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MdL Klaus Steiner im Kongo

„Bayerisches Forstprojekt ist richtungsweisend für ganz Afrika“

„Bayerisches Forstprojekt ist richtungsweisend für ganz Afrika“
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„Bayerisches Forstprojekt ist richtungsweisend für ganz Afrika“

„Die deutsche Afrikapolitik und die Beziehungen zu unserem Nachbarkontinent muss auf neue Füße gestellt werden. Die Hilfspolitik der letzten 50 Jahre ist gescheitert und hat den Kontinent zu einem hilflosen Almosenempfänger gemacht“, sagte der entwicklungspolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, Klaus Steiner, aktuell aus der Demokratischen Republik Kongo, wo er ein richtungsweisendes Forst- und Landwirtschaftsprojekt unterstützt und ausweiten will.

Die Mitteilung im Wortlaut:

Rosenheim - „China ist auch im Kongo zum mächtigsten Investor aufgestiegen, dem Klimawandel, Abholzung, Ausbildung, Landwirtschaft, Hunger, etc. nicht interessieren. Das zweit größte Land Afrikas ist mit seinen tropischen Wäldern der zweite Lungenflügel der Welt, mit immensen Rohstoffreserven und damit geostrategischer Bedeutung, aber Deutschland hat den Kongo nicht auf dem Schirm“.

Die Frage, ob Deutschland weltpolitikfähig sei, entscheide sich vor dem Hintergrund der Klimathematik, der Welternährung, der Auswanderer- und Flüchtlingsbewegungen jedenfalls nicht zuletzt in Afrika. Dabei verlange eine neue Philosophie der Zusammenarbeit einen viel differenzierteren Blick und viel mehr Wissen über die Dynamiken in Afrika, berichtet Steiner, der seit Jahrzehnten zu verschiedensten Projekten auf dem Kontinent unterwegs ist. „Wir sollten endlich aufhören Afrika als Kontinent zu begreifen, für dessen Probleme es fürsorgliche Lösungen zu ersinnen gilt, sondern als eigenständigen Akteur und Partner, dessen Potentiale auch zur Lösung unserer Probleme beitragen können.“

Genau in diese Richtung gehen nach Steiners Worten die Agraraufforstungsprojekte „NTSIO“ und „Muti Idwini“ der Hanns-Seidl-Stiftung im Kongo, die Klaus Steiner derzeit besucht. Konkret geht es darum, zusammen mit den Fachleuten der Stiftung vor Ort weitere Schritte, zur Ausweitung des Projektes und Möglichkeiten der weiteren Unterstützung durch den Freistaat Bayern, auszuloten. Dazu finden diese Woche auch Gespräche mit den zuständigen Ministerien in Kinshasa und kongolesischen Wissenschaftlern statt.

Klaus Steiner: „Der Kontinent verfügt über mehr als ein Viertel der weltweit landwirtschaftlich nutzbaren Fläche. Von den Reserven an Ackerfläche werden derzeit nur 20 Prozent genutzt. Was nicht produziert wird, kann nicht gegessen werden. Der Weltbank zufolge ist Wachstum in der Landwirtschaft für die Armutsbekämpfung doppelt so effektiv wie in anderen Sektoren. Trotz Dürre und Klimawandel müsste in Afrika oder dem reichen Kongo mit seiner üppigen Vegetation, in der alles wächst, niemand hungern. Trotzdem wird die Problematik von den Verantwortlichen und den zahllosen Hilfsorganisationen kaum angesprochen“. Zudem werde die ländliche Entwicklung von den meisten Regierung Afrikas sträflich vernachlässig und man verlasse sich auf Hilfslieferungen aus Europa. „Wir müssen dieser Politik ein Ende bereiten und genau dies tut die Hanns-Seidl-Stiftung mit diesen beiden Projekten.

Über 30 Jahre wurden Erfahrungen gesammelt, wurden Rückschläge sorgfältig ausgewertet, Konzepte verändert und daraus, das für ganz Afrika und eine nachhaltige Entwicklungspolitik richtungsweisende Projekt entwickelt. Angesichts der tragischen jüngeren Geschichte des Landes, sei dies alles andere als selbstverständlich; die meisten anderen Organisationen hatten sich unter dem Eindruck von Krieg und Bürgerkrieg zumindest zeitweise aus dem Kongo zurückgezogen. Echte, nicht nur rhetorische Nachhaltigkeit und Basisarbeit, sind die Markenzeichen des Projektes. Kernstück ist die Aufforstung brandgerodeter Flächen mit Akazienwäldern durch angesiedelte Bauern. Durch Schulungen wurde aufgezeigt, wie Land- und Forstwirtschaft und zugleich ökologische und ökonomische Zielsetzungen kombiniert werden können.

Ergänzt wurde die Initiative durch intensive Gespräche mit den Bauern, zu ihrer persönlichen Situation, zu den aktuellen Schwierigkeiten, Wünschen und ihren persönlichen Zukunftsaussichten. „Nichts wurde den Landwirten, die mit uns eine völlig neue Sichtweise der Landbewirtschaftung entwickeln, übergestülpt“, sagt Projektleiter Malte Liewerscheidt. Das Ziel des Projekts sei es, die Stärkung ländlicher Regionen, der Bauern, die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel, die Wertschöpfung vor Ort und Agrarbildung zu verbinden. Auf dem Plateau Batéké wurden bisher insgesamt 5.500 Hektar Savanne aufgeforstet. 260 einheimische Familien siedelten sich in diesem Gebiet an, um nachhaltige Forstwirt- und Landwirtschaft, anstatt wie bisher Brandrodung, zu betreiben. 4 eigenständige und selbst verwaltete Kooperativen sind das Herzstück des Projektes. Für Projektleiter Malte Liewerscheidt, ein entscheidender Schritt, der für die Akzeptanz und den dauerhaften Bestand des Projekts entscheidend ist.

Klaus Steiner sieht darin einen zukunftsweisenden Schritt, eine Blaupause für den ganzen Kontinent. „Ich habe in den letzten Jahrzehnten viele gut gemeinte Projekte in ganz Afrika erlebt, die im Endeffekt aber zu einem großen Teil daran gescheitert sind, weil übersehen wurde, den Einheimischen zu vermitteln, dass es ihr Projekt ist, ihr Vorteil und ihre Zukunft,“ so Steiner. Es gehe letztlich darum, auch nach der Förderphase die landwirtschaftlichen Betriebe eigenständig zu verwalten und zu betreiben, ohne weitere Begleitung aus dem Ausland. Vor allem bedürfe es einer langen Vorbereitung, die bei vielen Initiativen aus Europa fehle. “ Viehzüchtern und archaisch geführten Stämmen von heut auf morgen Ackerbau und Forstwirtschaft zu verordnen, scheitert meistens“, so das Resümee des Stimmkreisabgeordneter Steiner.

Zur Infrastruktur des Projekts gehört der Bau von 260 Wohnhäusern für die Siedler, von zwei Schulen, zwei Krankenstationen, vier Lagerhallen für die produzierten Güter, vier Werkstätten, sowie einem Verwaltungszentrum mit Haus und Konferenzraum. Zur Wasserversorgung wurden im Projektgebiet zwei Brunnen gebohrt und Wasserleitungen zu den Wohnhäusern gelegt. Sowohl die traditionellen Häuptlinge wie auch der Bürgermeister der Kommune, überließen die landwirtschaftlichen Nutzungsrechte der Fläche den Vereinigungen und die Bauern erhielten Eigentumstitel.

Im Mittelpunkt steht die Aufforstung des Projektgebietes mit Akazien, die in 10 Streifen, als sog. Umtriebsplantagen, nacheinander alle 10 Jahre geerntet wird und sofort wieder aufgeforstet werden. Das Holz wird zu Holzkohle verarbeitet, die in die 16 Millionen Metropole Kinshasa geliefert wird. Damit wird das Abholzen der Regenwälder verhindert. Die Landwirte lernten, ihre Akazien selbst zu ziehen, sowie die Pflege und Pflanzung der Bäume. Bei der Aufforstung der Akazien (pro Jahr 5 Hektar) wurden die Siedler durch die Trainer des Projekts intensiv begleitet. Die Landwirte haben zur Aufzucht von Pinien, Eukalyptus, Palmen und Obstbäumen eine eigene Baumschule aufgebaut, die dann ebenfalls im Projektgebiet gepflanzt wurden. In der Baumschule wurde darüber hinaus 20 Waisenkinder untergebracht, die in einer Art dualer Ausbildung die Zucht der Pflanzen lernten. Jeder Bauernhof hat etwa 19 Hektar Fläche.

Kombiniert wird das Aufforstungsprojekt durch den Anbau von Maniok, Erdnüssen, Getreide und Gemüse sowie der Bienen-, Rinder-, Hühner- und Kaninchenzucht. Gleichzeitig werden auch Ölpalmen angebaut, um den regionalen Bedarf an Palmöl zu bedienen. Palmöl ist eine der wichtigsten Komponenten der kongolesischen Küche. Das bietet nach den Worten von Projektassistent Konstatin Wittek Einkommenskombinationen und weitgehende Selbstversorgung. Dazu wurden die Siedler intensiv durch die Trainer des Projekts und einen Tierarzt ausgebildet und begleitet. Das Projektgebiet wird um die Uferbereiche des benachbarten Flusses Kwango erweitert, um die durch Brandrodung entwaldeten Flussufer wieder aufzuforsten.

Um die Nachhaltigkeit des Projekts sicherzustellen und die Verantwortlichen der 4 Kooperativen auf das Management ihrer Vereinigungen vorzubereiten, finden in regelmäßigen Abständen Schulungen und Versammlungen der Landwirte statt. Klaus Steiner bewertet das von der EU und dem Entwicklungsministerium unterstützte Projekt als wegweisend für ganz Afrika. „Wir haben uns schon an die jährlichen dramatischen Appelle und Spendenaktionen zur Behebung akuter Ernährungskrisen in Afrika gewöhnt. Europäer, Amerikaner und Japaner spenden, um das hungrige Afrika zu versorgen. Ernährungssicherung hat in vielen afrikanischen Ländern nicht die höchste Priorität. Im Gegenteil, die ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung wird von den meisten Regierungen immer noch sträflich vernachlässigt. Bis heute sind nur wenige Fortschritte auf dem Kontinent erkennbar“.

Von seinen natürlichen Voraussetzungen her, könnte Afrika problemlos autark in seiner Nahrungs- und Energieversorgung werden. Dennoch machen Hungersnöte in Afrika gerade aktuell wieder Schlagzeilen, weil seit Jahrzehnten die ländliche und landwirtschaftliche Entwicklung vernachlässigt wurde. Gegen die stets wiederkehrenden Krisen könnten sich die Betroffenen besser wappnen. In Gegenden, wo bis zu vierzig Prozent der Ernte durch unsachgemäße Lagerung wieder verloren geht, würde eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Ausbildung helfen. Die Formulierung einer Afrikapolitik für das 21. Jahrhundert gehört angesichts dessen zu den großen Fragen politischer Zukunftsgestaltung. Sie ist eine Aufgabe für heute, nicht für später, betont Steiner.

Pressemitteilung Bayerischer Landtag Abgeordneter Klaus Steiner