"Es rumort" bei den befristeten Postlern

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Protestveranstaltung bei Wonneberg, zum Vergrößern bitte hier klicken.
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Landkreis - Im äußersten Fall über acht Jahre befristet beschäftigt! Fälle wie diese bringen die Postler in der Region auf die Palme - und sammeln sich zu Protestaktionen:

"Es rumort bei den Kollegen" - so fasst Andreas Gebhart die Stimmung bei den Post-Beschäftigten zusammen. Er ist Betriebsrat im Zustellgebiet Rosenheim, das sich auch auf die Landkreise Traunstein, Mühldorf und das Berchtesgadener Land erstreckt. Der Grund für den Ärger: Immer mehr Postler sind befristet angestellt. 

Ihr Arbeitsvertrag wird also immer nur "Schritt für Schritt" verlängert, mal für ein halbes Jahr oder auch mal auch nur für drei Monate. Bei einigen Kollegen ziehe sich dieser Prozess schon über drei oder vier Jahre hin, Gebhart kennt auch den Extremfall eines über acht Jahre befristet arbeitenden Postlers.

17 Prozent befristet Beschäftigte in Rosenheim

Das Problem besteht für ver.di-Gewerkschafter Gebhart darin, dass die befristet Beschäftigten wohl immer mehr werden: "In den letzten zwei, drei Jahren hat sich das so entwickelt. Davor hatten wir einen Befristungsstand von sechs Prozent, das war ok. Aber inzwischen sind wir bei der Postniederlassung Rosenheim inzwischen bei knapp 17 Prozent", so der Betriebsrat im Gespräch mit rosenheim24.de. Bei den Paketfahrern wären es sogar rund 30 Prozent. "Die Befristeten arbeiten einfach mit einem Gefühl der Unsicherheit - dabei brauchen wir die Leute dringend, sonst bricht der Postbetrieb zusammen", so Gebhart.

Protestaktionen in Rohrdorf und Wonneberg

Protestveranstaltung in Rohrdorf, zum Vergrößern bitte hier klicken.

Nun machen die Postler mobil: Unter anderem rund 30 in Rohrdorf und über 100 bei Wonneberg (Kreis Traunstein) trafen sich jeweils zu Protestaktionen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Auch die fest-, also unbefristet Angestellten zeigten sich dabei solidarisch.

Die Befürchtungen von Andreas Gebhart gehen aber noch weiter. Die gesteigerten Gewinnerwartungen der Deutschen Post AG sollen zu Lasten der Einstiegsgehälter gehen, die derzeit bei 11,83 Euro lägen: "Die Technisierung bei der Post ist ausgereizt, sowas lässt sich nur noch über den Lohn machen", so der Betriebsrat.

Die Reaktion des Konzerns

Auf eine öffentliche Reaktion des Konzerns wartete man bisher vergeblich. Deshalb fragte rosenheim24.de bei der Deutschen Post AG nach, doch die Antworten waren knapp: 9.000 neue Arbeitsplätze habe man seit 2010 geschaffen - "die meisten davon unbefristet. Wir nehmen die Verantwortung für unsere Mitarbeiter und die Sicherheit von Arbeitsplätzen sehr ernst", so Pressesprecher Dieter Nawrath. Der steigenden Zahl der befristeten Briefträger und Paketfahrer widerspricht auch er nicht.

Wie wird es weitergehen im Konflikt? Die Protestaktionen sollen bundesweit fortgesetzt werden, "vielleicht auch über Weihnachten, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren", so Betriebsrat Gebhart weiter. An einen Streik denke man vorerst nicht, doch im Rahmen der Tarifverhandlungen im kommenden Jahr kann auch das nicht ausgeschlossen werden.

xe

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