Keine Zeit für Angst

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Vier der beherzten Lebensretter am Unfallort kurz vor Haigerloh (von links): Leonhard Huber, Anton Schweikl, Johann Mühlbauer und Konrad Stettner.

"Du denkst nicht lange nach, was Dir selber passieren könnte - Du hilfst einfach", sagt einer der sechs Lebensretter aus dem Landkreis, die kürzlich in der Staatskanzlei ausgezeichnet wurden. Sie hatten ein brennendes Golf-Cabrio angehoben und die verletzte Fahrerin gerettet.

Ein kalter Morgen war`s, Rosenmontag 2008 um kurz nach 8 Uhr. "Den werde ich wohl nie vergessen", sagt Leonhard Huber aus Ampfing. Als er an der Strecke zwischen Ampfing und Haigerloh das brennende Auto auf dem Dach liegen sah, da gab es für den 75-Jährigen nur einen Gedanken: raus und helfen.

So dachten zum Glück auch fünf andere Fahrer, die aus verschiedenen Richtungen zur Unfallstelle kamen. "Wir hielten etwa gleichzeitig, der Unfall musste kurz vorher passiert sein." Eine alptraumhafte Szene bot sich den Männern: Ein brennendes Golf-Cabrio lag auf dem Dach im Feld vor ihnen - und unter der Motorhaube schauten die Beine einer Frau hervor. Ein Traktorfahrer, der wohl als Erster am Unfallort war, versuchte, die leblose Frau an den Beinen unter dem brennenden Fahrzeug hervorzuziehen - vergeblich.

"Er bat uns, den VW Golf anzuheben, damit er die Verletzte bergen könne." Und das taten die beherzten Männer. "Jeder packte das auf dem Dach liegende Cabrio irgendwo und versuchte, es mit ganzer Kraft zu lupfen." Ein Retter sah, dass Benzin aus dem kaputten Tank lief. Da das Auto bereits brannte, war die Gefahr sehr groß, dass es explodieren konnte. "Größte Eile war geboten!"

Nach unzähligen Versuchen gelang schließlich das schier Unmögliche: die sechs Männer konnten den Golf soweit anheben, dass die verletzte Lenkerin darunter hervor geborgen werden konnte. "Wir entfernten uns und die Verletzte so schnell es ging." Wenige Momente später wäre es wohl zu spät gewesen: das Unfallauto stand in vollen Flammen und brannte schließlich vollständig aus.

Rettungswagen, Polizei und Feuerwehr waren wenige Minuten später zur Stelle, versorgten die Verletzte, löschten die letzten Flammen und befragten die Retter nach dem Unfallhergang. Die Lenkerin des Golf war wohl bei einem Ausweichmanöver von der Straße abgekommen, überschlug sich, rutschte durch die zerborstene Windschutzscheibe und wurde darunter eingeklemmt.

"Wir standen am Straßenrand und konnten kaum fassen, was passiert war", sagt einer der Helfer. Der Schock und die weichen Knie kamen erst hinterher: "In so einem Moment denkst Du nicht lange nach, was Dir selber passieren könnte - Du hilfst einfach, das ist wie ein Reflex", sagt Leonhard Huber.

Er und die anderen Helfer aus dem Landkreis wurden kürzlich, zusammen mit über 120 weiteren Lebensrettern aus ganz Bayern, in der Münchner Staatskanzlei von Ministerpräsident Horst Seehofer mit der Bayerischen Rettungsmedaille ausgezeichnet. "Zuviel der Ehre", meint einer der Retter. "Das war doch ganz selbstverständlich." Das sah die gerettete Frau, die bei dem Unfall schwere Verletzungen und Verbrennungen erlitten hatte, ganz anders: Die 28-jährige Waldkraiburgerin lud ihre "Schutzengel" und Lebensretter zum Essen ein und bedankte sich bei jedem Einzelnen mit einem schönen Dankesbrief.

eig

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