Rund um die Uhr: Milch "to go" vom Automaten

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Wie's geht weiß im Zweifel die Bedienungsanleitung: "1. Wählschalter auf die gewünschte Milchmenge einstellen, 2. Leeres Gefäß, Milchkanne etc. unter das Schlauchende halten, 3. Geld einwerfen. Münzen ab 5 Pf. sind möglich. Achtung: Keine Wechselgeldrückgabe. Abgegebene Milch ist Rohmilch. Bitte vor dem Verzehr abkochen." Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.
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Saaldorf - Frisch gemolken und rund um die Uhr: Ein jahrzehntealter Milchautomat im Dorf deckt die Rohmilchnachfrage bis weit über die Gemeindegrenzen - trotzdem haben manche Bedenken.

Woanders bekommt man Zigaretten, Kaugummis oder Pariser am Automaten - mitten in Saaldorf (Berchtesgadener Land) hängt dagegen ein Milchautomat an der Wand eines Bauernhauses, direkt hinter der Kirche. Wann immer man will: Geld hinein, Schalter umlegen, Knopf drücken und schon fließt frisch gemolkene Rohmilch. Der halbe Liter für 50 Cent, ein 0,3er-Glas kostet 30 Cent.

So sieht's hinter den Kulissen aus: Der Tank mit der frisch gemolkenen Milch. Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.

Sepp Buchwinklers Automat hängt hier weder zur Zierde, noch aus Folklore. "Um die 20 Liter am Tag sind's, die wir so verkaufen", so der Saaldorfer Milchbauer. Der Automat ist per Schlauch mit einem Tank verbunden - gekühlt auf sechs Grad - der täglich in der Früh nachgefüllt wird. Nötig ist's: "Deswegen kommen sogar Leute von Salzburg herüber. Da gibt's einen Aserbaidschaner, der kommt ein- bis zweimal die Woche und holt sich eine Kanne."

Rohmilch? Viele sind abgeschreckt

Schon immer wurde bei den Buchwinklers Milch direkt am Hof verkauft. Früher schenkte es seine Mutter noch mit der Kelle direkt an die Leute aus. Als sie vor 20 Jahren verstarb, war dafür keine Zeit mehr - doch das sollte es nicht gewesen sein: "Die Mama würde sich jetzt im Grab umdrehen, wenn wir keine Milch mehr verkaufen würden." Den Automaten bekam er von einem anderen Bauern, der seinen Hof aufgab - und der private Milchverkauf war weiter unter Dach und Fach.

"Viele Leute sind bissl abgeschreckt, weil hier direkt die Rohmilch herauskommt", erzählt Sepp Buchwinkler. Ein Schild warnt: "Abgegebene Milch ist Rohmilch. Bitte vor dem Verzehr abkochen." Eine Keimbelastung kann man bei Frischmilch nicht ausschließen - doch die meisten stört's nicht: "Ich werd' damit heute noch einen Pudding machen", sagt prompt die erste Kundin, die nach kurzer Zeit auf den Hof gefahren kommt. Ein "Fuchzgerl" nach dem anderen verschwindet im Automaten: "Fünf Liter brauch' ich", grinst die alte Dame.

Ob das uralte Gerät noch zu reparieren wäre?

Wer sind sie dann, die typischen Kunden, die am Automaten 50 Cent gegen einen halben Liter Rohmilch tauschen? "Die meisten sind hiesige Bauern, die jetzt keine Milchwirtschaft mehr haben, aber die Rohmilch halt noch von früher gewohnt sind", weiß Buchwinkler.

Auch wenn der Milchautomat recht unkonventionell daherkommt, er wird regelmäßig überprüft: "Erst letztens war wieder ein Lebensmittelkontrolleur hier." Zu beanstanden gab es nichts. Nur vor einem Szenario fürchtet sich Sepp Buchwinkler: "Kaputt gehen darf nix! Weil irgendein Ersatzteil aufzutreiben, könnte schwierig werden." Denn den Hersteller dieser Automaten gibt es schon lange nicht mehr. Aber er hat gute Arbeit getan: Die Saaldorfer 24-Stunden-Milchbar läuft und läuft.

xe

Quelle: BGland24.de

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