Das Adlerteam vom Nationalpark stellt sich vor

"Für uns ist jeder Tag ein Abenteuer"

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Das Adlerteam aus dem Nationalpark Berchtesgaden (v.l.) David Brunner, Florina Ley, Lea Baumer, Carina Molina, Marlene Volz, Melissa Stemmer
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Ramsau - Rund 100 Leute arbeiten im Nationalpark. Auch viele Studenten sind darunter, die ein Praktikum absolvieren. So wie Marlene und ihre Kollegen aus dem Adlerteam

Das Adlerteam aus dem Nationalpark Berchtesgaden (v.l.) David Brunner, Florina Ley, Lea Baumer, Carina Molina, Marlene Volz, Melissa Stemmer

Bewaffnet mit einem Fernglas und Walkie-Talkie stehen sie vor mir. Florina und Marlene aus dem Adlerteam. Marlene studiert im 6. Semester Geografie mit Schwerpunkt Biologie in Heidelberg. Florina studiert Geographie mit physischem Schwerpunkt in Berlin. Für das Praktikum im Nationalpark haben sie sich beworben, weil sie ausprobieren wollen, in welche Richtung sie sich spezialisieren wollen und weil sie gerne draußen sind. Gewohnt wird in einer WG, die der Nationalpark zur Verfügung stellt, genau wie einen Praktikumssold.

BGLand24.de wollte wissen, was sie in ihrem Praktikum alle erleben und machen und hat das Team beim Adlermonitoring begleitet

Über das Adlerteam vom Nationalpark Berchtesgaden

Warum habt Ihr Euch für das Adlerteam beworben? 

Marlene (21): Ich habe mich für das Adlerteam beworben, weil ich gerne einen Beruf ausüben möchte, bei dem ich viel draußen sein kann. 

Florina (24): Dito. Naturschutz, Draußensein… hier wird die Berufung zum Beruf!

Wie lange habt Ihr noch bis zum Abschluss? 

Marlene: Theoretisch ist das jetzt mein letztes Semester, ich bin aktuell im sechsten Semester. Aber ich denke es werden auf jeden Fall sieben Semester, denn ich möchte noch jede Menge Praktika machen und in alles Mögliche hineinschnuppern. 

Florina: Die Bachelor-Arbeit steht direkt bevor. Ich möchte ein Thema aus dem Nationalpark behandeln.

Was sind Eure Aufgaben? 

Hauptsächlich draußen die Tiere beobachten. Es kommt natürlich immer auf die Jahreszeit an, was genau gemacht werden muss. Da sind die Horstsuche und die Balzzeit, dann die Brutzeit, das Verhalten der Vögel wenn Jungtiere da sind, das ist alles sehr vielfältig. 

Wir halten beispielsweise fest, ob die ob die Adlerpärchen in den einzelnen Revieren noch zusammen sind, oder ob durch einen Todesfall ein neuer Partner irgendwo dazugekommen ist. Das muss alles dokumentiert werden und dann sind wir noch für die Führungen verantwortlich und als Ansprechpartner für die Gäste im Park zuständig.

Wie erkennt man Euch? 

Im Sommer an unseren T-Shirts mit dem Hinweis auf das Adlerteam. Aber jetzt im Winter tragen wir natürlich eine dicke Jacke darüber.

Was wollt Ihr dann später machen? 

Beide: Das ist alles noch ziemlich in der Findungsphase. Auf jeden Fall draußen arbeiten und nicht den ganzen Tag im Büro sitzen.

In welchen Berufen kommt man unter? 

Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig und manchmal muss man sich einen Arbeitsplatz auch ein wenig schaffen. Viele Möglichkeiten gibt es rund um das Thema Umweltschutz. 

Zum Beispiel rund um die Geografie, Bodenkunde, Biologie, etc., oder natürlich auch als Ranger im Nationalpark.

Was habt Ihr alles schon erlebt? 

Jeder Tag ist ein Abenteuer – wir erleben unglaublich viel und Vielfältiges. Mal stehen wir stundenlang in einem Tal und schauen in den Himmel, wenn wir Glück haben können wir Luftkämpfe und Horstanflüge beobachten. 

Mal lernen wir dann einen Berufsjäger kennen und fahren mal eben über den Königssee um die Fauna auf St. Bartholomä zu erkunden.

Wie reagieren die Leute auf Euch, wenn Ihr sie ansprecht und zum Beispiel Hundebesitzer auf das Thema Leinenpflicht ansprecht? 

Je nach Situation unterschiedlich. Auf das Leinen-Thema reagieren einige pampig, viele einsichtig. Ansonsten sind fast alle freundlich, aufgeschlossen und fragen von sich aus weiter nach, möchten durchs Fernglas schauen oder Tipps für Wanderungen bekommen.

Dabei geht es ja bei der Leinenpflicht nicht nur darum, dass die Hunde nicht jagen, sondern auch gejagt werden? 

Genau, die Leinenpflicht dient auch dem Schutz der Hunde selber. Ein Hund, der 30, 40m oder noch weiter entfernt von seinem Besitzer läuft ist für einen Adler genauso ein Beutetier wie jedes andere.

Das heißt ein Adler würde sich auch auf einen Hund stürzen? 

Das kommt schon mal vor, ja. Es gibt auch den ein oder anderen Jäger, der seinen Dackel nicht wiedergesehen hat und wo vermutet wird, dass dieser einem Adler zum Opfer gefallen ist.

Und was passiert dann? 

Er fliegt auf ihn zu, attackiert ihn, so dass er sich möglichst nicht wehren kann und wenn er nicht zu schwer ist, dann kann er ihn auch mitnehmen. Ansonsten zerlegt er ihn in der Regel an Ort und Stelle, wie jedes andere Beutetier auch. 

Ein Weibchen wiegt in der Regel zwischen 5-5,5 Kilo und wenn das Tier nicht wesentlich schwerer als der Adler ist, dann kann dieser es wegtransportieren.

Und größere Tiere? 

Adler gehen auch mal auf Gämsen, aber das funktioniert nur, wenn sie an einem Hang stehen. Dann kann der Adler sie greifen: Eine Gams ist jedoch in der Regel zu schwer und wird fallen gelassen. 

Stürzt sie dabei tödlich, dient sie anschließend an Ort und Stelle als Beute.

Muss ich mir jetzt Sorgen um meine Hunde machen im Nationalpark? 

Nein – darum bitten wir, Hunde anzuleinen. Aber die Mongolen setzen zum Beispiel immer noch Steinadler zur Wolfsjagd ein. 

Das macht einem bewusst, welche Kraft solch ein Vogel zu mobilisieren vermag.

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„Unsere Steinadler öffnen die Herzen der Menschen“ - Unterwegs mit dem Steinadlerteam im Nationalpark Berchtesgaden

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Quelle: BGland24.de

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