40 Jahre Nationalpark Berchtesgaden

Grund zu feiern: "Im Nationalpark gibt es kein Insektensterben"

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Der Nationalpark Berchtesgaden feiert sein 40-jähriges Jubiläum
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Ramsau - Der Nationalpark Berchtesgaden feiert 2018 sein 40-jähriges Jubiläum. Und auch der alljährliche Informationsabend, in dem über die Arbeit im Park berichtet wird, jährte sich bereits zum 10. Mal. So geht es 2018 weiter:

Der Nationalpark Berchtesgaden informiert

Jedes Jahr treffen sich die Verantwortlichen des Nationalparks mit interessierten Bürgern um über den Nationalpark Berchtesgaden zu informieren. Im Wechsel in der Gemeinde Ramsau oder der Schönau am Königssee. 2018 fand dieser Informationsabend wieder in der Ramsau statt. Der Leiter vom Nationalpark Berchtesgaden, Dr. Roland Baier informierte die Gäste zusammen mit Andrea Heiß (Bildungsmanagement) und Kathrin Rinneberg (Parkmanagement) über das vergangene Jahr und gab einen kurzen Ausblick auf das kommende Jahr, in dem der Nationalpark Berchtesgaden auch sein 40-jähriges Jubiläum feiert.

Der Nationalpark Berchtesgaden feiert sein 40-jähriges

Der Nationalpark Berchtesgaden ist der einzige deutsche Nationalpark in den Alpen. Das Gebiet umfasst eine Fläche von insgesamt 208 km². 108,06km² entfallen in das Gemeindegebiet der Schönau, 99,03km² in das der Ramsau und 0,93km² gehören zu Berchtesgaden. 

Der Nationalpark ist Teil des 1990 von der UNESCO ausgewiesenen Biosphärenreservats Berchtesgaden, das seit Juni 2010 zum Biosphärenreservat Berchtesgadener Land erweitert wurde. 

Außerdem ist der Nationalpark als Schutzgebiet im Sinne der Vogelschutzrichtlinie ausgewiesen. Die Nationalparkverordnung trat am 18. Juli 1978 in Kraft

Die Kernzone, bei der sich der Mensch zurückziehen soll und die Natur sich selbst überlassen wird, wird mit 75% angegeben. 

Schutzgebiet und Zentrum der Artenvielfalt

"Mir is t wichtig, dass der Nationalpark in der Region verankert ist und bei der Bevölkerung ankommt", so startete der Leiter des Nationalparks, Dr. Roland Baier, in den Abend und stellte als erstes einen Forschungsbericht vor, der unter der Leitung von Dr. Walter Ruckdeschl entstanden ist, der seit 1997 die im Nationalpark vorkommenden Nachtfalter und Kleinschmetterlinge erfasst.  

"Der Forschungsbericht zeigt über 600 verschiedenen Arten und rund 60% der bei uns vorkommenden Insekten stehen auf der roten Liste. Das erfreuliche dabei ist, dass wir immer noch die gleichen Arten bei uns beheimaten wie vor 50 Jahren. 

Unser Nationalpark ist ein Schutzgebiet und bedeutendes Zentrum der Artenvielfalt, bei uns gibt es kein Insektensterben", so Dr. Baier. Zurückgeführt wird dieses positive Ergebnis auf die vielen unberührten Flächen und die schonende Landnutzung rund um die Almen.

Internationale Zusammenarbeit

Auch eine länderübergreifende Zusammenarbeit ist laut dem Nationalparkleiter unverzichtbar für die "Vernetzung der Natur und ihren Ökosystemen". Als Vorzeigeprojekte gelten Veranstaltungen, wie zum Beispiel:

  • Danilo Re - ein internationales Rangertreffen  mit rund 300 Gästen aus sieben Alpenländern
  • Your Alps - ein Schulprojekt mit passenden Lehrplänen, gegen die Entfremdung der Schüler vom Alpenraum und für mehr Bezug zu ihrer Heimat
  • Alpbionet 2030 - Ein länderübergreifender Verbund zum Schutz der Arten und Lebensräumen, dem Erhalt der biologischen und genetischen Vielfalt sowie einem fachlicher Austausch von Naturschutz-Akteuren

Schutzwaldpreis für den Waldumbau

Ein weiteres Thema war der kürzlich erhaltene Alpine Schutzwaldpreis, den der Nationalpark Berchtesgaden am 2. Februar in Kempten verliehen bekommen hat. 

Ausgezeichnet wurde hier der "erfolgreiche Umbau von ehemaligen Fichtenreinbeständen zu Bergmischwäldern in den Schutzwaldlagen des Nationalparks Berchtesgaden am Beispiel des Steinberges oberhalb der Gemeinde Ramsau. Unser Waldumbau ist ein 'Best Practise' Beispiel, wie man einen Wald vorbildlich umbaut mit Hilfe eines intensiven Waldumbaus von einem verlichteten Fichtenreinbeständen in einen naturnahen Bergmischwald und mit einem schonenden Wildregulierungskonzept", so Dr. Baier. 

Und wies noch ergänzend hinzu, dass der erfolgreiche Waldumbau auch zu einer verbesserten Lawinenschutzfunktion führen würde und dem Humussschwund entgegenwirkt, der durch den jahrelangen Kahlschlag in der Salinenzeit entstanden ist. 

"Der Fels-Humus-Boden ist in diesem Jahr zum 'Boden des Jahres' gewählt worden und mit dem Umbau in einen Bergmischwald wollen wir erreichen, dass dieser Boden sich wieder mehr aufbaut und die Wasserspeicherfähigkeit des Waldbodens sich zum Beispiel in Starkregenzeiten wieder erhöht".

Nationalpark ist ein wichtiges Forschungsgebiet

Auch viele Forschungsprojekte finden im Nationalpark statt. So zum Beispiel zum Thema Quellenmonitoring. Dabei geht es um die Untersuchung der Quellen und mögliche Veränderungen im Rahmen der Klimaveränderung. 

Das Forschungsprojekt "Quellen als Zeiger des Klimawandels" wird durchgeführt in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Bayerischer Wald und dem Landesbund für Vogelschutz und hat zum Ziel auch in anderen Nationalparks durchgeführt werden.

Instandhaltung nimmt viel Zeit in Anspruch

Damit der Mensch den Nationalpark nutzen kann, müssen die Wege und Steige regelmäßig instandgehalten werden, so haben die Waldarbeiter im Jahr 2017 knapp 40% ihrer Zeit mit dieser Instandhaltung und Pflege verbracht. 

"Neben dem Freischneiden schmalerer Steige, gehört dazu auch das Beseitigen umgefallener Bäume, die Befestigung abgerutschter Straßen und die Kontrolle vor Schädlingsbefall wie zum Beispiel dem  Borkenkäfer", so Kathrin Rinneberg, verantwortliche Leitung vom Parkmanagement.

(Umwelt-) Bildungszentrum Nationalpark

Informationen zum Thema Umweltbildung gab es von Andrea Heiß, der Leiterin dieses Bereiches, die einen kurzen Rückblick auf das vergangene Jahr gab rund um das Wander- und Bildungsprogramm. Dazu gehören 

  • Wanderungen und Führungen
  • interaktive Schülerprogramme
  • Fachprogramme für Ranger
  • wöchentliche Kindergruppen
  • Ferienprogramme

So wurden im vergangenen Jahr zum Beispiel rund 500 individuelle Führungen organisiert und im Bildungszentrum insgesamt 4.126 Interessierte betreut, von denen fast 10% Multiplikatoren waren, also Lehrer oder sonstige Fachleute aus dem Bildungsbereich.

Ausblick auf das Jahr 2018

"Das Jahr 2018 steht im Zeichen unseres 40-jährigen Jubiläums, zudem wir ein neues Logo kreiiert haben mit dem Motto: Vertikal.Wild.Nah", so Dr. Baier und erläutert die drei Begriffe umgehend: 

  • "Vertikal steht für den Höhengradienten von 600 bis 2.700m. Während viele Schutzgebiete erst in höheren Lagen beginnen, decken wir den kompletten Höhengrad im Gebirge ab
  • Wild steht für das Schutzgebiet. Denn wir sind seit 2010 Pflanzenschutzgebiet und kümmern uns um eine naturnahe Entwicklung und die Prozessschutzentwicklung
  • Nah steht für die Nähe zur Bevölkerung und die Gäste, die zu uns kommen"

Gefeiert wird das Jubiläumsjahr mit mehreren Events, so zum Beispiel mit:

  • einem Festakt auf der ITB am 7. März
  • einem Festakt in Berchtesgaden am 1. August
  • einem großen Fest für die Bürger im Haus der Berge am 3. Oktober

Akzeptanzstudie zum Jubiläumsjahr

Auch auf die Fragebögen kam der Nationalparkleiter zu sprechen, die an jeden 12. Haushalt der Region geschickt wurden. Im Rahmen dieser Studie wurden 8000 Fragebögen an zufällig ausgewählte Adressen versandt, denn "wir wollten wissen wo wir stehen, wie wir ankommen und wie wir uns verbessern können. 

Bei einem Rücklauf von rund 20% ist das ein sehr erfreuliches Ergebnis und wir rechnen mit einem Ergebnis der Studie im Frühsommer.

Noch mehr Themen für das Jahr 2018

Ebenfalls kurz angesprochen wurden 

  • neue und deutlichere Markierungen an den Eingängen zum Nationalpark, "damit die Leute wissen, dass sie sich in einem Nationalpark befinden"
  • die geplante Umgestaltung der Informationsstätte am Klausbachhaus, die zum Beispiel durch unterschiedlich gemähte Wiesen die wichtigen Lebensräume der Insekten darstellen soll
  • eine verbesserte Barrierefreiheit auch was den Busbetrieb angeht
  • die neue Radfahrverordnung im Nationalpark, die in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt erstellt wird und Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern verhindern soll
  • die Asphaltierung der Staatsstrasse durch das Klausbachtal, zu der es am 13. März noch eine Informationsveranstaltung geben wird
  • sowie die zukünftige Schließung des Wimbachlosses in der kompletten Winterzeit aufgrund der Lawinengefahr, da hier niemand eine ausreichende Verkehrssicherungspflicht übernehmen kann

Nachfragen aus der Bevölkerung

Auch aus den Reihen der Zuhörer gab es ein paar Nachfragen zu weiteren Themen. So kam zum Beispiel der Vorschlag, den Fuhrpark durch Elektrofahrzeuge auszutauschen und Ladestationen an den Parkplätzen zu installieren

"Ein guter Vorschlag, darüber haben wir noch nicht nachgedacht, aber es gibt sicherlich viele Bereiche, bei denen das möglich wäre", so das Feedback von Dr. Baier.

Außerdem wurde dringend gefordert, sich nicht nur um die Belange im Nationalpark zu kümmern und diesen zu pflegen, sondern auch endlich die ehemalige Tankstelle am Ortseingang zu beseitigen. "Jeder Ramsauer versucht seine eigenen Sachen ausreichend in Ordnung zu halten, aber um diesen Schandfleck kümmert sich niemand", so einer der Gäste.

"Wir brauchen wieder eine Reizthema"

Mit Bedauern wurde abschließend noch festgestellt, dass das Interesse an dem alljährlichen Informationsabend immer mehr abnimmt und bei weitem nicht mehr die Vielzahl an Zuhörern lockt, wie zu Beginn. 

Der Vorschlag "Wir brauchen wieder ein Reizthema auf der Tagesordnung" sorgte für eher verhaltene Begeisterung, machte aber  trotzdem deutlich, dass es wieder an der Zeit sei, das Interesse an dieser Informationsveranstaltung bei der Bevölkerung zu wecken.

Quelle: BGland24.de

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