Nach Chihuahua-Rettung am Jenner

Bergwacht: "Tierischer Notfall oft direkt mit menschlichem Schicksal verknüpft"

Schönau am Königssee - Eine nicht alltäglich Rettung hat die Bergwacht Berchtesgaden am Samstag (23. November) durchgeführt. Dem verletzten Patienten konnte von einer Tierärztin geholfen werden. Auch für sie ein ungewöhnlicher Einsatz.

Am frühen Samstagnachmittag wurde die Bergwacht Berchtesgaden zu einem schwer verletzten Chihuahua zum Stahlhaus am Jenner gerufen. Bei einer Rauferei mit einem anderen Hund wurde sein Auge herausgerissen und hing aus der Augenhöhle. "Letztlich hat es sich dramatischer angehört als es war", erklärt Tierärztin Christine Hartmann gegenüber BGLand24.de. "Das Auge war noch vollständig intakt."


Dennoch betont Hartmann genauso wie die Bergwacht Berchtesgaden: "Auf diesem Weg konnte dem Hund am schnellsten geholfen werden. Der Abstieg zu Fuß bis nach Hinterbrand hätte ohne Bergwacht-Auto wesentlich länger gedauert." Außerdem habe die Tierärztin den Hund bereits erstversorgt und der Bergwacht-Einsatzleiter gleich die Tierklinik in Anif informiert, so dass der Chihuahua noch am Samstag operiert werden konnte.

"Für mich war es mal was ganz anderes", berichtet Christine Hartmann, die sonst in Berchtesgaden praktiziert. "Man konnte auch nicht wissen, wie gravierend die Verletzungen waren, aber es war kein lebensbedrohlicher Zustand. Ich konnte dem Chihuahua einigermaßen helfen." Leider ist derzeit nicht bekannt, wie der kleine Patient die Rauferei überstanden hat.


Nach Chihuahua-Rettung am Jenner: "Einsätze mit Hunden polarisieren"

Für die Bergwacht ist aber klar: "Einsätze mit Hunden polarisieren die Öffentlichkeit, sind aber für uns nicht so einfach lösbar, da ein tierischer Notfall oft direkt mit einem menschlichen Schicksal verknüpft ist. Für viele ist der Hund ein Familienmitglied und sie würden ihn nie am Berg zurücklassen – solche Einsätze entwickeln ohne Hilfe der Bergwacht dann eine Eigendynamik, bei der sich Hundebesitzer selbst in große Gefahr begeben und in Bergnot geraten. Eine Tierrettung ist damit indirekt oder direkt auch immer eine Menschenrettung", betont der Leiter der Bergwacht-Lawinen- und Suchhundestaffel, Stefan Strecker. Die Bergwacht betreibt bei all ihren Einsätzen immer ein ausgewogenes Risiko-Management, so dass sich kein Mensch zur Tier-Rettung in konkrete Gefahr begeben muss.

In diesem Fall war die menschliche Gefahr nicht gegeben, aber die Rettung durch die Bergwacht eine Zeitfrage, die für den Besitzer allerdings auch Kosten bedeuten. Kosten für die Bergwacht, die Tierärztin und die Tierklinik, die erstmal die Besitzer tragen müssen.

cz

Quelle: BGland24.de

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