Nach Totenbergung an der Mittelspitze

Gaffer bei Einsatz am Watzmann? "Wir teilen diesen Vorwurf als Rettungskräfte nicht"

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Schönau am Königssee - Nach einem tödlichen Alpinunfall am Watzmann gibt es Kritik an anderen Bergsteigern in der Nähe der Einsatzstelle. Einer der Angesprochenen wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Update, 10.15 Uhr - Stellungnahme des BRK

"Es stimmt nicht, dass das BRK und seine Rettungskräfte die anderen Bergsteiger als Gaffer bezeichnet hätten - das stand in dieser Art nur in der Aussendung der Polizei und wurde von einigen Medien dann noch aufgeladen - wir haben das nicht geschrieben und teilen diesen Vorwurf als Rettungskräfte auch nicht", teilt das Bayerische Rotes Kreuz mit. "Es sind also keine Vorwürfe des BRK."

Zudem habe es bereits Kontakt mit dem Bergsteiger gegeben, der den Eintrag im Gästebuch verfasst hat. Auch ihm gegenüber sei richtiggestellt worden, dass der Vorwurf so nicht korrekt ist.

Vorbericht

Haben Gaffer vor wenigen Tagen Einsatzkräfte am Watzmann behindert? So haben es Polizei und Bayerisches Rotes Kreuz nach dem tödlichen Unfall eines 33-Jährigen aus dem Berchtesgadener Land dargestellt. Doch nun äußern sich die angesprochenen Wanderer und weisen den Vorwurf des Gaffens in einem Eintrag im Gästebuch des Kreisverbandes Berchtesgadener Land beim Bayerischen Roten Kreuz vehement zurück.

Er selbst habe mit seiner Lebensgefährtin an diesem Tag die Watzmann-Überschreitung vom Watzmann-Haus aus machen wollen. Als sie etwa 10.30 Uhr an der Watzmann-Mittelspitze sind, haben sie die Tour kurz  unterbrochen, sobald sie den Einsatz bemerkt haben.

Durchsage schlecht zu verstehen

"Während der Bergungsaktion haben wir uns mit unserem Klettersteigset gesichert und in geduckter Haltung verharrt, bis der Hubschrauber weggeflogen ist", schreibt der betroffene Wanderer. "Ein Hubschrauber der Polizei hat zirka 100 Meter vom roten Rettungshubschrauber entfernt eine Durchsage mit Lautsprecher durchgeführt, die aber für uns durch den Lärm von zwei Hubschraubern nur in Fragmenten zu verstehen war. Wir haben nur das Wort Steinschlag verstanden und das so interpretiert, dass wir uns ruhig zu verhalten haben, da ansonsten durch möglicherweise von uns losgetretenen Steinen der Hubschrauber in Gefahr geraten könnte."

Nachdem die Hubschrauber davongeflogen sind, haben sie ihre Tour wieder aufgenommen. Später am Tag hören sie bei der Heimfahrt im Radio von dem Unglück und sind erstaunt, dass rücksichtslose Bergsteiger die Rettung beeinträchtigt hätten. "Wir waren wie vor dem Kopf gestoßen, waren und sind uns aber sicher, im Unglücksmoment nichts falsch gemacht zu haben", erklärt der Wanderer. "Wie wir aus der Pressemitteilung entnehmen konnten, dauerten die Rettungsmaßnahmen mehrere Stunden. Wir waren geschätzt zehn Minuten in unmittelbarer Nähe."

Weitergehen und Umkehren keine Option

Für den Mann, der sich im Gästebuch äußert, hat sich die Situation am Watzmann eindeutig gezeigt. Weitergehen wäre nicht möglich gewesen, weil er und seine Begleiterin dann noch näher an die Einsatzstelle gelangt wären. Umkehren ist ebenfalls keine Option gewesen, weil beide dann ungesichert den Winden der Rotorblätter ausgesetzt gewesen und eventuell selbst in Gefahr geraten wären.

"Wir sind nicht als Gaffer am Unfallort geblieben, sondern hatten auf Basis der uns vorliegenden Informationen gar keine andere Wahl", schreibt er. "Wir sind nach Abflug des Hubschraubers schnell und vorsichtig weitergegangen, um aus dem Einsatzgebiet zu kommen und mögliche weitere Rettungsmaßnahmen nicht zu behindern. Obwohl wir nicht einschätzen konnten, ob überhaupt noch weitere Maßnahmen erfolgen."

Zudem kritisiert der Mann auch das Vorgehen der Einsatzkräfte. "Wenn absehbar ist, dass ein größerer Einsatz bevorsteht, sehe ich es als sinnvoll an, das Gebiet frühzeitig und nicht erst nach mehreren Stunden durch einen Alpinpolizisten abzusperren. Dann können Vorfälle, wie in diesem Ausmaß erst gar nicht entstehen", bemerkt der Tiroler. "Auch die Durchsagen durch den Polizeihubschrauber sollten überdacht werden. Am besten wäre eine Lösung, Information in visualisierter Form an die Umgebung weiterzugeben."

Das Bayerische Rote Kreuz hat sich bisher nicht zu dem Eintrag geäußert.

ksl

Quelle: BGland24.de

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