Unangenehm aber machbar

Wie einfach sind die Laientests? Wir starten den Selbstversuch

Die Redaktion von rosenheim24.de konnte einen der begehrten Schnelltests ergattern.
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Unsere Praktikantinnen konnten einen der begehrten Schnelltests ergattern.

Seit Samstag, den 6. März, wären die Corona-Selbsttests grundsätzlich frei im Handel erhältlich. Aber sowohl online, als auch vor Ort im lokalen Discounter waren die Tests innerhalb weniger Minuten ausverkauft. In Drogerien sah die Situation ebenfalls nicht besser aus. Doch wie funktioniert eigentlich so ein Test - und wie ist er in der Handhabe? Unsere Praktikantinnen Aisha und Jennifer haben den Selbstversuch gestartet.

Rosenheim - „Die Tests sind da und in sämtlichen Filialen erhältlich“: Dieser Satz war bereits vor einer Woche auf der Webseite eines großen Drogerieunternehmens zu lesen. Doch als wir in einer Filiale Nachschau halten, folgt die Ernüchterung: Es sind keine Tests in den Regalen auffindbar - aufgrund von Lieferschwierigkeiten, wie es heißt. Einige Tage später wurden wir dann schließlich doch noch fündig, und konnten einen der begehrten Selbsttests ergattern.

Doch was ist der Unterschied zwischen PCR-Tests, Antigen-Schnelltests und Selbsttests?

Doch worum handelt es sich bei einem Selbsttest überhaupt? Und wie unterscheiden sich diese von Schnelltests und PCR-Tests?

Corona-Schnelltests werden von medizinisch geschultem Personal durchgeführt. Seit dem 8. März hat jeder Bundesbürger Anspruch auf einen kostenlosen Schnelltest pro Woche, der in einer Arztpraxis oder einer Apotheke durchgeführt wird. Wie der Name schon sagt, liegt das Ergebnis nach Entnahme der Probe besonders schnell vor, schließlich ist für die Auswertung kein Labor notwendig. Der Nachteil: Schnelltests weisen eine höhere Fehlerrate als PCR-Tests auf. 

Die Selbsttests wiederum können von Laien zuhause durchgeführt werden, und sollen in der Handhabung leicht sein. Angeboten werden verschiedene Varianten, etwa Nasen-Abstriche, die weniger tief entnommen werden müssen („Popeltest“) sowie darüberhinaus Gurgel- oder Spucktests. Auch bei diesen Tests liegt das Ergebnis schnell vor, allerdings liegt auch bei ihnen die Fehlerquote höher als beim PCR-Test. 

Die PCR-Tests sind laut Bundesgesundheitsministerium die „Goldtests“ beziehungsweise der „Goldstandard“ und geben das sicherste Ergebnis: In der Probe vorhandene, genau definierte RNA-Abschnitte des CoV-2-Virus werden mit einem speziellen Enzym vervielfältigt. So können auch schon kleine Mengen der Erreger nachgewiesen werden. 

Wie bekomme ich einen Selbsttest?

Nach längerer Suche hielten wir also endlich einen der begehrten Selbsttests für zuhause in den Händen - und zwar einen Nasenabstrich-Test. Diese sind die Geläufigsten im Handel, aber es sind auch andere wie ein Spuck- oder Gurgeltests erhältlich. Beim Drogeriemarkt Müller kostet ein Test 6,95 Euro. Pro Person werden aber nur drei Tests abgegeben. Bei Aldi gab es die Fünferpackung für 24,99 Euro

Es ist aber nicht garantiert, dass ein Normalverbraucher an die Tests rankommt. Lieferverzögerungen oder auch ein Ausverkauf machen es im Moment schwierig einen Selbsttest im Laden zu erhalten. Auch in Apotheken kommt es darauf an, ob diese die Tests früh genug bestellt haben. Am besten fragt man bei der Apotheke des Vertrauens nach, ob die Selbsttests in der Filiale erhältlich sind.

Doch Achtung! Manche Drogerien oder Einzelhändler wie DM oder Lidl stellen ihre Tests nur online zur Verfügung. Wie unsere Erfahrung gezeigt hat, sind auch die online angebotenen Tests rasch vergriffen. Und noch ein Hinweis: Möchte man so einen Test Online erwerben, sollte man sich zudem vorab darüber informieren, ob der jeweilige Test auf der Liste vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte steht.

Wie funktioniert der Selbsttest für zu Hause?

Nun zur Duchführung des Tests an sich: Ist sie wirklich so einfach zu handhaben wie versprochen? Bei der Anwendung fängt man mit einem Abstrich in der Nase an. Mit einem Stäbchen wird bei beiden Nasenlöchern eine Probe entnommen, dabei wird der Stab innerhalb weniger Sekunden fünfmal gedreht. Eine zunächst unangenehme Erfahrung, bei der durch die ungewohnte Reizung der Nase auch ein Tränchen geflossen ist. Aber unmöglich auszuhalten ist die Probenentnahme wiederum nicht. Geholfen hat eine Markierung am Stäbchen, die aufzeigt, wie tief die Probe entnommen werden muss.

Danach wurde das Stäbchen in ein Röhrchen getunkt, welches mit einer Flüssigkeit gefüllt ist. Die Probe wird dann zehn bis 15 Mal zusammengedrückt und dann eine Minute stehen gelassen. Danach wird eine Kappe auf das Röhrchen aufgesetzt.

Der Inhalt des Selbsttests: Wattestäbchen, Zertifikat, Anleitung, Testfeld und Teströhrchen, sowie ein dazugehöriger Ständer.

Erst jetzt wird der Teststreifen geöffnet, und ist auch umgehend nach der Öffnung des Beutels zu verwenden. Danach werden drei Tropfen auf die Probe gegeben. Jetzt heißt es erstmal kurz warten: In einer Viertelstunde soll das Ergebnis feststehen. Wir beobachten, wie sich die Flüssigkeit ausbreitet und einen Farbstreifen hinterlässt. Was das heißt? Erscheint nach der Wartezeit nur ein Streifen auf dem Feld, ist der Test negativ. Sobald aber kein Streifen erkennbar ist, gilt der Test als ungültig und ein neuer sollte gemacht werden. Positiv ist der Test, wenn auf dem Streifen zwei Striche zu sehen sind. Dann sollte man sich in Quarantäne begeben. Um ganz sicher zu sein, empfiehlt es sich, einen PCR-Test zu machen. 

Im Video seht ihr, wie der Schnelltest angewendet wird:

Wie sicher ist der Selbsttest nun genau?

Bei Menschen, die sich erst vor kurzem mit SARS-CoV2 angesteckt haben, oder bei denen die Krankheit bereits wieder abklingt, kann der Test negativ ausfallen. Auch bei Menschen, die das Virus in sich tragen, aber kaum Symptome aufweisen, kann ein negatives Ergebnis angezeigt werden. Das liegt daran, dass dabei die Viruslast unter der Nachweisgrenze liegen kann - eine trügerische Sicherheit

Denn: Anders als bei einem PCR-Test, kann das Virus bei einem Selbsttest nicht über das Erbgut bestimmt werden, sondern nur über bestimmte Virus-Proteinbausteine beziehungsweise Eiweiße. Dementsprechend muss eine große Anzahl des Erregers im Körper vorhanden sein, damit das Virus per Selbsttest überhaupt nachgewiesen werden kann. 

Ein Strich bei „C“ bedeutet, dass der test negativ ist.

Aus diesem Grund sollte man sich auch nach einem negativen Selbsttest an alle Hygieneregeln und Kontaktbeschränkungen halten. Dennoch verspricht ein Selbsttest zumindest eine etwas größere Sicherheit in Alltagssituationen, wie beim Besuch von älteren Verwandten. In Zukunft könnte ein Theater- oder Kinobesuch nur mit einem negativen Selbsttest erfolgen.

Seit kurzer Zeit werden auch an Schulen Selbsttests für Schüler und Lehrer angeboten. Dies soll vor allem zum schnelleren Erkennen von hochansteckenden Personen beitragen.

Fazit:

Wenn die Selbsttests erst einmal besser verfügbar sind, können diese eine gute Ergänzung zum Einlass von Theatern, Kino, Restaurants und Schulen sein, denn die Anwendung ist einfach und leicht verständlich.

Die Schnelltests sollten aber nicht als 100-prozentige Sicherheit angesehen werden. Es gilt auch weiterhin, sich an die Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen zu halten. Die Tests sind aber ein weiterer Schritt in Richtung Normalität.

an /jk

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