Anwalt bemüht sich um Wiederaufnahme des Verfahrens

Fall Peggy wird neu aufgerollt

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Peggy verschwand am 7. Mai 2001.

Lichtenberg/Bayreuth - Vor elf Jahren verschwindet das Mädchen Peggy spurlos. Als ihr Mörder wird der geistig behinderte Ulvi K. überführt. Aber ist er wirklich der Täter? Jetzt hat ein Belastungszeuge widerrufen.

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hat neuerliche Prüfungen im Fall Peggy angekündigt. Ein Zeuge, der den verurteilten Mörder Ulvi K. schwer belastet hatte, habe seine Aussage widerrufen, berichtete der Bayerische Rundfunk (BR). Dies werde geprüft, teilte der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Janovsky am Donnerstag mit. Er wies aber auch darauf hin, dass sich das Gericht bei der Verurteilung nicht entscheidend auf diese Zeugenaussage gestützt habe. Unterdessen kündigte der Anwalt des Verurteilten an, bald einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens zu stellen. Er liege mit den Vorbereitungen in den letzten Zügen, sagte der Frankfurter Jurist Michael Euler.

Peggy war im oberfränkischen Lichtenberg 2001 spurlos verschwunden. Bei der fieberhaften Suche nach dem damals neunjährigen Mädchen kamen sogar Flugzeuge der Bundeswehr zum Einsatz - vergeblich. Schließlich überführte die Polizei Ulvi K. als Täter. Von Anfang an gab es Zweifel an seiner Verurteilung. In Lichtenberg gründete sich sogar eine Bürgerinitiative, die von der Unschuld des Verurteilten überzeugt ist. Anwalt Euler hatte bereits vor Monaten auf viele offene Fragen und angebliche Fehler bei den Ermittlungen hingewiesen. Im Fall Peggy gibt es bis heute keinen Leichenfund.

Das Erste zeigte am Mittwoch die Dokumentation „Mord ohne Opfer - Neue Spuren im Fall Peggy“ von Christian Stücken. Er begab sich auf Spurensuche und befragte Prozessbeobachter und Betroffene von damals erneut. Das Fazit des Filmautors: Ulvi K. kann den Mord, so wie ihn das Gericht im Urteil darstellt, nicht begangen haben. 1,12 Millionen Zuschauer verfolgten die Doku (Marktanteil 7,4 Prozent).

Die Staatsanwaltschaft betonte, dass unabhängig von der bevorstehenden Prüfung keine baldige Entlassung von Ulvi K. bevorstehe: Er sei in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht - „wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern, der völlig unbestritten ist“, wie Janovsky betonte.

Auch deutete die Anklagebehörde Kritik an Anwalt Euler an: Hätte er den „seit Monaten angekündigten Wiederaufnahmeantrag“ im Fall Peggy bereits eingereicht, hätte die offizielle Überprüfung der Umstände längst beginnen können.

Der Belastungszeuge hatte nach BR-Angaben im Verlauf des Verfahrens ausgesagt, Ulvi K. habe ihm den Mord an Peggy gestanden und auch Details genannt. In Wahrheit sei er aber von der Polizei dazu gedrängt worden, diese Aussage zu machen. Man habe ihm ein schnelleres Ende seiner Haftstrafe versprochen. Seine Angaben seien falsch. Zudem sollen Aussagen von Zeugen, die Peggy noch nach der angeblichen Tatzeit in Lichtenberg gesehen haben wollen, von den Ermittlern ignoriert worden sein.

dpa

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