Auen- oder Kirchholztunnel - So geht es weiter

Tunnelfrage in Bad Reichenhall: "Im Oktober ist die große Wahl in Deutschland gelaufen"

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Dicke Luft in Bad Reichenhall - Auen- oder Kirchholztunnel?
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Bad Reichenhall - Auen- oder Kirchholztunnel? Diese Frage sorgt seit einiger Zeit in Bad Reichenhall für ganz schön dicke Luft. Auch eine Bürgerinitiative greift dieses Thema immer auf. Geht es jetzt endlich weiter?

"Der AuenTunnel wäre die ökologische Katastrophe für die Stad Bad Reichenhall. Nicht 200 Bäume wie häufig zitiert, sondern über 4000 Bäume würden geopfert und ein einzigartiges Ökosystem zerstört", so kritisiert Gerd Spranger, der Vorsitzende des Vereins Pro Reichenhall das Projekt Auentunnel. Und ergänzt: 

"Die Variante Kirchholztunnel hingegen, der bisher am weitesten gediehene Plan, stößt auf massiven Widerstand von Anwohnern und Umweltschützern. Obwohl hier eigentlich bereits 174 Millionen Euro im Bundesverkehrswegeplan eingeplant sind. Es scheint aber bereits jetzt deutlich zu werden, dass selbst ein 'Auentunnel' auch keine billige Lösung sein wird. 

Denn der ursprüngliche Plan, lediglich einen Tunnel zwischen E-Werk und Kretabrücke zu graben, greift zu kurz. Man ist längst damit befasst, den Tunnel bis zur Luitpoldbrücke zu verlängern, eine Lösung für Karlstein zu finden und sogar die Weiterführung über einen Stadtbergtunnel soll im Gespräch sein".

Tumult um eine Bürgerfrage

Eine Bürgerfrage des Vereins Pro Reichenhall zu dem weiteren Vorgehen wurde für die jüngste Stadtratssitzung am 17. Juli vom Oberbürgermeister der Stadt Bad Reichenhall abgelehnt. Die Begründung lautete: "Die Bürgerfrage konnte nicht im Stadtrat am 18.07.2017 behandelt werden, weil sie einen Tag zu spät eingegangen ist. Aus Gründen der Gleichbehandlung können wir hier leider keine Ausnahme machen". Und Dr. Lackner fährt fort: "Bei Bürgerfragen gibt es aufgrund der Regelung in der Geschäftsordnung keine Diskussion unter den Stadträten, sondern lediglich eine Beantwortung der Fragen. Mit der Beantwortung der Fragen ist der Tagesordnungspunkt zugleich beendet." 

Spranger widerspricht dem nachdrücklich. „Wenn eine Anfrage am Dienstag eine Woche vorher für die am nachfolgenden Dienstag anberaumte Stadtratssitzung eingebracht wird, dann ist die Wochenfrist eingehalten. Das Rathaus legt hier sehr willkürlich aus. Vor allem gewinnt es damit Zeit und verschiebt bis in den September.“ „Sind erst dann die Vorplanungen für den so genannten Auentunnel abgeschlossen?“ mutmaßt Spranger und fragt weiter: „Spielt Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner damit dem Industriellen Max Aicher den Ball zu?

Gerd Spranger kritisierte in einem Interview mit BGLand24.de die Vorgehensweise der Stadt Bad Reichenhall. Aber es kommt trotzdem etwas Fahrt in die ganze Geschichte, denn so erläutert Robert Kern, der Pressesprecher der Stadt Bad Reichenhall: "Herr Oberbürgermeister Dr. Lackner hat nächste Woche einen Termin mit Herrn Spranger für ein persönliches Gespräch vereinbart, um die Fragen – im Vorfeld der September-Stadtratssitzung – vorab zu beantworten".

"Dann ist die Wahl in Deutschland gelaufen"

Gerd Spranger, bestätigt den Termin mit Dr. Lackner für Dienstag, 25. Juli. Gemeinsam mit dem zweiten Vereinsvorsitzenden hat er bereits auch ein Gespräch mit Christoph Lung, Stadtratsmitglied der CSU geführt. 

"Die CSU argumentiert man müsse die zweite Variante Autentunnel prüfen lassen", so Spranger. Und ergänzt: "Das kostet aber rund zwei bis vier Jahre. Und es passiert einmal mehr wieder nichts. Es heißt, man müsse zunächst einmal prüfen, um sich nicht um den sogenannten politischen Willen hinweg zu setzen. 

Meiner Meinung zählen dieser Diskussion Fakten wie zum Beispiel der ungültige Bürgerentscheid oder auch klare Sachargumente wie Ökologie und Umwelt überhaupt nicht. Es heißt, der Stadtrat wird im September über beide Varianten nochmals über den aktuellen Stand informiert und soll dann im Oktober eine Entscheidung treffen. Aber dann ist die große Wahl in Deutschland gelaufen.

Darum geht es bei der Tunneldiskussion

Seit rund 40 Jahren wird über die richtige Trasse für eine Ortsumfahrung Bad Reichenhall gestritten. Das Ziel: Die Kurstadt endlich von dem Durchgangsverkehr zu erlösen.

Das Vorhaben "Auentunnel" basiert auf einer Tunnellösung ab dem Gablerknoten und parallel zur Loferer Straße.Unterirdisch geht es an Bad Reichenhall vorbei bis zur Kretabrücke. Insbesondere das Fällen großer Teile des Auenwaldes entlang der Saalach werden hier von Bürgern und Umweltschützen hart kritisiert. Denn der Auentunnel würde in sogenannter offener Bauweise gebaut werden. Das bedeutet, dass der Tunnel ausgegraben wird, Bäume, Erde, etc. weggerissen wird und nach Fertigstellung in der Regel mit einem neuen Deckel geschlossen wird. Dieser kann dann anschließend wieder begrünt werden.

Das Vorhaben Kirchholztunnel basiert auf einer unterirdischen Umfahrung von Bayerisch Gmain. Der Eingriff in die "oberflächennatur" soll sich dabei in Grenzen halten, da diese Tunnelvariante wie beim Bergbau durch den Berg gebohrt werden würde. Bei dieser Variante laufen allerdings zahlreiche Anwohner rund um das Tunnelgebiet Sturm.

Die Bürger der Stadt Bad Reichenhall dürfen nun gespannt auf das Ergebnis des Treffens zwischen Gerd Spranger und Dr. Lackner sein.

Quelle: BGland24.de

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