreckschuss-Munition handelte, so der Angeklagte.

Am zweiten Tat-Tag Ende Juli habe er bereits tagsüber viel Alkohol konsumiert, erklärte der 53-Jährige. Irgendwann wollte er seine Frau dann zur Rede stellen, "da habe ich Mut gehabt", so der Angeklagte. Dazu habe er sich am Abend in der Nähe ihrer Arbeitsstelle begeben. "Ich wollte sie erschrecken, habe auf den Boden gezielt", rechtfertigte der Angeklagte den Einsatz der Waffe gegen seine Frau. Er will mehrmals abgedrückt haben, ohne dass es zu einem Schuss kam. Beim Inspizieren der Waffe habe sich dann aber doch ein Schuss gelöst. "Warum soll ich meine Frau umbringen? Für mich war es eine Schreckschuss-Pistole", erklärte der Angeklagte wiederholt. "Wenn ich schieße, bleibt sie doch stehen, habe ich gedacht." Er habe lediglich mit seiner Frau reden wollen, so der 53-Jährige.

Der Vorbericht:

Am 25. Juli 2014 kam es in Burgkirchen zu einer unglaublichen Szenerie: Auf offener Straße schoss ein damals 53-jähriger Mann im Streit mehrmals auf seine 37-jährige Ex-Ehefrau, wir berichteten. Glücklicherweise kam diese jedoch mit nur leichten Verletzungen davon. Der Grund:Die Waffe, ein umgebauter Gas-Revolver, versagte mehrmals seinen Dienst. Am Dienstag beginnt nun der Prozess gegen den mutmaßlichen Schützen. Die Anklage lautet auf versuchten Mord.

Zehn Schuss, eine leichte Verletzung

Bereits Mitte Juni soll der Angeklagte mit seiner baulich veränderten Schusswaffe in Erscheinung getreten sein. Damals soll er bereits einen Arbeitskollegen seiner Ex-Frau, den er in Verdacht hatte, ein Verhältnis mit ihr zu haben, mit der Pistole bedroht haben.Mit vorgehaltener Waffe soll der Angeklagte den Mann zum Aussteigen aus einem PKW aufgefordert haben. Während dieses Vorgangs soll sich ein Schuss aus dem umgebauten Revolver gelöst haben. Es kam dabei jedoch zu keinem Schaden für die beteiligten Personen.

Etwas mehr als ein Monat später soll der 53-jährige, mutmaßliche Schütze dann seiner Ex-Frau trotz eines richterlichen Kontaktverbots aufgelauert haben. Mit insgesamt zehn Schuss Munition und seiner modifizierten Waffe soll der Mann am Abend seine Ex-Frau abgepasst haben. In der Nähe eines Seniorenheims in der Burgkirchner Schusterbauerstraße soll er der Frau den Weg versperrt haben. Beim Versuch die Polizei zu rufen, habe der Mann dann mit der mitgeführten Pistole auf sie gezielt und mehrfach abgedrückt.

Nur ein Projektil soll dabei aufgrund einer Funktionsstörung gezündet worden sein. Es traf den Oberkörper der Frau, konnte jedoch glücklicherweise lediglich eine Prellung verursachen. Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung soll sich dann noch ein weiterer Schuss gelöst haben, der die Frau aber verfehlte. Zwei auf das Geschehen aufmerksam gewordene Männer konnten den Angeklagten dann schnell überwältigen und den Mann bis zum Eintreffen der Polizei unter Kontrolle halten.

Prozessbeginn am Dienstag

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Schützen vor der 5. Strafkammer am Traunsteiner Landgericht beginnt am Dienstag um 9 Uhr.

chiemgau24.de berichte dabei live von den Entwicklungen im Gerichtssaal

Quelle: chiemgau24.de

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