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CSU dementiert Medienbericht über Seehofer-Entscheidung

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Verkaufsoffener Sonntag am Touristen Hot Spot

Ladenzeile am Königssee: „Oh wie schön – ist Sonntags wieder geöffnet?“

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Vera Thiel und ihr Mann
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Schönau am Königssee - Das Ladenschlussgesetz war in den vergangenen Monaten ein vieldiskutiertes Thema im Berchtesgadener Land. Aber was sagen eigentlich die Touristen und Mitarbeiter zu diesen Regelungen?

Brisant, Quer, Plusminus - viele Fernsehsender und auch viele Medien haben in den letzten Wochen und Monaten über die sonntäglichen Verkaufsverbote am Königssee berichtet. Die Händler verzweifeln, weil sie immense Umsatzeinbußen erleiden und die Touristen schütteln verärgert den Kopf, weil sie bestimmte Dinge nicht kaufen können.

Das ist wirklich ein Trauerspiel“, so eine Familie aus Esslingen. Und eine holländische Familie ergänzt: „Das gibt es auch nur hier in Bayern. Nicht bei uns daheim, nicht in Norddeutschland und sogar im Vatikan in Rom, kann man Sonntags shoppen gehen“. Und die betroffenen Händler laufen Sturm und wollen das Bundesladenschlussgesetz kippen

Kleines Sortiment – straffes Regiement 

Wer keine reinen Souvenirartikel, wie zum Beispiele religiöse Devotionalien oder Artikel, auf denen der Souvenircharakter eindeutig erkennbar ist verkauft, der hat schlechte Karten. „Das Angebot vom Landratsamt war recht streng reglementiert. Wir sollten ein ortsbezogenes Angebot machen. 

Vera Thiel / Souvenirverkauf

Daraufhin habe ich zum Beispiel Wanderstöcke und Zollstöcke mit Königsseeaufdruck versehen. Leider hatte eine Mitarbeiterin beim Druck den Hinweis „Königssee“ übersehen und das Ergebnis war eine Strafe über 1.000 Euro vom Landratsamt, die solch einen Zollstock bei Testkäufen erworben haben“, so berichtet Vera Thiel, Inhaberin eines Souvenirladens am Königssee. Und ergänzt: „Wir setzen nun mal auf Trendartikel, die witzig und zeitgemäß sind. Dadurch sind wir aber natürlich limitierter, wie zum Beispiel unsere Nachbarn mit den klassischen Porzellantellern. 

Aber dafür gibt es bei uns zum Beispiel auch Murmeltierfett, eine jahrhundertealte Bergbauernheilcreme. Das haben die anderen nicht. Aber ich denke es ist wichtig mit der Zeit zu gehen, und auch mal auf kurzlebige Trends aufzuspringen, wie zum Beispiel Spinner. Das gehört heutzutage einfach dazu und wird auch von den Touristen erwartet."

Enorme Kritik von den Touristen 

Befragt man die Touristen an einem ganz normalen Sonntag, dann schütteln diese mit dem Kopf. „Wir sind hier an einem Hotspot für den Touristen. Der Königssee ist weit über die Grenzen Deutschlands und Europas bekannt. Was hier passiert, ist unglaublich“, so ein asiatischer Reiseführer. 

„Auch die Bootsführer vom Königsssee bleiben übrigens nicht von der Kritik verschont“, so ergänzt Vera Thiel. Und erzählt, auch diese mussten sich schon häufig die Frage gefallen, ob sie es nicht mehr nötig hätten, am Sonntag zu öffnen. Ich wünschte mir, die verantwortlichen Politiker machen mal an einem Sonntag einen Ausflug zum Königsssee, nehmen ihre Schwiegermutter und erklären ihr, warum sie das Kettchen für die Enkelin nicht als Souvenir mitnehmen darf oder das Lichthäuschen für die Nachbarin, weil sie ihr die Blumen für die Zeit ihrer Abwesenheit gegossen hat“.

Immense Umsatzeinbußen 

Die haben es wohl nicht mehr nötig Sonntags zu öffnen“, so schallt es regelmäßig Sonntags über die Verkaufsmeile am Königssee. Franz Schön,der direkt über seinem Geschäft wohnt, weiß ein Lied davon zu singen. 

Und Vera ergänzt: „Durch die Verkaufsverbote an Sonn- und Feiertagen haben wir zwischen 50 und 60% Umsatzeinbußen, wir müssen ja auch daran denken, dass wir unsere Läden mal verpachten oder an unsere Kinder weitergeben. Wo ist da bitte der Anreiz für die Zukunft

Ich habe meinen Sonntagsjob dadurch verloren 

Petra Hartmann / Souvenirverkauf

Auch die Mitarbeiter sind über die neuen Regelungen nicht besonders glücklich. „Ich arbeite seit über 27 Jahren am Königssee und ich habe immer sehr gerne an Sonn- und Feiertagen gearbeitet“, erzählt Petra Hartmann. „Als mein Sohn noch kleiner war, war er an den Tagen immer bei seiner Oma und ich hatte dafür an den Wochentagen mehr Zeit für ihn. Mir sind die Wochenende eh viel zu voll am Berg oder im Schwimmbad. Durch die Sonntagsschichten konnte ich solche Dinge immer an Wochentagen mit ihm machen und wir haben diese Zeiten viel mehr genossen, wie viele andere Familien

Ich genieße meine Freizeit lieber an den Wochentagen. Auch mit den Freunden, einfach mal mitten in der Woche mit jemandem Frühstücken gehen können – das ist doch toll!“ Auch Petra Hartmann weiß ein Lied über die Touristen zu singen, die nicht wirklich Verständnis für die Verkaufsverbote aufbringen. „Wir müssen uns hier regelmäßig beschimpfen lassen“. 

Und Vera Thiel wirft ein: „Sätze wie ‚Die Königsseemeile schaut aus wie ein zerrupftes Huhn mit den ganzen weißen Bettlaken‘, gehört da noch zu den freundlichen Kommentaren“. Und Petra Hartmann ergänzt: „Und ganz ehrlich, es ist doch wirklich lächerlich, es gibt so viele Probleme auf dieser Welt. Wir versuchen hier nur unseren Job von April bis Ende Oktober zu machen. 

Rechnet man die ganzen Schlechtwettertage noch ab, dann ist die Saison in der wir unser Geld verdienen eh verdammt kurz. Warum werden uns dann noch so viele Steine in den Weg gelegt? Wir wollen arbeiten, dürfen aber nicht und wenn wir nicht genügend Geld verdienen liegen wir bloß der Wirtschaft auf der Tasche. Macht das Sinn?“

Am gleichen Tag fand übrigens das 53. Seefest am Königssee statt. Natürlich inklusive einem tollen Feuerwerk. 

Quelle: BGland24.de

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