Geologe zu Murenabgang in Schneizlreuth

"Wir werden die Situation dort nicht beherrschen"

Geologe Dr. Robert Darga zu den Murenabgängen an der B21
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Der Geologe Dr. Robert Darga ist sich sicher, dass das nicht die letzt Mure war, die an der B21 zwischen Bad Reichenhall und Unterjettenberg abgegangen ist.

Schneizlreuth - Am Mittwochabend (1. Juli) ist zwischen Unterjettenberg und Bad Reichenhall eine Mure auf die B21 abgegangen. Seitdem ist die Straße gesperrt. Im Ortsteil Baumgarten dürften bei den Anwohnern böse Erinnerungen wach geworden sein.

Fast auf den Tag genau zehn Jahre ist es her, als eine Mure im Bereich Baumgarten massive Schäden anrichtete. Häuser und Menschen waren zwar nicht davon betroffen, aber die Anwohner in Baumgarten mussten aus Sicherheitsgründen ihre Häuser für einige Tage verlassen. Ein aufwendiges Schutzkonzept und der Wiederaufbau der Röthelbachstraße sollten Jahre dauern.

Zehn Jahre später ein ähnliches Bild: Geröll, Holz, Schlamm, die verschiedensten Materialien bedecken die Bundesstraße B21 zwischen Unterjettenberg und Bad Reichenhall. Im Bereich Lueger Hausgraben hat sich der Berg am Mittwochabend bei Starkregen in Bewegung gesetzt, eine Mure ist abgegangen. "Bei Starkregen werden die Hänge aufgeweicht", weiß Geologe Dr. Robert Darga. "Dadurch bildet sich ein neues Gleichgewicht am Berg und die Natur entledigt sich von dem, was nicht mehr benötigt wird."

Die Aufräumarbeiten nach einem Murenabgang an der B21 zwischen Unterjettenberg und Bad Reichenhall sind bereits im Gange. Schutt, Geröll, Holz, alles muss abtransportiert werden.

Diesmal handelt es sich um ein eher kleines Ereignis. Dass so etwas aber in diesem Gebiet immer wieder passiert und Muren abgehen, ist für Darga kein Zufall. "Das ist ein natürlich gewachsener Zustand. Nach der Eiszeit wurde nicht das ganze Moränenmaterial ausgegraben. Somit ist der Fels nicht blank, sondern mit diesem Material bedeckt." Der Schutt sucht sich vor allem bei Starkregen-Ereignissen seinen Weg. Besonders gefährlich ist es nach längeren trockenen Phasen.

Ständige Beobachtung der Felsen an der B21 die Lösung?

"Der Zustand besteht in diesem Bereich permanent", bestätigt Dr. Robert Darga. "Es ist ein natürlicher Vorgang, den man nicht beherrschen kann." Die Verbauungen, die das staatliche Bauamt in den vergangenen Jahren vorgenommen habe, seien die einzige Möglichkeit, zumindest einen Teil der Muren aufzuhalten.

"Die einzige sichere Möglichkeit, um vorherzusagen, wann eine Mure abgeht, wäre die ständige Beobachtung", so der Geologe. Nach jedem größeren Starkregen-Ereignis müsste also nachgeschaut werden, wo hat sich was abgelagert, wann und wie könnte es sich lösen und und und. "Das ist eine Ewigkeitsaufgabe."

Eine Ewigkeitsaufgabe, die wahrscheinlich für die angrenzenden Kommunen nur schwer finanziell zu leisten wäre. Bei dem Murenabgang am Mittwoch waren keine Personen oder Fahrzeuge betroffen, er ist glimpflich verlaufen. Die Verkehrsnachrichten rechnen mit einer Freigabe der B21 in diesem Bereich am Freitagnachmittag (3. Juli).

cz

Quelle: BGland24.de

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