Urteil im Prozess um S-Bahn-Horror in Unterföhring

Polizistin mehrfach in Kopf geschossen: Schütze nicht schuldfähig

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Alexander B. mit seinem Rechtsanwalt Wilfried Eysell.
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München - Im Prozess um Schüsse auf eine junge Polizeibeamtin am S-Bahnhof Unterföhring bei München im vergangenen Juni wurden am Freitag die Plädoyers gehalten. Inzwischen ist auch das Urteil gefallen.

Das Urteil ist gefallen: Alexander B. muss wegen der Schüsse auf eine Polizistin in Unterföhring in die Psychiatrie, er ist nicht schuldfähig. Das berichtet die Münchner Abendzeitung. „Wir gehen davon aus, dass er in Todesangst gehandelt hat“, sagte Richter Stoll. Wie lange Alexander B. in der Psychiatrie bleiben wird, ist nicht festgelegt und hängt von dem Erfolg der Behandlung dort ab. Den Schubser gegen den Kollegen wertete das Gericht als versuchten Mord.

Im Prozess hat die Nebenklägerin in ihrem Plädoyer das Leid des Opfers geschildert. Vor der Tat sei für die heute 27-jährige Polizeibeamtin „die Welt in Ordnung“ gewesen: Sie habe den Job gehabt, den sie liebte, einen Freund und Heiratspläne, sagte die Rechtsanwältin Annette von Stetten am Freitag vor dem Landgericht München I.

Vorbericht

Der 38 Jahre mutmaßliche Schütze steht dem 10. April vor Gericht. Er ist seit der Tat in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Die Staatsanwaltschaft geht von einer Schuldunfähigkeit zur Tatzeit aus und hat deshalb keine Anklage verfasst, sondern einen Antrag auf Durchführung eines Sicherungsverfahrens gestellt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm gefährliche und schwere Körperverletzung und versuchten Mord vor.

Bei der Bluttat im Juni 2017 am S-Bahnhof Unterföhring hatte der damals 37-jährige Alexander B. der Polizistin Jessi L. mehrfach in den Kopf geschossen. Die Beamtin schwebte anschließend in Lebensgefahr und liegt seither im Wachkoma. "Unserer Jessi geht es den Umständen entsprechend gut", sagte ihr Vater gegenüber tz.de. "Und dann sind auch wir glücklich. Unsere Stimmung hängt nur von ihrem Zustand ab." Erst vor drei Wochen haben Ärzte der Kommissarin ein künstliches Stück Schädeldecke eingesetzt, nachdem der ursprüngliche Knochen nach den Schüssen teilweise in Not-Operationen hatte entfernt werden müssen.

Damals gab es einen Großeinsatz mit über 200 Beamten, weil kurzzeitig auch ein Terror-Anschlag nicht ausgeschlossen werden konnte. Zwei weitere Personen waren darüber hinaus schwer verletzt worden.

Großeinsatz nach Schusswechsel am S-Bahnhof Unterföhring 

mh mit Material der dpa

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