Donnerstag Prozess vor Traunsteiner Gericht

Urteil gegen Priener Samurai-Mann gefallen

+
  • schließen

Traunstein/Prien am Chiemsee - Er sorgte im Juni 2017 für einen Großeinsatz der Polizei. Weil ein Mann aus Prien mit einem Samuraischwert Polizisten bedroht hat und wegen mehrerer anderer Delikte musste sich der 43-Jährige nun vor dem Traunsteiner Landgericht verantworten. Mittag fiel das Urteil:

Update, 12.20 Uhr: Plädoyers und Urteil

Der Staatsanwalt ist der Auffassung, dass sich die Taten mit einigen kleinen Änderungen, so wie in der Anklageschrift beschrieben, ereigneten. Er ist der Auffassung dass eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus anzuordnen sei. Der schwerwiegendste Vorwurf sei nach Meinung des Staatsanwaltes das Bedrohen mit der Waffe.„Man darf Menschen nicht mit einer Schusswaffe und dem Tode bedrohen, nur weil man in Ruhe gelassen werden will.“ Das seien erheblich rechtswidrige Taten, die das Sicherheitsempfinden in der Öffentlichkeit stören. Die Drohungen seien ernst zu nehmen und würden eine Unterbringung rechtfertigen. Auf Grund des Krankheitszustandes des Angeklagten kommt der Staatsanwalt zu dem Schluss, dass der Angeklagte ohne Maßnahmen eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle. Die Unterbringung könne nach Auffassung des Staatsanwaltes zur Bewährung ausgesetzt werden, da der Beschuldigte sich sehr einsichtig gezeigt habe.

Verteidiger Ahmed Adam fordert für seinen Mandanten ebenfalls eine Unterbringung auf Bewährung. Die Krankheits- und Therapieeinsicht sei zu 100 Prozent vorhanden, auch die Einsicht im Bezug auf sein Fehlverhalten. „Es gibt nicht mehr Einsicht, die ein Mensch hier im Bezug auf die Taten haben kann.“

Das letzte Wort des Angeklagten: „Ich möchte mich bei allen Beteiligten entschuldigen, es tut mir leid, ich wollte das nicht und ich werde in Zukunft auch alles dafür tun dass sowas nicht mehr vorkommt. Ich würde gerne beweisen, dass ich an mir arbeite und es in Zukunft besser mache.“

Richter Zenkel verkündet das Urteil: Der Angeklagte wird zu einer Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus auf Bewährung verurteilt. „Sie sind heute anders. Sie haben gezeigt, Sie haben was gemacht, sie waren im Krankenhaus und haben aktiv mitgearbeitet. Das unterscheidet Sie von vielen vielen anderen hier. Sie sind einer von wenigen, die das akzeptieren und sich eingestehen, dass Sie eine psychische Krankheit haben, das ist kein Unterschied zu einer körperlichen Krankheit. Sie wissen, dass Sie die Krankheit mit entsprechenden Maßnahmen am schlafen halten können.“

Der Angeklagte sowie auch die Staatsanwaltschaft nehmen das Urteil an.

Update, 11.42 Uhr:  „Er hat gesagt 'Ich schlage euch den Kopf ab'"

Der behandelnde Facharzt für Psychiatrie am Inn-Salzach-Klinikum bestätigt vor Gericht die psychische Erkrankung des Angeklagten. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat er bereits vor der ersten Tat schon Symptome gehabt“, so der Gutachter. Der Beschuldigte habe auch bei allen Taten zudem unter Drogen- oder Alkoholeinfluss gestanden. Der Arzt kommt in seinem Bericht zu dem Schluss: “Letztendlich ist er bei den Taten in einem Zustand gewesen, in dem er sich nicht mehr steuern konnte und auf das Verhalten von anderen so reagiert hat, wie er es im normalen Zustand nicht getan hätte.“ Der Gutachter würde unter bestimmten Maßnahmen eine Unterbringung auf Bewährung nicht für ausgeschlossen halten.

Nun schildert ein Polizist, der bei dem Einsatz vor Ort war seine Eindrücke: Der Angeklagte habe laut dessen Aussage die Beamten wüst beschimpft, sie bedroht und sei sehr aggressiv gewesen. Ein Kriminalbeamte sagt aus, dass der Angeschuldigte im vergangenen Jahr mehrere Polizeieinsätze verursacht habe. Auch er bestätigt die von seinem Kollegen geschilderten Bedrohungen. Mit einem Samurai- und einem Holzschwert habe der Angeklagte den Einsatzkräften gedroht und sich anschließend in seiner Wohnung verbarrikadiert, wo ihn das SEK dann schließlich überwältigt habe. „Er war in dem Moment einfach geistig nicht voll da und eine Bedrohung“, sagt der Polizist. „Er hat gesagt 'Ich schlage euch den Kopf ab' und da war für mich klar, dass eine konkrete Gefahr von ihm ausgeht.“ Als der Kriminalbeamte mit seiner Aussage fertig ist, entschuldigt sich der Angeklagte für seine Beleidigungen und Bedrohungen bei dem Beamten, was dieser mit einem Lächeln annimmt.

Die Beweisaufnahme wird nun geschlossen.

Update, 10.15 Uhr: Verlesung der Anklageschrift

Der Angeklagte folgt der Verlesung der Anklageschrift ruhig und gefasst. Er möchte aussagen. Sein Anwalt Dr. Ahmed Adam aus München gibt zunächst eine Erklärung für seinen Mandanten ab. Demnach stimmt der Angeschuldigte einem Großteil der Anklagepunkte zu, einige Punkte wolle er aber noch berichtigen. 

Nun sagt der Beschuldigte selber aus, er ist geständig. Warum er sich überhaupt bewaffnet hat, wollte Vorsitzender Richter Dr. Jürgen Zenkel wissen: „Weil ich Angst hatte.

Den Schreckschussrevolver, mit dem er am Tatabend hantierte, wollte er nach eigener Angabe an diesem Tag bei der Polizei abgeben. Er sei von Passanten und Beamten als Psycho beschimpft worden. 

„Die Beamten haben mich im Polizeibus eine Dreiviertelstunde gequält. Die sind auf mir rumgesprungen, obwohl ich Schmerzen im Fuß hatte.“ Das habe er den Polizisten gegenüber auch immer weder geäußert. 

„Ich wollte zu keinem Zeitpunkt irgendeinen Menschen gefährden. Ich habe das gemacht, weil ich krank bin, weil ich Schmerzen hatte und weil ich mich abreagieren wollte. Und das tut mir auch alles Leid. Mir wäre es auch lieber, wenn ich hier nicht sitzen würde.“ Der Richter verliest das Vorstrafenregister, es gab einige Verurteilungen, größtenteils wegen Betäubungsmitteldelikten.

Vorbericht

Er soll sich am 16. Juni 2017 in seiner Wohnung verschanzt und mit einem Samuraischwert bewaffnet haben, unter anderem deswegen steht ein 43-jähriger Priener am 29. März um 9 Uhr vor dem Landgericht Traunstein. "Ich werde euch den Schädel abschlagen, wenn ihr euch mir nähert", soll er zu den Beamten gesagt und dabei ein hölzernes Schwert bedrohlich geschwungen und das Samuraischwert griffbereit in seine Schutzweste gesteckt haben. Die Polizei war gekommen, um nach dem Rechten zu sehen, weil den Beamten jemand mitgeteilt hatte, dass der Beschuldigte regungslos vor seinem Haus liege. Trotz der Drohungen gelang es der Polizei den Angeklagten in Gewahrsam zu nehmen.

Doch das war nicht der einzige Vorfall. Sechs Tage vorher soll er nach Auffassung der Staatsanwaltschaft mit einer Zaunlatte durch Prien spaziert sein und habe damit auch schon Polizisten bedroht. 

Zwei Monate vorher soll er schon eine Frau mit einem Holz- und dem Samuraischwert bedroht und eingeschüchtert haben. Noch am Selben Tag in der Nacht soll er dann vor einem Priener Lokal unvermittelt einen Schreckschussrevolver gezogen und damit Passanten bedroht haben. Die herbeigerufenen Polizisten soll der Beschuldigte dann ebenfalls wieder beschimpft, geschlagen und bedroht und sich erheblich gegen die Festnahme gewehrt haben.

Schuldunfähig?

Laut Anklageschrift leide der der Angeklagte unter einer psychischen Erkrankung, weswegen sein Steuerungsvermögen zu den Tatzeiten gemindert und nicht ausschließbar vollständig aufgehoben gewesen sein könnte.

Der Prozess beginnt am 29. März um 9 Uhr am Landgericht Traunstein. Fortsetzung am 3. und 4. April, ebenfalls 9 Uhr.

**Wir berichten von vor Ort**

Bilder vom Polizeieinsatz im Juni 2017

SEK-Einsatz in Prien

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser