Frau (18) von U-Bahn-Fahrer vergewaltigt

Nach "Party-Tram"-Angebot an Vergewaltigungsopfer: Das sagt der MVG-Chef

+
Eine 18-Jährige wurde Mitte Juni in einer Münchner U-Bahn vergewaltigt.
  • schließen
  • Markus Zwigl
    Markus Zwigl
    schließen

München - Am Mittwoch musste sich U-Bahn-Fahrer Günther K. in München vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Er soll eine betrunkene und schlafende 18-Jährige vergewaltigt haben. Nun wurde ein Urteil gesprochen. Zuvor wurde bekannt: Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) machte dem Vergewaltungsopfer ein höhnisches Angebot.

Update, Freitag, 11.20 Uhr: MVG-Chef bedauert „Party-Tram“-Angebot

Kurz vor Prozessbeginn am Donnerstag wurde bekannt, dass ein Mitarbeiter der MVG dem Vergewaltigungsopfer eines U-Bahn-Fahrers ein höhnisches Angebot gemacht wurde: Ihr wurde zur Wiedergutmachung eine kostenlose Fahrt in der "Party-Tram" angeboten. Bereits am Donnerstagnachmittag drückte der MVG sein Bedauern über dieses Angebot aus: "Wir bedauern zutiefst, dass wir die Gefühle der jungen Frau verletzt haben. Dafür möchten wir uns entschuldigen."

Jetzt hat sich auch MVG-Chef Ingo Wortmann zum Angebot seines Unternehmens geäußert. Im Interview mit der Bild erklärt er, dass er selbst nichts von dem Angebot wusste. Er sei erst von seinem Pressesprecher wegen der Medienanfragen informiert worden. Auch an Kritik spart der MVG-Chef nicht: "Als Mensch war ich tief entsetzt. Persönlich halte ich das Angebot für sehr unangemessen. Ich möchte mich nochmals herzlichst entschuldigen, dass von unserer Seite ein solches Angebot gemacht wurde."

Der Mitarbeiter arbeitet mittlerweile nicht mehr bei der MVG, der Unternehmenswechsel stehe nach nach Aussagen der MVG aber in keinerlei Zusammenhang mit dem Angebot. Wortmann erklärt weiterhin, dass das Unternehmen in solchen Fällen künftig nur noch Psychologen oder psychologisch geschulte Mitarbeiter einsetzen würden. Außerdem denke das Unternehmen darüber nach, dem 19-jährigen Vergewaltigungsopfer etwas Neues anzubieten. "Entscheidend ist, was die junge Frau nun braucht.“

Update, Donnerstag 10.45 Uhr: Weitere schreckliche Details

Immer mehr Details zur Verhandlung und somit auch zum Tathergang kommen ans Licht. So berichtet abendzeitung-muenchen.de, dass das 19-jährige Opfer im Zeugenstand um Fassung ringen musste. Die starke Anspannung sei ihr deutlich anzumerken gewesen. Zur Beruhigung legte die Anwältin ihre Hand auf das Bein der jungen Frau. Tapfer habe das Mädchen erzählt, wie sie noch heute unter den Folgen der schrecklichen Tat vom 16. Juni leide. "Ich wusste nicht, was passiert ist. Ich wusste nur, dass es nichts Gutes war".

Der U-Bahn-Fahrer leugnete die Tat nicht, was auch aufgrund der belastenden Videoaufnahmen sinnlos gewesen wäre. Allerdings behauptet er, die widerstandsunfähige, weil stark betrunkene und völlig übermüdete junge Frau habe seine Zudringlichkeiten als "schön" bezeichnet.

Erst als die 19-Jährige völlig weggetreten war, soll der Mann von ihr abgelassen haben. Das Mädchen hätte sich in der Folge aufgrund ihres Zustandes übergeben und so ersticken können, ergänzte eine Polizeibeamte vor Gericht.

Update, Donnerstag 6.29 Uhr: "Hatte den Eindruck, dass er das schon öfter gemacht hat"

Am Mittwoch wurde ein U-Bahn-Fahrer wegen der Vergewaltigung einer schlafenden 18-Jährigen verurteilt. Ihn erwartet, wenn das Urteil rechtskräftig ist, eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. 

Während des Prozesses sagte auch eine Polizistin aus. Sie äußerte laut unserem Partnerportal tz.de einen schrecklichen Verdacht, für den ihr jedoch die Beweise fehlen. „Man sieht deutlich, dass es eine zielgerichtete Vergewaltigung war. Ich hatte den Eindruck, dass er das schon öfter gemacht hat. Er schaute während der Tat mehrfach auf die Uhr, wie viel Zeit er noch hat.“ Mit offener Hose sei er nach seiner Tat ins Führerhaus zurückgegangen und weitergefahren, um seinen Fahrplan einzuhalten. 

Update, Donnerstag 15.10 Uhr: Urteil gefallen 

Wie unser Partnerportal tz.de berichtet, wurde der 58-jährige U-Bahn-Fahrer am Mittwoch zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Im Laufe der Verhandlung soll der 58-Jährige geständig gewesen sein, sich an der jungen Frau vergangen zu haben. 

Auch die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) hat sich nach der Berichterstattung und dem daraus folgenden Shitstorm im Netz via Facebook geäußert. „Weil es viele von euch empört hat, möchten wir folgendes zur heutigen Berichterstattung über den Vergewaltigungsfall sagen: Wir bedauern zutiefst, dass wir die Gefühle der jungen Frau verletzt haben. Dafür möchten wir uns entschuldigen. Es war unangemessen von dem Mitarbeiter, hier eine Sonderfahrt anzubieten.“

Vorbericht:

Eine schreckliche Tat schockte Mitte Juni ganz Oberbayern: Ein Mann vergewaltigte eine betrunkene 18-Jährige, die auf ihrem Sitzplatz in der U-Bahn eingeschlafen war. Mit Hilfe von Videoaufnahmen konnte der mutmaßliche Täter jedoch schnell identifiziert werden: Der U-Bahn-Fahrer. Am Mittwoch muss sich der 58-jährige Günther K. nun vor dem Münchner Amtsgericht für seine Tat verantworten. 

„Ich war fassungslos und enttäuscht“

Doch kurz vor Prozessbeginn wurde bekannt: Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) machte der jungen Frau nach der Tat ein unfassbar unsensibles Angebot. „Laut meiner Mandantin wurde ihr nach dem Vorfall als Wiedergutmachung eine Fahrt mit der Party-Tram angeboten“, sagt Ruth Beer, Anwältin des Opfers gegenüber Bild.de. „Ich war fassungslos und enttäuscht“, sagt die heute 19-Jährige gegenüber unserem Partnerportal tz.de. Sie kämpfe noch immer mit den psychischen Folgen der Vergewaltigung. Auch ein zweites Mal nahm der MVG-Mitarbeiter nach tz-Informationen Kontakt zur jungen Frau auf und habe sie per SMS gefragt, wie sie sich „denn nun entschieden“ habe? 

"Es handelte sich um einen gut gemeinten Vorschlag"

Der MVG bestätigte den Vorfall sowohl gegenüber tz.de als auch der Bild. "Es ging nicht um eine „Entschädigung“ oder Wiedergutmachung, sondern schlichtweg um ein Zeichen unserer Anteilnahme und Unterstützung." So zu lesen im schriftlichen Statement der MVG. Und weiter: "Es handelte sich um einen gut gemeinten Vorschlag. Selbstverständlich hätte die Kundin auch andere Vorstellungen artikulieren können. Dies wurde ihr auch so gesagt." Lesen Sie das komplette Statement der Münchner Verkehrsgesellschaft auf unserem Partnerportal tz.de. Der Mitarbeiter, der die SMS schickte, arbeitet nach Auskunft des Unternehmens mittlerweile nicht mehr bei der MVG. Es bestehe aber kein Zusammenhang zwischen seinem Weggang und dem Angebot.

„Der Angeklagte hat ein Geständnis in Aussicht gestellt“, sagt Oberstaatsanwältin Anne Leiding gegenüber tz.de. Damit bleibt der 19-Jährigen wohl eine Aussage erspart - und Günther K. drohen nur maximal vier Jahre Haft.

Hintergrund

Die stark alkoholisierte Münchnerin stieg an der U-Bahnstation Klinikum Großhadern aus. Scheinbar war sie eingeschlafen, da der Zug aus der Wendeanlage in den Bahnhof einfuhr. Eine Polizeistreife wurde am Bahnsteig auf die Frau aufmerksam, da ihre Hose und ihr BH unter ihrem verrutschten T-Shirt geöffnet waren. Auf Nachfrage der Beamten konnte sie sich aufgrund der Alkoholisierung nur teilweise an das Geschehene erinnern. Beim Aufwachen stellte sie fest, dass ein fremder Mann seine Hand in ihrer Hose hatte. Sie verließ daraufhin die U-Bahn. 

Der Tatverdächtige konnte nach Auswertung der Videoaufzeichnung ermittelt und am Montag (9. Juli) während der Arbeit in der U-Bahn in München festgenommen werden. Schnell wurde bekannt, bei dem mutmaßlichen Täter handelte es sich um den U-Bahn-Fahrer.

Nach der Tat meldete er sich bei seiner Arbeitsstelle krank. Erst nach Wochen wollte er seine Arbeit fortsetzen. Doch soweit kam es nicht mehr. „Unser ehemaliger Mitarbeiter wurde noch vor Dienstantritt an einem U-Bahnhof festgenommen“, erklärte Matthias Korte, Sprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft. Ehemalig, weil der mutmaßliche Vergewaltiger nach Bekanntwerden seiner Tat selbst die Initiative ergriff und seinen Job kündigte. Dazu ergänzte Korte: „Sonst wäre er natürlich fristlos entlassen worden.“

mh

Zurück zur Übersicht: Bayern

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT