Wo die Reichenhaller Gebirgsjäger überall eingesetzt sind

Brigadegeneral Jared Sembritzki: "Wir müssen kriegsfähiger werden"

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Von Hafen sicher bis neues Gebirgsjägerbatallion ausbilden, das Aufgabenspektrum von Brigadegeneral Jared Sembritzkis Truppe ist umfangreich.

Bad Reichenhall - Im Juni wird Brigadegeneral Jared Sembritzki drei Jahre Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23 in Bad Reichenhall sein. Wie lange er es noch bleibt, weiß er nicht. Dafür weiß er genau, was seine Truppe in diesem Jahr erwartet.

"Normalerweise ist die Zeit eines Offiziers nach drei Jahren in einer Position um", gibt der Brigadegeneral bei einem Pressegespräch zu. "Man landet automatisch auf der Versetzungsliste." Bisher habe man sich ihm gegenüber bezüglich einer anderen Verwendung noch nicht geäußert. "Vielleicht kann ich bis Ende des Jahres hierbleiben", hofft der 50-Jährige. Der in den ersten beiden Jahren seiner Tätigkeit in Bad Reichenhall erst einmal schauen musste, "in welche Richtung es läuft".


Seit Sembritzki das Sagen hat, ist für die Soldaten klar, in welche Richtung es läuft. "Stabilisierung können wir", fasst es der General knapp zusammen. "Damit sind meine heutigen Kompaniechefs großgeworden." Der gebürtige Berliner meint damit die Einsätze wie im Kosovo oder Afghanistan. Dort war und ist die Aufgabe der deutschen Truppe, einheimische Soldaten auszubilden und durch ihre Anwesenheit für Sicherheit zu sorgen.

"Seit 2017 ist aber auch die Landesverteidigung und die Bündnisverteidigung wieder mehr in den Fokus gerückt", erläutert der Brigadegeneral genauer. Das weltpolitische Geschehen wird spätestens seit der Auseinandersetzung um die Halbinsel Krim neu bewertet. Was wenn deutsche Soldaten ihr Land oder das eines Bündnispartners verteidigen müssen? "Die Bundeswehr muss deutlich mehr kriegsfähiger werden", so die Forderung von Jared Sembritzki.


Bei Gebirgsjägerbrigade 23 - erste Ausbildungserfolge stellen sich ein

Deshalb hat der 50-Jährige bereits vergangenes Jahr klare Strukturen geschaffen. Von seinen drei Gebirgsjägerbatallionen (233 Mittenwald, 232 Bischofswiesen und 231 Bad Reichenhall) befindet sich immer eines im Auslandseinsatz, eines im Gefechtsdienst und eines übernimmt die Sonderaufgaben. "Die Erfahrung damit ist bisher ziemlich gut. Wir haben damit Kapazitäten geschaffen, um mehr auszubilden." Die ersten Ausbildungserfolge würden sich einstellen.

Damit die Entwicklung so weitergeht, wird es auch heuer die Gefechtsübung Berglöwe im so genannten freien Raum, also auf der Straße geben. "Wir haben mit dem Berglöwen im vergangenen Jahr sehr gute Erfahrungen gemacht. Auch wenn freilaufend in der Bevölkerung für die Soldaten gar nicht so einfach ist", so der Brigadegeneral. "Es ist ein riesiger Aufwand, aber letztlich ist es unsere Aufgabe."

Bilder von der Übung „Berglöwe 2019“

Bahnentladung: Ein Gefechtsfahrzeug vom Typ „BV 206 Hägglund“ verlässt im Zementwerk in Rohrdorf einen Waggon. © Stephan Schaffner
Ein Gebirgspionier des Kampfmittelbeseitigungstrupps nähert sich einer improvisierten Sprengfalle vorsichtig an. © Stephan Schaffner
Gefechtsfahrzeuge der „Mittenwalder Jager“ überqueren den Inn mit Hilfe einer Faltschwimmbrücke. © Bundeswehr / Thomas Vigh
Eine Marschkolonne des Gebirgsjägerbataillons 233 startet vom Truppenübungsplatz Kammer bei Traunstein Richtung Reiteralpe. © Bundeswehr / Eckhard Michel
Ein Hochgebirgsaufklärer schwebt mit einem Fallschirm dem Hochplateau der Reiteralpe entgegen. © Bundeswehr / Arne Schein
Gebirgsjäger aus Mittenwald marschieren bei herrlichem Sonnenschein mit Schneetrittlingen und Skistöcken ausgerüstet am Fuße der Reiteralpe. © Bundeswehr / Achim Kessler
Gebirgsjäger aus Mittenwald steigen auf die Reiteralpe durch „Mischgelände“ auf. © Bundeswehr / Johannes Schwegler
Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 232 überwachen aus ihren in den Schnee gebauten Stellungen das Gelände sowie den Luftraum. © Bundeswehr/ Jan Röllig
„Mittenwalder Jager“ bereiten sich zum Angriff vor. © Bundeswehr / Johannes Schwegler
Gebirgsjäger aus Bischofswiesen befinden sich im Feuerkampf. © Bundeswehr / Norman Möller
Ein SAR-Hubschrauber führt einen Rettungseinsatz auf der Reiteralpe durch. © Bundeswehr / Norman Möller
Das Gebirgsversorgungsbataillon 8 hat in Nußdorf einen Brigadeversor- gungspunkt eingerichtet. Ein Gebirgsversorger sichert den Bereich am Ortseingang. © Stephan Schaffner
Brigadegeneral Jared Sembritzki zieht im Rahmen eines Antretens zum Abschluss der Übung auf der Reiteralpe vor seinen Soldaten ein erstes Fazit. © Bundeswehr / Wulf Schiemann
Ein Sanitätsfahrzeug vom Typ „BV 206 Hägglund“ bewegt sich im Gelände zu einem Einsatz. © Stephan Schaffner
Ein Gebirgsjäger aus Bischofswiesen setzt eine Drohne vom Typ „Mikado“ zur Aufklärung ein. © Bundeswehr / Jan Röllig
Ein „Struber Jager“ befindet sich im Feuerkampf. © Bundeswehr / Norman Möller
Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 232 wechseln während eines Gefechts die Stellung.  © Bundeswehr / Jan Röllig

Zur Aufgabe der Gebirgsjäger gehört auch der Auslandseinsatz in Mali. Bis Ende Februar/Anfang März ist noch das Batallion 233 aus Mittenwald in Afrika. Im September 2020 ist das Batallion 231 aus Bad Reichenhall an der Reihe. "Mali bleibt unser Hauptauftrag", bekräftigt Sembritzki. Obwohl über einen erweiterten Auftrag im Irak immer wieder diskutiert werde, "geplant ist derzeit nichts".

Die Gebirgsjäger in Mali - "Wir gehen raus und hören uns um"

In Mali betreibt die Bundeswehr Aufklärung für die UN. "Wir gehen raus und hören uns um. Damit machen wir ähnliche Erfahrungen wie in Afghanistan. Je mehr da sind, desto mehr kriegt man mit." Heißt im Klartext, die Lage verbessert sich nicht. Eher verschlechtert sie sich, durch die verschiedenen Aktivitäten die die Soldaten aufklären. "Die Vorfälle in Mali nehmen zu. Es wird brutaler."

Genauer wollte der General nicht darauf eingehen. Die Aussage "die sind in der Lage und machen es auch, ganze kleine Dörfer umzubringen", lässt tief blicken. Bei 'denen' handelt es sich nicht um ein organisiertes Militär sondern ethnisch motivierte Einzelgruppen wie arabisch-islamische, Nomaden oder Sesshafte. Eine neue Herausforderung, die die Gebirgsjäger bis jetzt aber problemlos meistern.

Vom Hafen in Zypern bis in die Mongolei

Dennoch freut sich Jared Sembritzki auch darüber, dass sie einen neuen Einsatz haben und im Zuge der UNIFIL im Libanon einen Hafen in Zypern sichern sollen. Dort ist eine Gruppe von 17 bis 19 Personen im Einsatz. "Das ist auch für uns etwas ganz neues. Die Soldaten müssen erstmal lernen was anleinen und ableinen, backboard und steuerboard ist. Auch wenn die Wasserseite auf einmal eine Bedrohung darstellt, ist für einen Gebirgsjäger neu", schmunzelt der Birgadegeneral. "Am Berg haben wir alles im Griff, das Meer ist uns neu."

Neu ist auch die Gefechtssoftwear, mit der die deutsche Bundeswehr künftig arbeitet. Deshalb darf Brigadegeneral Jared Sembritzki im Februar selbst zwei Wochen wieder "schwarz im Gesicht und den ganzen Tag mit Helm" in Wildflecken üben, wie und wo ein Gefechtsstand auf und gegebenenfalls schnell wieder abgebaut werden kann. "Der Digitalisierung wird erstmals richtig Rechnung getragen", beschreibt er den Wechsel der Softwear. "Es ist wie der Wechsel vom altherkömmlichen Handy auf das Smartphone." Die Teilnehmer der Übung "schneller Degen" lernen, neue technische Möglichkeiten zu nutzen.

Ganz neue Möglichkeiten bieten die Gebirgsjäger auch dem Militär in der Mongolei. Der Verteidigungsminister der Mongolei, Nyamaa Enkhbold, war im September 2018 in Bischofswiesen und von den Gebirgsjägern so begeistert, dass er ein eigenes Gebirgsjägerbatallion in der Mongolei aufstellen will. "Unser Verteidigungsministerium hat entschieden, die Mongolei hilft uns in Afghanistan, also helfen wir ihr bei der Aufstellung eines Gebirgsjägerbatallions", bringt es Sembritzki auf den Punkt.

"Ich bin stolz auf meine Truppe"

Vergangenes Jahr waren rund 20 Soldaten das erste Mal in der Mongolei und haben mit der Grundausbildung wie Klettern, Knoten, sichern begonnen. Im April und September diesen Jahres wird es weitere Ausbildungsmodule geben. "Wenn wir da wieder von Null anfangen müssen, dann bringt das nichts", ist der General überzeugt. Dennoch wurde Geld zur Verfügung gestellt, um Seile, Karabiner und weiteres Material zu beschaffen. "Die haben gar nichts. Ein paar Schuhe ohne irgendein Profil auf der Sohle, keine Winterausrüstung und dennoch laufen sie über schneebedeckte Berge", zeigt sich Sembritzki von dem Engagement der Mongolen begeistert.

Doch auch das Engagement seiner Truppe hebt er hervor. "Ich freue mich, dass die Gebirgsjäger überall dabei sind." Auch wenn eine Gruppe von 15 Soldaten innerhalb von vier Tagen beispielsweise in den Benin oder nach Ägypten verlegt wird, um dort einheimische Soldaten auszubilden, ist das kein Problem. "Ich bin stolz auf meine Truppe, dass sie das kann." Das und alles andere, was er bereits erwähnt hat.

cz

Quelle: BGland24.de

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