Samstag kalendarischer Frühlingsbeginn

„Fifty shades of green“ oder: Die drei Definitionen von Frühling

Im Jahr 2021 ist der kalendarische Frühlingsanfang also am Samstag den 20. März um 10.37 Uhr.
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Im Jahr 2021 ist der kalendarische Frühlingsanfang also am Samstag den 20. März um 10.37 Uhr.

Frühling - das ist per Definition die Jahreszeit zwischen Winter und Sommer, besonders als die Zeit, in der die Natur wieder zu erwachen beginnt. Doch neben dem kalendarischen gibt es zwei weitere Frühlingsanfänge. Also wann geht der Frühling eigentlich los?

Schon kurz nachdem das Jahr begonnen hat und man langsam merkt, dass die Tage wieder länger werden, fangen viele schon an zu träumen. Wenn man nicht gerade zu den Pollenallergikern zählt, dann beginnt nun das sehnliche Warten auf warme Temperaturen, viel Sonnenschein und das Erwachen der Natur - das Warten auf den Frühling.
Und auch wenn wir es uns das beim momentanen Wetter noch nicht vorstellen können, am Samstag den 20. März 2021 beginnt der Frühling. Also der kalendarischen Frühling. Es gibt aber auch noch andere Frühlingsanfänge.
Also wann geht jetzt der Frühling eigentlich los? Es kann leicht verwirrend sein, aber das werden wir jetzt mal auseinanderklamüsern.

Es gibt verschiedene Definitionen von Frühling, und damit ist jetzt nicht die Tatsache gemeint, dass für manche Menschen schon ab 10 Grad der Frühling beginnt und andere noch bei 20 Grad frieren, sondern die verschiedenen wissenschaftlichen Definitionen von Frühling. Denn auch hier gibt es verschiedene.

Der kalendarische Frühling

Dieser orientiert sich am Frühlings-Äquinoktium, der Frühlingstagundnachtgleiche, welches zwar jedes Jahr um knapp sechs Stunden variiert, aber immer zwischen dem 19. und 21. März stattfindet. Als Tagundnachtgleiche bezeichnet man den Moment, an dem die Sonne auf ihrer Bahn über den Äquator auf die Nordhalbkugel wandert.

Das passiert aber jedes Jahr circa sechs Stunden (fünf Stunden und 49 Minuten, für alle, die es ganz genau wissen wollen) später, was die Einführung des julianischen Kalenders mit seinen Schaltjahren nötig machte. Denn ohne die Schaltjahre würde der Frühlingsanfang jedes Jahr weiter und weiter nach hinten wandern und wir hätten irgendwann einmal den ersten Tag des Frühlings im Dezember. Dieses Jahr ist der kalendarische Frühlingsanfang also am Samstag den 20. März um 10.37 Uhr. Mit dem astronomischen Sommerbeginn zur Sommersonnenwende am 21. Juni endet der Frühling gegenwärtig immer am gleichen Tag.

Der meteorologische Frühlingsanfang

Dieser war, wie jedes Jahr, am 1. März. Der Grund, dass sich der kalendarische und der meteorologische Frühlingsanfang so weit auseinander befinden, liegt an einem einfachen Umstand: Meteorologen arbeiten viel mit Statistiken über Wetter und Temperaturen und sind deshalb auf festgelegte Zeiträume angewiesen, um ihre Daten besser vergleichen zu können. Sie rechnen in Quartalsblöcken: die Frühlingsmonate sind März bis Mai, der Sommer geht von Juni bis August, der Herbst von September bis November und der Wintermonate sind Dezember, Januar und Februar. Diese Einteilung in feste Blöcke eignet sich besser für Klimavergleiche und Monatsmittelwerte, deshalb beginnt der meteorologische Frühling immer am 1. März.

Der phänologische Frühling

Das ist der Frühling, den man in der freien Natur ablesen kann. Der Frühling, den man spürt. Der Frühling, der aber auch Pollenalergikern die Tränen in die Augen treibt. Die Phänologie befasst sich mit den im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen in der Natur. Einfach gesagt, man schaut, wann was zu blühen beginnt.

Hier wird der Frühling in drei Stufen eingeteilt: Vorfühling, Erstfrühling und VollfrühlingDer Vorfrühling wird durch die Blüte von Schneeglöckchen und Hasel eingeleitet. Daher bemerken leider die auf Pollen allergischen Personen meist als erste dessen Beginn, noch lange bevor Otto-Normalverbraucher auch nur ahnt, dass es mit dem Frühling losgeht.

Die drei Phasen des phänologischen Frühlings.

Die Forsythienblüte leitet dann den Erstfrühling ein. Jetzt ist die Zeit gekommen, zu der man am besten zum Beispiel den Rosen oder dem Wein einen ordentlichen Rückschnitt zukommen lassen kann. Denn ab jetzt legt Väterchen Frost seine Schere auf die Seite und auch empfindlichere Gehölze sollten nicht mehr weiter als der Rückschnitt zurückfrieren.

Mit der Apfelblüte ist dann der Vollfrühling gekommen und es besteht kein Zweifel mehr, dass auch das Gartenjahr so richtig losgeht.

Da der Zeitpunkt wann diese Ereignisse stattfinden aber von Landstrich zu Landstrich variieren, kann es durchaus sein, dass man in Berchtesgaden noch früh im Vorfrühling steckt, Bad Reichenhall aber schon erste Anzeichen des Erstfrühlings zeigt.
Genauso wandert der Frühling von Süden nach Norden. Wenn man sich einmal ganz Europa ansieht beginnt der Frühling in Portugal und macht sich über Spanien, Frankreich und Deutschland auf den Weg bis nach Finnland. Das macht er mit einer statistischen Geschwindigkeit von rund 30 bis 40 Kilometer pro Tag.

Die iberische Halbinsel kann sich als erstes über warme Frühlingstage freuen. In Portugal und Spanien beginnt also meist der europäische Frühling. Mit einer südwestlichen Strömung können sich dann die milderen Luftmassen langsam über Frankreich nach Deutschland ausbreiten. Rein statistisch beginnt der Frühling in Freiburg 44 Tage, in Köln 49 Tage und in Berlin 60 Tage später als im Südwesten Europas. Allein in Deutschland braucht der Frühling also ungefähr 20 bis 25 Tage um sich von Süd nach Nord auszubreiten. Genauso dauert es auch bis der Frühling die Höhenlagen erreicht: im Schnitt schafft er 33 Höhenmeter pro Tag.

Wie weit das Datum des Frühlingsbeginns variieren kann zeigt die Blüte der Forsythie, also der Beginn des Erstfrühlings. In Hamburg wird ihr Blühbeginn seit über 70 Jahren aufgezeichnet. Die bisher frühste Blüte gab es hier an einem 15. Februar (2002), wogegen die späteste Blüte erst an einem 25. April (1970) verzeichnet worden ist.
Der phänologische Frühling endet mit dem Frühsommer. Dieser beginnt mit der Hollerblüte (schwarzer Hollunder). Wann das heuer der Fall sein wird steht aber noch in den Sternen...
Einen Überblick über die aktuellen Blühphasen bietet die Seite des DWD.

Frühling ist nicht gleich Frühling

Wie man sieht: Frühling ist nicht gleich Frühling. Und auch sein Beginn, die Dauer und das Ende sind recht flexibel.Aber egal wie man Frühling definiert, 2021 beginnt er in Südostbayern spätestens am 20. März um 10.37 Uhr. Also kalendarisch. Meteorologisch gesehen haben wir die ersten 20 Tage dann schon hinter uns. Und auch phänologisch gesehen befinden wir uns an den meisten Orten in der Region schon mitten im Vorfrühling.

Wie gestaltet sich der durchschnittliche Frühling in unserer Region?

Aus den Messungen seit 1961 lassen sich bestimmte Durchschnittswerte für die Dauer des meteorologischen Frühling ablesen. Ein Wert wäre die Durchschnittstemperatur, im Frühjahr liegt diese bei uns zwischen zwei Grad an den Bergen und zehn Grad im Raum Altötting. Das hört sich jetzt kalt an, aber aufgeschlüsselt ergeben sich da schon ganz andere Zahlen:
Zum Beispiel haben wir hier in Südostbayern im Schnitt 30-50 Tage mit Frost, aber auch schon 30-40 Sommertage, also Tage mit einer Tageshöchsttemperatur über 25 Grad. Auch Hitzetage mit über 30 Grad sind durchaus mit dabei, durchschnittlich sind es 2 bis 6. Der Niederschlag sollte 1000-1800 Millimeter, an und in den Bergen bis 2200 Millimeter betragen um als ein Durchschnittsjahr zu gelten.

Der Frühling kann also wettertechnisch alles im Gepäck haben: Schneefall, Frost und Sturm genauso wie Hitze und die ersten starken Gewitter oder Unwetter. Weitere Informationen zum Klima ist hier zu finden.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern von OVB24, allen Followern und Freunden einen schönen und ausgewogenen Frühling ohne Trockenheit, Wetterkapriolen und Unwetter!

Euer Schorsch Nieder von
Der Himmel im SüdOsten für OVB24

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