Pakistani sollen in Raubling, Rohrdorf und Neubeuern mit Drogen gehandelt haben

Dealerei in Asylunterkunft? Angeklagte geben Drogenkonsum zu 

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Traunstein/Raubling/Neubeuern/Rohrdorf - Am Dienstag müssen sich sieben pakistanische Staatsangehörige vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Ihnen wird schwunghafter Handel mit Haschisch vorgeworfen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Sieben Asylbewerber aus Pakistan sind wegen des Handels mit Haschisch angeklagt
  • Ihnen wird zur Last gelegt, in den Asylunterkünften Rohrdorf, Raubling und Neubeuern mit Drogen gehandelt zu haben
  • Am ersten Prozesstag äußerte sich keiner der Angeklagten zur Sache
  • Auch ist noch unklar, ob die Angeklagten als Bande gehandelt haben
  • Für den Prozess sind zehn Verhandlungstage angesetzt

Update, 13.41 Uhr: Erster Prozesstag beendet 

Unklarheit über das Alter gab es beim Angeklagten Hamza, der nach eigenen Angaben am 29. Januar 1997, nicht wie auf einem Formblatt festgehalten, am 24. Januar 1993. Er habe dann beim Bundesamt für Migration eine Änderung des Datums beantragt. 

Bei seiner Aufnahme in der Justizvollzugsanstalt sei dann schließlich wieder das falsche Datum übernommen worden. Der Angeklagte bleibt nach einiger Diskussion dabei, dass er 1997 geboren wurde. Er habe auch häufig Cannabis konsumiert, etwa ein Gramm pro Tag. Ein einziges Mal habe er 200 Euro nach Pakistan geschickt. Ob ein Gutachten über das faktische Alter des Angeklagten erstellt werden soll, wird noch entschieden. 

Ein jugendgerichtliches Gespräch wird noch heute mit dem Angeklagten geführt. Der erste Prozesstag wurde damit beendet. Am Mittwoch den 15. November wird die Verhandlung um 9 Uhr fortgesetzt.

Update, 12.50 Uhr: Angaben zur Person

Nach einer kurzen Pause verkündet Richter Dr. Weidmann, was bereits bei einem Treffen im Oktober besprochen und erklärt wurde. Demnach seien die Fahrten von München nach Berlin mit mindestens 30 Kilogramm Haschisch Teil der Verhandlung, ebenso die Bandenstruktur.

Mit der Staatsanwaltschaft sei auch die Hierarchiestruktur innerhalb der Bande diskutiert worden. Es gilt im Prozess also nachzuweisen, ob als Bande gehandelt wurde. Da man nicht mit wesentlichen Geständnissen rechnen könne, habe man alle Zeugen zur Hauptverhandlung geladen. "Alles ist offen", so Dr. Weidmann.

Alle Angeklagten machen von ihrem Recht zur Verweigerung der Aussage Gebrauch und wollen sich laut ihren Verteidigern am ersten Verhandlungstag nicht zur Sache äußern.

Im weiteren Verlauf der Verhandlung wird ein Bericht des Jugendamtes über den 22-Jährigen mutmaßlichen Bandenchef Abid* vorgetragen. Laut dem Bericht stammt er aus sehr ärmlichen Verhältnissen in Pakistan. Er sei mit 18 Jahren in die Türkei und vor zwei Jahren dann nach Deutschland gekommen. Dort habe er die Berufsschule besucht, diese aber abgebrochen, als er den Bescheid bekommen hatte, nicht in Deutschland bleiben zu dürfen. 

Er habe sehr sparsam gelebt, um etwa 100 Euro pro Monat zu seinen Eltern nach Pakistan zu schicken, was ihm sehr wichtig gewesen sei. Emotional fühle er sich noch sehr an seine Familie gebunden. Laut der Mitarbeiterin des Jugendamtes gebe es einige Indizien, die sowohl für das Erwachsenenstrafrecht aber auch Merkmale, die noch für die Jugendlichkeit des Angeklagten sprechen. Abid selber habe angegeben, keine Drogen und keinen Alkohol auf Grund seines Glaubens konsumiert zu haben. Er habe lediglich einmal probiert und passiv Rauch im Container inhaliert.

Die Angeklagten Farwa* und Masood* machten selbst Angaben zu ihrer Person. Demnach habe der Angeklagte Farwa regelmäßig Haschisch geraucht und Bier getrunken. Der Beschuldigte Masood habe nie eine Schule besucht und sei in ärmlichen Verhältnissen in Pakistan aufgewachsen. Auch er habe Alkohol getrunken und Haschisch geraucht. "Wegen dieser Raucherei bin ich heute hier", sagte Masood. In Pakistan sei er bis 2010, als er das Land verlassen habe, heroinabhängig gewesen. Auch er habe Geld nach Pakistan geschickt.

Update, 11.20 Uhr: Anklageschrift wird verlesen

Bei der Feststellung der Personalien gab es zu Beginn des Prozesses einige Schwierigkeiten, da die Schreibweise der Namen, die Geburtsorte sowie die Geburtsdaten bei einigen Angeklagten nicht mit den in den Akten aufgeführten Angaben übereinstimmten. Mit Hilfe einer Dolmetscherin befragte der Vorsitzende Richter Dr. Weidmann die Angeklagten sehr genau nach deren persönlichen Angaben, um Fehler auszuschließen.

Die Angeklagten sind gefasst und ruhig, während Staatsanwältin Carolin Schwegler die Anklageschrift verliest. Anschließend wird sie durch eine Übersetzerin noch einmal auf Urdu verlesen. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft haben sich die Beschuldigten zusammengetan, um schwunghaften Handel mit Haschisch zu betreiben. 

Der 22-jährige Angeklagte Abid* habe als Chef der Bande fungiert und sei für das Beschaffen des zum Haschischerwerb benötigten Bargeldes zuständig gewesen. Darüberhinaus soll er die Drogen teilweise bei sich in seinem Zimmer gelagert haben. Das Haschisch habe der Angeklagte Razzaq* (29), der sich neben dem Beschuldigten Farwa* unter Abid in der Führungsschiene befand, aus München und Berlin beschafft. Er soll wöchentlich zwischen einem und vier Kilogramm Haschisch besorgt haben.

Der 30-jährige Angeklagte Farwa sei maßgeblich für den Verkauf der Betäubungsmittel zuständig gewesen und habe zusätzlich den Kontakt zu einem Betäubungsmittelgroßhändler in Berlin hergestellt. Der Angeschuldigte Hamza* (24) soll Kontakte zu Betäubungsmittelabnehmern an die Bande weitervermittelt und größere Mengen Haschisch bei sich aufbewahrt und weiterverkauft haben.

Der 29-jährige Angeschuldigte Irzam* soll nach Auffassung der Staatsanwaltschaft sein Zimmer regelmäßig für die Lagerung des Haschischs zur Verfügung gestellt haben. Die Angeschuldigten Jawad* (35) und Masood* (39) sollen für den Verkauf zuständig gewesen sein und das Haschisch auf Rechnung der Bande vertrieben haben. Die Gruppe habe durch den Betäubungsmittelhandel ihren Lebensunterhalt bestritten und sich einen Einnahmequelle von einiger Dauer und einigem Umfang verschafft.

Der Vorbericht:

Bereits im April diesen Jahres durchsuchte die Polizei mehrere Asylunterkünfte im südlichen Landkreis Rosenheim. Ziel war die Sicherstellung von Drogen sowie die Festnahme mehrerer Personen

Aufgrund polizeilicher Ermittlungen wurde bekannt, dass in Asylbewerberunterkünften in Raubling, Neubeuern und Rohrdorf mehrere Bewohner im Zusammenhang mit Betäubungsmitteldelikten stehen sollen.

Anklage erhoben

Die Staatsanwaltschaft hat in diesem Zusammenhang nun Anklage gegen sieben Pakistanische Staatsangehörige, die bei der Durchsuchung festgenommen wurden und seit dem in Untersuchungshaft sitzen, wegen unerlaubten bandenmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge erhoben. 

Die Pakistani lebten alle in Asylunterkünften in Raubling, Neubeuern und Rohrdorf. Dort sollen sie sich nach Auffassung der Staatsanwaltschaft zusammengeschlossen haben, um in arbeitsteiliger Vorgehensweise in den Asylunterkünften mit Haschisch zu dealen. Die Drogen sollen sie erst aus München, dann seit Mitte Februar aus Berlin von bislang unbekannten Personen bezogen haben.

Lukratives Geschäft

Die Männer sollen die Drogen laut Anklageschrift für vier Euro das Gramm eingekauft und für zehn Euro pro Gramm weiterverkauft haben.

Insgesamt zehn Verhandlungstage setzte das Gericht für den Prozess an:

14.11.2017, 9 Uhr
15.11.2017, 9 Uhr
21.11.2017, 9 Uhr
22.11.2017, 9 Uhr
8.12.2017, 9 Uhr
15.12.2017, 9 Uhr
29.12.2017, 9 Uhr
5..1.2018, 9 Uhr
10.1.2018, 9 Uhr
12.1.2018, 9 Uhr

**Wir berichten aus dem Gerichtssaal**

* Namen wurden von der Redaktion geändert

Quelle: chiemgau24.de

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