Pressegespräch zur Digitalisierung

Breitband: Bauern besonders unzufrieden

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Ulrich Niederschweiberer, Mühldorfer Kreisobmann beim Bayerischen Bauernverband, fordert auch im ländlichen Raum flächendeckend schnelles Internet
  • schließen

Mühldorf - Die Zahlen des Wirtschaftsverbands vbw zur Zufriedenheit der Unternehmen mit dem Internetausbau sind bedenklich. Oft werden die Firmen deshalb selbst aktiv.

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), die branchenübergreifend 61 Verbände vereint, hat unter 1567 Unternehmen eine Umfrage zur Zufriedenheit der Betriebe mit dem Breitbandausbau durchgeführt. Dr. Wolfgang Friedrich, Vorstandsmitglied der oberbayerischen Bezirksgruppe der vbw und Geschäftsführer des Mühldorfer Maschinenbauunternehmens MBM, hat die teils ernüchternden Zahlen am Montagmittag vorgestellt.

Dr. Wolfgang Friedrich

"Ein Drittel der Unternehmen ist mit der aktuell verfügbaren Bandbreite zufrieden, zwei Drittel sind es nicht", sagte Friedrich. Die Zufriedenheit variiert zwar je nach Branche, doch auch in der Metall- und Elektroindustrie, der "zufriedensten" Branche, ist jedes zweite befragte Unternehmen mit seiner Breitbandversorgung unzufrieden. Dabei ist schnelles Internet längst wichtiger ein Standortfaktor. Einer vbw-Studie zufolge ist ein Drittels des Wirtschaftswachstums gegenwärtig auf die Digitalisierung zurückzuführen, also beispielsweise auf Online-Wartung von Maschinen oder die Vernetzung eines Unternehmens mit seinen Kunden.

"Ich möchte nicht abgehängt werden"

Besonders häufig unzufrieden mit dem Status quo sind die Landwirte. Nicht einmal jeder fünfte befragte Bauer ist derzeit glücklich mit seiner Internetverbindung. Dabei sind auch Landwirte auf schnelles Internet angewiesen, wie Ulrich Niederschweiberer, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, erklärte. Bauern verschicken Förderanträge, melden ihren Tierbestand den Behörden und bieten Urlaubsgästen Ferien auf dem Bauernhof an - mit einer langsamen Internetverbindung ist das alles nur vergleichsweise umständlich möglich. Es werde oft unterschätzt, was ein Landwirte alles im Internet erledigen muss, so Niederschweiberer.

Langsames Internet trifft einen Landwirt zudem gleich doppelt, schließlich wohnt er ja auch auf seinem Hof, hat also auch privat eine langsame Verbindung. "Nur weil ich als Landwirt mit meiner Familie im ländlichen Raum lebe, möchte ich nicht abgehängt werden", sagte Niederschweiberer.

Große Unternehmen werden selbst aktiv

Die großen Unternehmen waren in der vbw-Umfrage deutlich häufiger mit ihrer Internetverbindung zufrieden als kleinere Betriebe. Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sind zu mehr als 60 Prozent mit der verfügbaren Bandbreite zufrieden, bei kleinen Betrieben bis 25 Mitarbeitern liegt die Zufriedenheit bei gerade einmal knapp 27 Prozent. Ein Grund dafür ist, dass einige größere Unternehmen selbst aktiv geworden sind und sich eine Glasfaser- oder Funkverbindung haben einrichten lassen.

Felix Kleinert

Felix Kleinert, Geschäftsführer des Pumpenherstellers Netzsch aus Waldkraiburg, erklärte, man habe in Waldkraiburg zwischen den Werken eine Funkverbindung hergestellt, weil die Leitung nicht einmal innerhalb der Stadt stark genug gewesen sei. Außerdem habe man einen Mitarbeiter im Home Office einige Zeit per Satellit und inzwischen per LTE angeschlossen.

"In Südkorea lachen sie über 100 Mbit/s"

Die vbw hat sich in einer "Agenda 2020" mindestens "100 Mbit/s für alle" als Ziel gesetzt - eine Forderung, die mit der Einschätzung der bayerischen Unternehmen d'accord geht. Etwa die Hälfte der Unternehmen prognostizieren für die nahe Zukunft einen Bedarf von 100 Mbit pro Sekunde oder mehr im Download.  Nur eine kleine Minderheit möchte sich mit 16 Mbit zufrieden geben. Für Dr. Wolfgang Friedrich sind 100 Mbit/s und mehr keine utopische Forderung. In Südkorea würde man über 100 Mbit lachen. "Die haben 200 Mbit, jetzt schon", so Friedrich.

Im Landkreis Mühldorf schwankt die Versorgung von Gemeinde zu Gemeinde. Während im Ampfing über 75 Prozent der Haushalte Zugang zu einer Bandbreite von 50 Mbit pro Sekunde haben, sind es in Waldkraiburg unter 10 Prozent. Immerhin liegt in Waldkraiburg die Versorgung mit einer Bandbreite von mindestens 30 Mbit/s bei über 75 Prozent. Auch in der Stadt Mühldorf, in Kraiburg, Jettenbach, Heldenstein und Zangberg haben mehr als 75 Prozent der Haushalte Zugang zu Bandbreiten von mindestens 30 Mbit pro Sekunde.

Friedrich fordert bessere Kommunikation

Lob gab es von Friedrich für das Breitbandförderprogramm des Freistaats, nur sollten die Kommunen die Förderung eben auch nutzen. Lücken in der Versorgung müssten geschlossen werden und, wo immer möglich, sollte der Ausbau über die vorgegebenen Mindest-Bandbreiten hinausgehen. "Das Förderprogramm lässt das zu", sagte Friedrich.

Breitbandausbau: Das sagen die Unternehmen

Der vbw-Umfrage zufolge sind die Unternehmen oft schlecht über den Ausbau in ihrer Kommune informiert. Die befragten oberbayrischen Unternehmen erklärten nur zu 36,9 Prozent, dass sie von einem Breitband-Engagement in ihrer Kommune wüssten. Weil das Gros der Gemeinden längst aktiv ist, sind viele Unternehmen offenbar nicht informiert. "Die Kommunen sollten über bessere Breitband-Kommunikationsstrategien die lokale Wirtschaft enger einbinden", forderte Friedrich, nahm aber zugleich die Unternehmen in die Pflicht. Er wage zu bezweifeln, erklärte Friedrich, inwieweit etwa alle Handwerksbetriebe schon erkannt haben, dass ein vernünftiger Internetauftritt notwendig ist.

Quelle: innsalzach24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser