Kinder- und Jugendpsychiatrie soll verbessert werden

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Hall/Tirol  - Der Bezirk Oberbayern hat ein Projekt zusammen mit dem Heckscher-Klinikum für Kinder- und Jugendpsychiatrie auf den Weg gebracht.

Das Projekt wurde vom Gremium für Gesundheits-, Sozial- und Versorgungsplanung (GSV) des Bezirks Oberbayern in Auftrag gegeben. An dem Projekt beteiligt ist neben dem Bezirk sowie den bezirkseigenen und anderen psychiatrischen Kliniken die gesamte Palette der Kostenträger und Leistungserbringer in der Kinder- und Jugendpsychiatrie: Krankenkassen, Jugendhilfe, niedergelassene Ärzte und Therapeuten, Wohlfahrts- und Selbsthilfeverbände, Rehazentren und psychosoziale Arbeitsgemeinschaften. Gemeinsam wollen sie ausloten, wie die Angebote der psychiatrischen Versorgung für Kinder und Jugendliche in Oberbayern besser aufeinander abgestimmt – und möglicherweise ausgebaut werden können.

Hintergrund sei die „weiterhin unzureichende Versorgung vor allem im ambulanten, teilweise aber auch im stationären Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie“, erläuterte Dr. Dieter Schlamp, stellvertretender Ärztlicher Direktor am Heckscher-Klinikum. Schlamp leitet das GSV-Projekt. Anlässlich der 6. internationalen Psychiatrietagung der Regionen Tirol, Südtirol und Oberbayern am 22. und 23. Oktober in Hall/Tirol betonte er: Insbesondere in ländlichen Gegenden Oberbayerns gebe es einen Mangel an niedergelassenen Fachärzten. Im Rahmen des Projekts soll daher unter anderem geprüft werden, wie man Anreize für Psychiater und Psychotherapeuten schaffen kann, verstärkt auch Praxen auf dem Land zu eröffnen.

Aber auch die stationäre Versorgung durch psychiatrische Kliniken stehe im Fokus des Projekts. Zwar verfüge das Heckscher Klinikum für Kinder und Jugendpsychiatrie mittlerweile über sieben Standorte in Oberbayern. Die Inanspruchnahme der Kliniken sei jedoch in den vergangenen Jahren so gestiegen, „dass die Kapazitäten kaum mit der Nachfrage Schritt halten konnten“, berichtete Schlamp. „Die Versorgungssituation hat sich insgesamt daher zwar verbessert, ist aber noch nicht ausreichend.“ Im Rahmen des Projekts soll deshalb auch geprüft werden, wie die Zusammenarbeit zwischen Kliniken und niedergelassenen Fachärzten in Oberbayern besser vernetzt werden kann.

Weiteres Ziel ist eine verstärkte Kooperation der kinder- und jugendpsychiatrischen Einrichtungen mit der Jugendhilfe. So soll unter anderem die Versorgung von Jugendlichen mit psychischen Problemen in Heimen der Jugendhilfe verbessert werden. „Wir wollen dort Schritt für Schritt eine aufsuchende Betreuung durch Fachärzte vor Ort und die Institutsambulanzen installieren“, erläuterte Dieter Schlamp.

Außerdem soll das GSV-Projekt Wege aufzeigen, wie der Übergang von Patienten aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie in die Erwachsenenpsychiatrie besser gestaltet werden kann. Unter anderem soll dazu künftig am Inn-Salzach-Klinikum des Bezirks in Wasserburg ein eigener Bereich für ältere Jugendliche und Adoleszenten entstehen, in dem Patienten im Alter von 16 bis 21 Jahren behandelt werden. Außerdem werde am Klinikum München-Ost der Kliniken des Bezirks Oberbayern ein stationärer Bereich für jugendliche Patienten mit geistiger Behinderung und psychischen Störungen aufgebaut.

Die Internationale Psychiatrietagung in Hall/Tirol findet mit wechselnden Themenschwerpunkten alle zwei Jahre statt. Unter dem Titel „Die seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen – eine gesellschaftliche Herausforderung“ werden heuer Perspektiven der stationären und ambulanten kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung in Oberbayern, Tirol und Südtirol aufgezeigt. Überdies berichten die Referenten über grundsätzliche Themen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, etwa typische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter oder Suizidprävention in der Schule.

Pressemeldung Bezirk Oberbayern

Rubriklistenbild: © dpa

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