Dreister Fall von Voyeurismus

Frau in Flammen: Gaffer behindern Retter

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Taufkirchen/München - Eine Rentnerin (80) steht Montagabend auf ihrem Balkon, aus ihrer Wohnung schlagen Flammen - sie greifen auf die Frau über, ihr Rücken brennt. Ein Gaffer verhielt sich bei der Rettung der Frau besonders dreist:

Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst sind erschüttert über das Verhalten einiger Schaulustiger bei einem Brand am Montagabend in Taufkirchen bei München. Diese versperrten den Rettern nicht nur den Weg und mussten laut merkur-online.de von der Polizei auf die andere Straßenseite verwiesen werden. Ein Schaulustiger verhielt sich laut merkur-online.de besonders dreist: Während sich Rettungskräfte um eine durch einen Brand schwerverletzte Frau kümmerten, hatte dieser nichts Besseres zu tun, als sich durch die Retter zu drängeln, um ein möglichst spektakuläres Bild der Frau zu machen!

Doch was war überhaupt geschehen?

Es war Montagabend, kurz nach 19 Uhr als der Alarm bei der Feuerwehr einging: Zimmerbrand, Person in Gefahr. Mit über 60 Einsatzkräften rückten Feuerwehren aus Taufkirchen und Unterhaching. In einer Wohnung einer 80-jährigen Frau im dritten Stock war ein offener Zimmerbrand ausgebrochen. Die Seniorin konnte sich noch auf den Balkon retten, doch dort saß sie in der Falle: Denn die Flammen bahnten sich gerade dorthin ihren Weg. Das Feuer griff auf sie über und ihr Rücken fing Feuer, so merkur-online.de.

Die Frau musste von der Feuerwehr Taufkirchen mittels Drehleiter geborgen werden. Nach einer Erstversorgung durch den Notarzt (hier drängelte sich der Schaulustige durch die Retter) wurde sie mit einem Hubschrauber in eine Münchner Spezialklinik für Schwerstbrandverletzte verlegt. Der Brand wurde von der Feuerwehr gelöscht. Die 3-Zimmer-Wohnung der 80-Jährigen wurde durch den Brand schwer beschädigt. Der Gesamtschaden wird auf ca. eine Million Euro geschätzt. Das zuständige Fachkommissariat hat vor Ort die Ermittlungen übernommen. Zur Brandursache kann bislang noch nichts gesagt werden. Die Ermittlungen hierzu dauern an.

Bilder vom Feuerwehreinsatz am Montagabend

Brand in Wohnung: Feuerwehreinsatz in Taufkirchen

Gaffer werden zunehmend ein Problem

Unterlassene Hilfeleistung aus Unsicherheit oder auch dreister Voyeurismus an Unfallstellen wird für Polizei und Rettungskräfte zunehmend zum Problem. Ein besonders schwerer Fall ereignete sich bei einem Unfall auf der A2 in Magdeburg, bei dem Schaulustige Unfallopfer einfach liegen ließen, ohne ihnen zu helfen.

Was kann die Polizei gegen Gaffer tun?

Gegen Gaffer im Allgemeinen kann die Polizei nichts unternehmen, so Frank Konrad, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Dies sei zwar moralisch und ethisch verwerflich, eine Gesetzesgrundlage zur Bestrafung dieser Gaffer gäbe es allerdings nicht, so Konrad weiter. Behindern Schaulustige die Rettungsmaßnahmen können gegen diese Platzverweise ausgesprochen werden und die Unfallstelle abgesperrt werden. Nur wenn ein uneinsichtiger Schaulustiger wiederholt den Platzverweis missachte oder die Zufahrt für die Rettungskräfte blockiere, könne im Einzelfall der Schaulustige in Gewahrsam genommen werden, so die Auskunft von Frank Konrad im Gespräch mit rosenheim24.de.

Tipps für Verhalten an der Unfallstelle

Kann ich als Ersthelfer für Fehler bestraft werden?

Der einzige Fehler, für den Unfallzeugen bestraft werden können, ist tatenlos zuzusehen und nicht wenigstens Rettungskräfte zu alarmieren: Für unterlassene Hilfeleistung sieht das Strafgesetzbuch eine Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Haft vor, erklärt Verkehrsjuristin Yasmin Domé vom Auto Club Europa (ACE). Sofern ein Ersthelfer nach bestem Wissen und Gewissen handelt, grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz also auszuschließen sind, hat er nichts zu befürchten - übrigens auch nicht wegen Sachbeschädigung, wenn er zum Beispiel ein Kleidungsstück eines Verletzten zerreißt. Entstehen dem Helfer Schäden, wie Blut auf der Kleidung, müssen dafür laut Domé Unfallverursacher, Opfer oder als letzte Instanz die gesetzliche Unfallversicherung aufkommen. Weitere Informationen für Ersthelfer finden Sie hier.

mh mit Material aus Pressemitteilung Polizeipräsidium München und dpa

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