Das Rosenheimer Bauamt gibt Auskunft

Baurecht bei Schneelast auf Dächern - das müssen Eigentümer wissen

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Bayern, Schleching: Helfer der DLRG-Bayern räumen die Schneemassen von einem Hausdach.
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Landkreis - Der Schnee hat den Süden Bayerns fest im Griff. In Landkreisen gilt noch Katastrophenalarm. Vor allem die große Schneelast auf den Dächern ist Problem. Es ist die Rede von rechtswidriger Bauweise. Doch gibt es für Schneelasten überhaupt Vorschriften?

Das Schneechaos hält die Region weiter in Atem - vor allem weil es vielerorts am Montagnachmittag wieder zu schneien begonnen hat. Der Katastrophenfall gilt aktuell noch in fünf Landkreisen (MB, TS, BGL). In vielen Gemeinden bildeten sich enorme Schneelasten auf den Dächern, teilweise mussten Häuser evakuiert werden.

Lage vielerorts kritisch

Im Landkreis Rosenheim hat sich die Lage dank der großartigen Arbeit der Hilfsorganisationen und der aktuellen Witterungslage wieder einigermaßen entspannt. Im Aschauer Ortsteil Sachrang stellte sich die Lage am Wochenende jedoch zeitweise kritisch dar. Vor allem die hohe Schneelast auf den Dächern wurde zum Problem. "Es gibt da manche hunderte Jahre alte Bauernhäuser, die sind schon mit derartigen Schneelasten im Sinn derart stabil gebaut worden, da gibt es dann kaum Probleme", erläuterte Kreisbrandrat Richard Schrank im Interview mit unserer Redaktion am Montag. "Dagegen manche Neubauten sind da nicht so stabil und es muss rasch gehandelt werden." In einigen Fällen habe man sogar feststellen müssen, dass einige Bauten baurechtswidrig nicht für erwartbare Schneebelastungen gebaut seien

Welche Schneelasten muss ein Gebäude aushalten?

Vor allem für Hauseigentümer stellt sich aktuell die Frage: Welche Schneelasten muss mein Haus aushalten? Gibt es hierfür gesetzliche Regelungen oder Vorschriften? Was passiert wenn mein Haus keine Standsicherheit hat? Wir haben uns beim Rosenheimer Landratsamt erkundigt, wie es baurechtlich aussieht.

Laut Bauamt gilt grundsätzlich: 

  • Die meisten Bauvorhaben müssen durch die Baubehörde genehmigt werden.
  • Für diese Genehmigung wird ein Bauantrag eingereicht.
  • Mit dem Bauantrag müssen auch erforderliche Nachweise eingereicht werden.
  • Einer dieser Nachweise ist der Standsicherheitsnachweis.
  • Der Standsicherheitsnachweis muss von einem Statiker oder Tragwerksplaner erstellt werden.
  • Der Tragwerksplaner berechnet das Gebäude auf seine Standsicherheit, auch und insbesondere hinsichtlich der Schneelasten. Die Schneelast, die beim Standsicherheitsnachweis für ein Gebäude angesetzt wird, ist in der Norm DIN 1055-5 „Lastannahmen für Bauten- Verkehrslast; Schneelast und Eislast“ geregelt. Sie ist in der DIN-Norm in kN/ (Kilonewton pro Quadratmeter) angegeben. Die Schneelast kann mit der DIN 1055-5 für jeden Standort eines Gebäudes in Abhängigkeit von der Schneelastzone und der Geländehöhe ermittelt werden. Dabei werden auch die Dachneigung und die Dachform berücksichtigt. Diese Schneelast wird zugleich auch als die zulässige Schneelast für ein Gebäude bezeichnet, die nicht überschritten werden soll.
  • Verantwortlich für die sichere Benutzbarkeit einer baulichen Anlage/eines Gebäudes ist der jeweilige Eigentümer. Die Bayerische Bauordnung verpflichtet den Eigentümer, die bauliche Anlage/das Gebäude dauerhaft so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass die öffentliche Sicherheit oder Ordnung, insbesondere Leben, Gesundheit und Eigentum, nicht gefährdet werden.
  • Sollte sich im Nachgang zur Baugenehmigung herausstellen, dass die Standsicherheit nicht gewährleistet ist, haben die Bauaufsichtsbehörden das Recht, eine Nachberechnung zu fordern und ggf. statische Sicherungsmaßnahmen (Ertüchtigung, Aussteifungen, Abstützungen, …) anzuordnen.

Bautechnische Nachweise

An den Ersteller des Standsicherheitsnachweises werden je nach Bauvorhaben unterschiedliche Anforderungen gestellt. Die Prüfpflicht des Standsicherheitsnachweises hängt ebenfalls hiervon ab. Das sind die einzelnen Anforderungen für den Standsicherheitsnachweis:

Standsicherheit

Hier finden Sie eine Übersicht über die verschiedenen Gebäudeklassen

Grundsätzlich ist der Entwurfsverfasser im Rahmen seiner Bauvorlageberechtigung auch dazu berechtigt, den Standsicherheitsnachweis zu erstellen. Für bestimmte Bauvorhaben enthält Art. 62 Abs. 2 und 3 BayBO jedoch Sonderregelungen: Bei Gebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3 (siehe Kasten) und Behältern, Brücken, Stützmauern, Tribünen und sonstigen baulichen Anlagen sonstigen baulichen Anlagen, die keine Gebäude sind, muss der Standsicherheitsnachweis von einer hierfür besonders qualifizierten Person (qualifizierter Tragwerksplaner) erstellt sein, da dieser Nachweis nicht in jedem Fall durch die Bauaufsichtsbehörde, einen Prüfingenieur oder ein Prüfamt zu prüfen oder durch einen Prüfsachverständigen zu bescheinigen ist.

Prüfung des Standsicherheitsnachweises

In Anwendung des Vier-Augen-Prinzips ist darüber hinaus je nach Bauvorhaben zusätzlich eine Überprüfung des Standsicherheitsnachweises erforderlich: Bei Gebäuden der Gebäudeklassen 4 und 5 findet stets eine Überprüfung des Standsicherheitsnachweises statt. Bei Sonderbauten wird der Nachweis durch die Bauaufsichtsbehörde oder durch einen Prüfingenieur oder ein Prüfamt im Auftrag der Bauaufsichtsbehörde geprüft, im Übrigen im Auftrag des Bauherrn durch einen Prüfsachverständigen bescheinigt.

Überwachung der Bauausführung hinsichtlich der Standsicherheit

Für die Bauüberwachung bestehen spezielle Regelungen zur Überwachung der Bauausführung hinsichtlich der Standsicherheit. So muss der Prüfingenieur oder Prüfsachverständige, der den Standsicherheitsnachweis geprüft bzw. bescheinigt hat, auch die Bauausführung hinsichtlich des von ihm geprüften oder bescheinigten Standsicherheitsnachweises überwachen. Der Prüfsachverständige für Sandsicherheit muss daher bei bescheinigungspflichtigen Vorhaben die Bauausführung hinsichtlich des von ihm bescheinigten Standsicherheitsnachweises überwachen. In diesem Fall muss der Bauherr der Bauaufsichtsbehörde mit der Anzeige der Nutzungsaufnahme eine Bescheinigung des Prüfsachverständigen über die ordnungsgemäße Bauausführung hinsichtlich der Standsicherheit vorlegen.

Bei nicht oder nur zum vorübergehenden Aufenthalt einzelner Personen bestimmter eingeschossiger Gebäude mit freien Stützweiten von nicht mehr als 12 m und nicht mehr als 1.600 m2 (ausgenommen land- und forstwirtschaftliche Betriebsgebäude und gewerbliche Lagergebäude mit freien Stützweiten von max. 12 m und Grundflächen von max. 500 m2) ist der Ersteller des Standsicherheitsnachweises oder ein vom Bauherr benannter Tragwerksplaner für die Einhaltung der bauaufsichtlichen Anforderungen an die Standsicherheit bei der Bauausführung verantwortlich.

Eine Übersicht über das Gewicht von Schnee

Schneeart

Gewicht pro m3

Schneehöhe von 100 kg pro m2

Trockener, lockerer Neuschnee

30–50 kg

ca. 2–3 m

Gebundener Neuschnee

50–100 kg

ca. 1–2 m

Stark gebundener Neuschnee

100–200 kg

ca. 0,5–1 m

Trockener Altschnee

200–400 kg

ca. 25–50 cm

Feuchtnasser Altschnee

300–500 kg

ca. 20–35 cm

Mehrjähriger Firn

500–800 kg

ca. 12–20 cm

Eis

800–900 kg

ca. 11–12 cm dick

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