Rückblick Teil 3 - "Eine Stadt lernt Deutsch"

"Der Großteil der Flüchtlinge ist dankbar"

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Deutschlehrer Herrmann
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Bad Reichenhall - Im November 2016 startete in Bad Reichenhall ein bayernweit einmaliges Projekt. "Eine Stadt lernt Deutsch". Im dritten Teil unserer Serie stellen wir Ihnen ein paar der Deutschstudenten vor:

Als im November 2016 immer mehr Asylbewerber betreut werden mussten, entstand in Zusammenarbeit mit der Caritas, der Max Aicher Stiftung, sowie weiteren Institutionen in Bad Reichenhall das Projekt "Eine Stadt lernt Deutsch". 

Hierbei sollen die Asylbewerber dabei unterstützt werden, die deutsche Sprache zu erlernen. BGLand24.de wollte wissen, wie erfolgreich das Projekt verlaufen ist und wie viele Asylbewerber an den Sprachkursen teilgenommen haben.

Im dritten Teil wollten wir wissen, welche aus welchen Gründen die Asylbewerber ihr Land verlassen haben, die an den Sprachkursen teilnehmen.

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"Wie sind sie nach Deutschland gekommen?", "Was haben Sie dort gearbeitet?", "Wo ist Ihre Familie?" "Wo wohnen Sie? "Was machen Sie hier?", "Was ist Ihr Ziel - wollen Sie hierbleiben oder wieder zurück in Ihr Land?". 

Diese und ähnliche Fragen müssen die Asylbewerber immer wieder über sich ergehen lassen. Aber es sind auch genau die Fragen, die viele Skeptiker interessiert, wenn sie Antworten suchen, aus welchen Gründen jemand aus seinem Land flieht und den weiten und oft gefährlichen Weg nach Deutschland auf sich genommen hat. 

BGLand24.de hat einen Teil der Sprachschüler befragt:

Hanan aus Syrien

Hanan aus Syrien

"Ich bin aus Syrien geflüchtet, weil der Krieg dort kein Leben mehr möglich gemacht hat. Meine Familie und ich mussten flüchten, weil alles durch Bomben der ISIS und der syrischen Armee zerstört wurde", so berichtet Hanan aus Syrien. 

Und ergänzt:  "Ich bin 2015 von Syrien zunächst in den Libanon, von dort aus mit dem Boot in die Türkei. Dann nochmal mit dem Boot aus der Türkei nach Griechenland und von dort aus zu Fuß nach Mazedonien. Das waren drei Tage Fußmarsch. Von dort aus ging es mit dem Bus nach Serbien und weitere zwei Tage zu Fuß weiter bis nach Ungarn. Mit dem Auto wurde ich dann von Ungarn nach Deutschland gefahren. Meine erste Station in Deutschland war Deggendorf, von dort aus bin ich nach Landsberg am Lech und dann nach Piding. Jetzt bin ich in meiner eigenen Wohnung in Bad Reichenhall.

In Syrien hab ich als Erzieherin gearbeitet. Mein Bruder und ich sind in Deutschland, der Rest der Familie ist noch in Syrien. Hier in Bad Reichenhall wohne ich in einer 65qm Wohnung. Ich lerne gerade Deutsch und möchte als Kinderpflegerin arbeiten. Auch möchte ich gerne hierbleiben und arbeiten, lernen und eine Familie gründen. Ich möchte meinen Kindern eine sichere und gute Zukunft bieten".

Ismail aus Somalia

Ismail aus Somalia

"In meinem Heimatland gibt es seit 25 Jahren Krieg. Ich bin mit Zug nach Deutschland gekommen. Dort habe ich in einer Apotheke gearbeitet. Mein Wunsch ist hier als Krankenpfleger zu arbeiten. Ich wohne in Bad Reichenhall, lerne Deutsch und bin derzeit auf Arbeitssuche", so berichtet Ismail aus Somalia.

Farhan AbdiHakam aus Somalia

Abdi Hakim aus Somalia

Auch Farhan AbdiHakam kommt aus Somalia und berichtet: "In Somalia gibt es keine demokratische Gerechtigkeit, es gibt nur Gerechtigkeit für denjenigen, der Geld hat". Und ergänzt: Ich bin mit einem kleinem Auto, einem LKW, einem Bus, dem Zug und per Boot nach Deutschland gekommen. In meiner Heimat war ich Kellner und habe auch als Metzger gearbeitet. Meine Familie ist in Somalia. Ich wohne in Bad Reichenhall in einer kleinen Wohnung, arbeite in der Küche und lerne Deutsch. Ich möchte gerne in Deutschland bleiben."

Farzan Elyas aus Afghanistan/Kabul

Farsana Elyasi

Farzan Elyas kommt aus Kabul in Afghanistan und erzählt: "Wir wohnen in Bad Reichenhall. Ich bin verheiratet und habe vier Kinder die hier zur Schule gehen. Meine ganze Familie möchte gerne hier in Deutschland bleiben und in Frieden leben

Ich war Hausfrau in meiner Heimat. Hier habe ich bei der Fischzucht gearbeitet. In Deutschland hatte mein Mann zunächst einen Job, momentan leider nicht. Wir sind hier, weil in unserer Heimat immer Krieg ist."

Jouma Karimi aus Iran

Jouma Karimi

"Ich bin gemeinsam mit meinem Bruder nach Deutschland gekommen, weil in unserem Heimatland immer Krieg ist. Mein Bruder hatte Diabetes, hier ist es besser für ihn", so berichtet Jouma Karimi aus dem Iran.

Und ergänzt: "Unsere Familie ist in Afghanistan. Wir wohnen in Bad Reichenhall  und lernen Deutsch. Wir haben im Iran als Maler gearbeitet und möchten gerne unsere Zukunft in Deutschland haben. Ich möchte viel Erfolg für mich und meinen Bruder haben".

Najib Rasuli aus Afghanistan

Najib Rasul aus Afghanistan

Najib Rasuli kommt ebenfalls aus Afghanistan: "Ich bin hier weil in meinem Heimatland immer Krieg ist. Es war sehr schwierig nach Deutschland zu kommen. Ich war zu Fuß unterwegs, mit dem Schiff und dem Bus". Und ergänzt: "Zuhause war ich sieben Jahre als Schneider beschäftigt. Meine Mutter lebt mit meiner Schwester und meinem Bruder im Iran.

Meine Frau und meine beiden Kinder sind in Deutschland, wir wohnen in Bad Reichenhall. Ich möchte hier gerne in Frieden leben. Als Erstes möchte ich gerne Deutsch lernen und dann einen guten Job haben. Ich möchte weiter meine Zukunft in Deutschland haben, Deutschland ist ein schönes Land".

Töfik aus Äthiopien

Töfik aus Äthiopien

Auch Töfik aus Äthiopien meldet sich zu Wort: "Ich bin nach Deutschland gekommen, weil es in meinem Heimatland Probleme gibt. Ich bin zunächst über Lybien gekommen und dann mit dem Schiff über das Meer. In meiner Heimat habe ich als Automechaniker gearbeitet". 

Und ergänzt: "Meine Familie wohnt in Äthiopien, ich wohne in Bad Reichenhall. Ich lerne Deutsch und möchte hier arbeiten. Ich möchte in kein anderes Land mehr, auch nicht mehr nach Äthiopien zurück. Ich möchte gerne hierbleiben".

Hawa M. aus Äthiopien

Hawa und Muhamed Ayub aus Äthiopien

Und Hawa, ebenfalls aus Äthiopien ergänzt: "Ich bin nach Deutschland gekommen, weil unsere Heimatpolitik nicht gut ist. Seit einem Jahr und sieben Monaten bin ich mittlerweile hier". Und erklärt: "In meinem Heimatland habe ich nicht gearbeitet. Ich habe keinen Beruf, denn ich bin noch Schüler. Meine ganze Familie ist in Äthiopien. Ich bin hier zusammen mit meinem Mann und meinem Kind. Wir wohnen in Bad Reichenhall. Ich habe im Herrmann Deutschkurs Deutsch gelernt. Ich möchte gerne hierbleiben, denn wenn ich zurückkehre bekomme ich Probleme. Ich habe auch Angst um meinen Mann. Falls er zurück muss, bekommt er ebenfalls durch die Politik Probleme.

Sabea

"Ich bin von Beruf Darstellerin und Regieassistentin. Ich habe mein Heimatland verlassen weil mein Leben in Gefahr war und die Sicherheitslage für Frauen in Afghanistan sehr schlecht ist", berichtet Sabea aus Afghanisten. 

Und fügt ergänzend hinzu: "In Afghanistan hatten die Frauen kein Recht draußen zu arbeiten. Das hat sich seit ein paar Jahren verändert. Heutzutage können Frauen in großen Städten arbeiten und sich ausbilden. Trotz Gefahr und Gewalt gegen Frauen, geben die Aktivisten ihr Bestes für die Frauenrechte zu kämpfen. Aber manchmal können auch sie nicht helfen. Darum musste ich das Land einfach verlassen.

Ich bin hierher hergekommen, um ein neues Leben in Sicherheit anzufangen. Deutschland ist das Land, indem ich mein Ziel erreichen kann. Ich hoffe, dass ich schnell einen positiven Bescheid vom BAMF bekomme, damit ich meinen älteren Sohn aus Kabul abholen kann".

"Der Großteil der Flüchtlinge ist sehr dankbar"

"Der Großteil der Flüchtlinge ist sehr dankbar", so der Lehrer Herr Schubotz über seine Studenten aus dem Sprachkurs. Was die Verantwortlichen ansonsten noch über das Engagement der Asylbewerber sagen, welche privaten Mittel hinter diesen ergänzenden Kursen stecken und warum trotzdem nicht alle untergebracht werden können, lesen Sie morgen auf BGLand24.de

Quelle: BGland24.de

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