Reaktionen aus der Region nach Erdbeben in Kroatien

Das spürten die Leser: „Alles schaukelte“ - Diplom-Geologe über die Hintergründe

Das Erdbeben in Kroatien am Dienstagmittag, den 29. Dezember, war sogar bis nach Bayern spürbar.
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Das Erdbeben in Kroatien am Dienstagmittag, den 29. Dezember, war sogar bis nach Bayern spürbar.

Kroatien/Region - Kroatien wurde am Dienstagmittag von einem schweren Erdbeben erschüttert. Die Zentren der Kleinstädte Sisak und Petrinja südöstlich von Zagreb lagen in Trümmern, wie kroatische Medien berichteten. Das Beben war so stark, dass seine Auswirkungen bis nach Bayern spürbar waren.

Gegen 12.20 Uhr hatte sich ein schweres Erdbeben südöstlich von Zagreb in einer Tiefe von etwa zehn Kilometer ereignet. Kurze Zeit später erreichten die OVB24 Redaktion bereits erste Meldungen über beobachtete Auswirkungen in der Region. Seismologen gaben die Stärke des Bebens in Kroatien mit 6,4 an.

Während die Städte Sisak und Petrinja in unmittelbarer Nähe des Erdbebens schwer betroffen waren und ein zwölfjähriges Mädchen von herabfallendem Gebälk erschlagen wurde, schwankten in der Region Dinge wie Lampen oder Uhrpendel. Zum Teil berichteten Leserinnen und Leser vom spürbaren Wackeln des Bodens.

Eine Leserin aus Kolbermoor schreibt: „Mein Mann und ich saßen gerade beim Essen, als die Lampe über dem Esstisch zu wackeln begann. Beim Blick aus dem Fenster sah ich wie sich die Übergardine auch bewegte, obwohl kein Fenster oder keine Tür auf war.“

Aus dem Chiemgau kamen ebenfalls Meldungen. In Grassau wackelten ebenfalls Möbel und Lampen. Ein Leser meldete sich: „In Marquartstein rüttelte es auch ein wenig. Ich konnte mir aber keinen Reim darauf machen. Unser alter Bauernschrank knarzte und vom Wintergarten waren kurz komische Geräusche zu hören. Sogar unser fast gehörloser Hund merkte etwas. Er wachte in seinem Körbchen auf und schaute, ob ich noch auf der Couch liege.“

Eine Leserin aus dem Berchtesgadener Land schrieb: „Wir in Freilassing haben das Beben aus Kroatien beim Mittagessen bemerkt. Die Lampen haben stark gewackelt und die Katze war irritiert. Meine Tochter und ich haben leichtes Unwohlsein gespürt.“ Ebenfalls aus Freilassing meldete sich eine weitere Leserin: „Ich saß auf der Couch und hab mir das Damenskirennen angesehen, als ich auf einmal zu wackeln begann und kurz danach der Christbaumschmuck meine Deko-Kugeln am Fenster und auch die Tischleuchte.“

Sogar aus der Nähe von Karlsruhe meldeten sich Leser: „Wir saßen beim Mittagessen. So gegen 12.25 Uhr bemerkte ich, dass sich unsere Lampe schwingend bewegt. Ich schaute nach den aufgehängten Sternen und Deko-Gegenständen: Alles schaukelte! Es war ein seltsames Gefühl.“

Diplom-Geologe über das Erdbeben: „Wie Schallwellen im Wasser“

In den vergangenen Jahrzehnten hat die Balkanregion immer wieder Erdbebenkatastrophen erlebt. Im Juli 1963 zerstörte ein Beben das Zentrum von Skopje, der Hauptstadt der damaligen jugoslawischen Teilrepublik Mazedonien und des heutigen Nordmazedoniens. 1976 erschütterte ein massives Beben das italienische Friaul - 989 Menschen starben. Im Gespräch mit OVB24 erklärt der Diplom-Geologe Dr. Robert Darga aus Rosenheim, wieso es besonders in diesem Bereich immer wieder zu Beben kommt und weshalb diese über eine so weite Entfernung auch noch bei uns spürbar sein können.

Die Lage und Bewegung der Kontinentalplatten von Europa und Afrika sind der springende Punkt, erklärt der Diplom-Geologe: „Die Alpen und die Karpaten (Anm. d. Red.: Hochgebirge, das sich größtenteils über die Slowakei und Rumänien erstreckt) sind über eine lange Zeit wegen der Bewegung dieser Platten entstanden. Dabei kommt es durch die erheblichen Verschiebungen über Millionen von Jahren immer wieder zu Erdbeben. Wie ein Papier, das auf einer Ebene zusammengeschoben wird, bilden sich auch in dem Gestein, das unsere Erde überzieht, Falten. Nur, dass die Steinschicht nicht gerade elastisch ist. So können Spannungen entstehen, wenn die Bewegung des flüssigen Erdmantels die Platten ineinander schiebt.“

Die Entladung solcher Spannungen entladen sich aufgrund der spröden Eigenschaften von Stein dann nahezu explosiv erklärt Darga weiter: „Beim Drift der Kontinentalplatten läuft die Bewegung des festen Materials - der Oberfläche, auf der wir leben - nicht so flüssig ab, wie im Erdmantel. Kurz unter der festen Oberfläche ist die sich bewegende Masse gerade so heiß, dass man noch von Fließen sprechen kann; darüber ist das Material fest. Sammelt sich über einige Zeit genug Druck auf diese feste Masse an, löst sich das ruckartig. Wir bemerken das dann als mehr oder weniger starkes Erdbeben.“ Für die schnelle und über große Distanz erfolgende Ausbreitung der sogenannten seismischen Wellen findet der Diplom-Geologe einen passenden Vergleich: „Die seismischen Wellen breiten sich ähnlich wie Schall aus, nur nicht über die Luft, sondern mehr wie in Wasser. Denn anders als Luft lässt sich Gestein wie Wasser schlecht bis gar nicht komprimieren. Die Übertragung erfolgt damit deutlich schneller und mit weniger Kraftverlust.“

Für das Alpenvorland hält Darga wiederkehrende Erdbeben im Übrigen nicht unwahrscheinlich: „Bei uns rumpelt es immer wieder. Erst letztes Jahr gab es ein Erdbeben bei Kufstein (Plus Artikel) und ein weiteres bei Innsbruck (Plus-Artikel).“ Die Stärke der Erdbeben sei zwar bei uns geringer wegen der Alpen, welche als Puffer wirken, jedoch generell nicht ungewöhnlich: „Die Alpen sind für uns eine regelrechte Knautschzone. Aber man kann in den Gesteinen und der Struktur unseres Bodens durchaus sehen, dass es hier im Erdreich ‚Schwachstellen‘ gibt, an denen sich auch Spannungen entladen können und das auch immer mal wieder tun.“

Zu möglichen Folgen des Bebens in Kroatien sagte eine Sprecherin des Landesamts für Umwelt in Augsburg: „Die Größe des Erdbebens lässt viele Nachbeben erwarten.“ Schon in den Vortagen hat die Erde in Kroatien immer wieder gebebt.

mda mit Material der dpa

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