Freispruch, aber jede Menge Schulden

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Mühldorf - Eine Frau aus dem Landkreis Mühldorf stellte gutgläubig einer Internetbekanntschaft das eigene Konto für eine Überweisung zur Verfügung. Dass das Geld aus einem so genannten Phishing-Verfahren stammte, wusste sie nicht.

Strafrechtliche Konsequenzen hat ihre Naivität nicht, ein Freispruch stand am Ende der Verhandlung im Amtsgericht Mühldorf. Ihre Tat bereut die Angeklagte trotzdem: Sie sitzt nun auf 4000 Euro Schulden.Im Juni letzten Jahres hatte ein Mann namens Thomas Joe zum ersten Mal E-Mail-Kontakt mit der Frau aufgenommen, ihre Adresse hatte er offensichtlich einem Internet-Reiseforum entnommen. Die Mutter von zwei Kindern glaubte ihm die Geschichte von seinem schwer kranken Sohn, dem Umzug nach Nigeria und der finanziellen Not. "Das hat mein Herz berührt", sagte die Angeklagte, die Thomas Joe "irgendwie helfen wollte". Der schrieb ein paar Wochen später die nächste Mail. Ein Freund in Indien könne ihm Geld zur Verfügung stellen, allerdings gebe es Probleme bei der Überweisung, die nur über ein Postbank-Konto abgewickelt werden könne, teilte er der Angeklagten mit. Die zögerte nicht lange, gab ihre Kontodaten weiter und überwies nach dem Eintreffen der 4000 Euro das Geld weiter - via Bargeldtransfer. Der vermeintliche Thomas Joe hob das Geld natürlich sofort ab.

Ein paar Tage später flatterte ein Brief von der Bank ins Haus der Angeklagten: "Die haben mir nach der Rückbelastung gleich mein Konto gesperrt." Denn die 4000 Euro stammten aus einem so genannten Phishing-Verfahren. Beim Online-Banking waren einem Kunden Kontonummer und PIN "abgefischt" worden. Damit die Täter nach einer Überweisung unbemerkt an das Bargeld kommen, müssen sie den Transfer über ein weiteres Konto abwickeln. Deshalb sah sich die Angeklagte nun dem Vorwurf der Geldwäsche ausgesetzt.

Von dem sprach sie Richter Herbert Niebler frei: "Die Geschichte war über längere Zeit eingefädelt worden. Ich glaube nicht, dass hier der Tatbestand der Leichtfertigkeit erfüllt ist. Wer naiv und gutgläubig an die Sache herangeht, kann darauf hereinfallen." Damit folgte er der Ansicht der Verteidigung, die Staatsanwaltschaft hatte eine geringe Geldstrafe gefordert.

Die Angeklagte hatte sich selbst angezeigt, nachdem ihr aufgefallen war, dass "da etwas nicht stimmt". Zuvor war sie sogar noch an den Flughafen nach München gefahren und hat über eine Stunde auf Thomas Joe gewartet: "Er hatte doch versprochen zu kommen und mit mir die Sache bei der Bank zu regeln Und ich habe es ihm geglaubt, ich blöde Kuh."

ha

Rubriklistenbild: © www.justiz.bayern.de

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