Schneibstein: War eine "Abkürzung" schuld?

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Im Bereich des Roten Kreises passierte der schreckliche Unfall.
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Schönau - Nach dem Bergdrama am Schneibstein bleibt die Frage, ob der Unfall, der laut einem User in einem "Gelände höchster Gefahrenstufe" passierte, vermieden hätte werden können.

Wie berichtet, war am Sonntag im Bereich des Schneibsteins ein 60-jähriger Niederländer plötzlich zusammengebrochen und in 2000 Metern Höhe rund 100 Meter abgestürzt. Der herbeigerufene Bergwacht-Notarzt konnte in dem unwegsamen Gelände nur noch seinen Tod feststellen. Er wurde letztlich von einem Polizeihubschrauber in Zusammenarbeit mit der Bergwacht geborgen. Die vier anderen Mitglieder der Gruppe wurden später dann vom Kriseninterventionsteam betreut.

Bei der Rettungsaktion war die Situation aber für die Bergwacht offenbar auch nicht ungefährlich. Jetzt hat sich nämlich ein User in unserer Redaktion gemeldet, der den Einsatz am Sonntagnachmittag von der gegenüberliegenden Bergseite beobachtet hat.

BGL24-User beobachtete Rettungsaktion

Der Bergwacht-Einsatz über dem Stahlhaus.

Die Wandergruppe des Users stieg nämlich genau zu dieser Zeit vom "Hohen Brett" ab und hatte während des Abstieges einen genauen Überblick über den ungewöhnlich langen Einsatz auf der gegenüberliegenden Seite des Schneibsteins. Dieser Wanderberg wäre üblicherweise über das Stahlhaus, von dort in süd-süd-östlicher Richtung, kinderleicht zu erreichen gewesen. Im konkreten Fall wurde laut des Users, einem bergerfahrenen Mann aus Salzburg, aber offenbar absichtlich eine extrem steile "Abkürzung" in eine Rinne vom Schneibsteinhaus über das Ruckkarl genommen. Gegen 13.50 Uhr hätte bereits der Hubschrauber in dem Gebiet gesucht. Es wurden mehrere Longline-(Seil-)Bergungen durchgeführt, wobei zahlreiche Bergwachtkräfte mit Geländewagen zum Stahlhaus zusammengezogen wurden. 

Unter dem Umstand, dass während des Einsatzes starker Föhnwind mit ca. 60 - 80 km/h und Kammturbulenzen herrschten, sei es bewundernswert gewesen, dass es der Pilot geschafft habe, zunächst einen Bergretter in der Rinne sicher abzusetzen. In der Folge wurden dort offenbar Personen bis etwa 15.45 Uhr gesucht und in die Nähe des Stahlhauses ausgeflogen. Die Leiche wurde auf einem abgelegenen Kamm unterhalb der Unfallstelle abgelegt, wo der Hubschrauber eine Landemöglichkeit hatte. Gegen 16.30 Uhr wurde schließlich der Tote per Hubschrauber von dem genannten Landeplatz geborgen und ins Tal geflogen. 

"Ein Gelände höchster Gefahrenstufe"

In solchen Fällen stellt sich natürlich immer auch die Frage, ob ein derartiger Zwischenfall nicht vermieden hätte werden können. Jeder Bergtote ist nämlich einer zuviel. Auch dazu hat unser User eine Meinung: "Es ist für einen geübten, im Umfeld der Berge aufgewachsenen Menschen unverständlich, wie sich Personen mit wenig Erfahrung oder Training in Situationen begeben, die sie mit Hilfe ihrer meist perfekten Ausrüstung zu bewältigen können glauben. Im konkreten Fall waren es nicht Wetterbedingungen oder Schnee und Eis, sondern einfach extrem steile Bedingungen mit jederzeit abrutschgefährdetem Kalkschotterbruch, die zum Unfall führten. Ob in diesem Bereich ein DAV-Klettersteig begangen hätte werden können, entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings haben sich diese Menschen in ein Gelände höchster Gefahrenstufe begeben, das selbst mit ortskundigem Bergführer und Seilsicherung selbst für erfahrene Bergsportler nur bedingt begehbar gewesen wäre."

redbgl24/mw/wr

Quelle: BGland24.de

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