Wie geht es mit der Verkehrsentlastung für Bad Reichenhall weiter?

Sind die Solequellen doch nicht in Gefahr?

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Wie geht es mit der Verkehrsentlastung für Bad Reichenhall weiter?
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Bad Reichenhall - Auf der vergangenen Stadtratssitzung in Bad Reichenhall hat sich der Stadtrat mit 13:11 Stimmen dazu entschlossen, durch Staatssekretär Eck die Variante Auentunnel prüfen zu lassen. Vor allem die Freie Wähler Gemeinschaft kritisiert diese Vorgehensweise massiv:

"Sie sollten auch einmal dem Publikum zuhören, und darauf achten, bei welchen Argumenten wir applaudieren, dann hätten Sie es leichter mit ihrer Entscheidung". Diese harsche Kritik fiel seitens der zuhörenden Bürger bei der vergangenen Stadtratssitzung, nachdem die Stadträte mit 13:11 Stimmen entschieden hatten, die Variante Auentunnel durch Staatssekretär Eck prüfen zu lassen.

Nicht nur die Bürger kritisierten die Entscheidung massiv. Auch die Freie Wähler Gemeinschaft hielt nicht mit ihrer Kritik hinterm Berg.

Harsche Kritik von der FWG

"Wenn der Auenwald abgeholzt werden soll, kette ich mich an einen Baum", so kritisierte Friedrich Hötzendorfer die Entscheidung des Stadtrats und betonte, dass die FWG "gegen diesen Vorschlag stimmen würde."

Direkt im Anschluss der Sitzung, verfasste die Freie Wähler Gemeinschaft das folgende Schreiben:

"Sehr geehrter Herr Staatsekretär Eck,

wir nehmen Bezug auf Ihr Schreiben an Herrn Oberbürgermeister Dr. Lackner vom 26. Juni 2017, das uns vorliegt. Seinerzeit hatten Sie in Aussicht gestellt, das Staatliche Bauamt Traunstein mit einer Variantenuntersuchung Auentunnel zu beauftragen, sofern 'durch einen tragfähigen Stadtratsbeschluss eine eindeutig positive Stellung' bezogen wird. 

In der Sitzung vom 10.10.2017 hat der Stadtrat mit der denkbar knappsten Mehrheit von 13:11 Stimmen beschlossen, Sie zu bitten, das Straßenbauamt Traunstein mit der Variantenprüfung zu beauftragen. Mit ein Grund für die zahlreichen Gegenstimmen war sicherlich unter Anderem das Schreiben des Straßenbauamts vom 09.10.2017, das wir in Fotokopie als Anlage beifügen. Dieses Schreiben stellt im Prinzip bereits eine Prüfung dar und es ist bei dessen Deutlichkeit schier ausgeschlossen, dass das Amt bei einer erneuten Prüfung zu einem andere Ergebnis gelangen könnte.

Nachdem Ihre Bedingung für die Beauftragung ('deutlich positive Positionierung') nicht annähernd eingetreten ist und das Straßenbauamt bereits eine negative Stellungnahme abgegeben hat, wäre es unseres Erachtens reine Verschwendung von Arbeitskraft und damit Steuergeldern, in eine erneute Prüfung einzusteigen. Vielmehr wäre es sinnvoller und angebracht, das Straßenbauamt anzuweisen, das Verfahren Kirchholztunnel mit aller Macht weiter zu betreiben. Darum bitten wir Sie im Namen der FWG-Fraktion im Stadtrat.

Mit freundlichen Grüßen, Fraktionssprecher Gerhard Fuchs sowie stv. Fraktionssprecher Friedrich Hötzendorfer".

So das Schreiben der FWG.

Doch keine Gefahr für die Solequellen?

Ein Argument, dass seitens der Befürworter des Auentunnels immer wieder angeführt wird, ist die angebliche Gefahr für die Solequellen, die diesen durch den Kirchholztunnel drohen sollen. Auch hierzu gibt es seitens der FWG eine klare Stellungnahme, die den Geologen Dr. Stefan Kellerbauer zitiert. BGLand24.de hat Fritz Grübl von der FWG zu dieser Stellungnahme befragt:

Herr Grübl, wie gefährdet sind die Solequellen durch den Kirchholztunnel?

Der Geologe Dr. Stefan Kellerbauer hat im März 2013 in einem Leserbrief ganz klar Stellung zur Sicherheit der Sole bezogen. Er betont darin, dass die Solebohrung REI 9, welche ja bekanntermaßen als Heilquelle zugelassen ist, durch die Tunnelbauarbeiten mit größter Wahrscheinlichkeit nicht beeinträchtigt werden würde. Die Zulassung einer Ersatzbohrung REI 8 als sogenannte weitere Heilquelle, könne nur unter dem Aspekt erfolgen, dass bei einer technisch bedingten Störung der REI 9, diese als ursprüngliche Heilquelle nicht benutzbar sein könnte. Die Heilquelle REI 8 wurde nur aus dem Grund als Heilquelle zugelassen, falls die Heilquelle REI 9 bei Tunnelbauarbeiten wegen nicht auszuschließender hygienischer Beeinträchtigungen vorsorglich gesperrt werden würde.

Liegen die Solequellen denn nicht auf der Höhe des zu bauenden Tunnels?

Nein! Auch hierzu hat Herr Dr. Kellerbauer in seinem Leserbrief Stellung genommen. Die oberflächlichen Soleaustritte, die umgangssprachlich 'Solequellen' genannt werden, entstehen durch Vermischung von oberflächennahmem Grundwasser mit einer geringen Menge an natürlich aufsteigender Sole. Diese Austritte werden vor allem aus hygienischen Gründen seit Jahrzehnten nicht mehr für Kurzwecke genutzt.

Der Grundwasserspiegel in der Südhälfte des Tunnels liegt auf Höhe des späteren Tunnel. Im Bereich der Solequellen liegt er mehrere Zehnmeter darunter. Lediglich in der Nordhälfte des Tunnels, also unterhalb des Truppenübungsplatzes, liegt der Grundwasserspiegel über dem Tunnel. Das heißt, dass der Tunnel im Grundwasserbereich verlaufen würde.

Die zu Trink-, Bade- und Kurzwecken ausgeschenkte Sole hingegen stammt nicht aus gefährdetem Quellenbereich, sondern stammt aus der Tiefbohrung der Heilquelle REI 9. 

Wieso wird dann immer das Argument aufgeführt, dass die Solequellen in  Gefahr seien?
Im Jahre 2010 hatten Baugrund- und Grundwasseruntersuchungen im Bereich Gruttenstein und Streitbichl gezeigt, dass der Grundwasserspiegel tatsächlich sehr viel tiefer liegt, als aufgrund von früheren Untersuchungen angenommen wurde. Diese Untersuchungen stammen allerdings aus den Jahren 1978 und 1984 und waren wesentlich ungenauer als die heutigen. Die neueren Untersuchungen haben die fehlerhaften früheren Untersuchungen präzisiert und in Teilen widerlegt.

Lesen Sie in einem weiteren Artikel auf BGLand24.de, wie das Staatliche Bauamt Traunstein auf den Fragenkatalog der FWG und Fritz Grübl hinsichtlich der Verkehrsentlastung für Bad Reichenhall geantwortet hat.

Quelle: BGland24.de

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