War das bayerische Matheabitur heuer zu schwierig?

"Nicht angebracht, über das Niveau des Abiturs zu diskutieren"

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Landkreis - Am Freitag haben sich Zehntausende Schüler in ganz Bayern den Aufgaben des Matheabiturs gestellt. Doch bereits am Tag danach werden Vorwürfe laut, dass die Aufgaben unverhältnismäßig schwierig gewesen sind. Mit einer Petition wehren sich die Schüler nun.

Update, 18.30 Uhr - weitere Petitionen in anderen Bundesländern

Auch in anderen Bundesländern wehren sich Abiturienten nun gegen das Matheabitur, das heuer zu schwierig gewesen sein soll. Für Niedersachsen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern sind weitere Online-Petitionen gestartet worden. Nach Angaben der Deutschen Presseagentur haben diese bis zum Sonntagnachmittag mehr als 60.000 Mitstreiter unterstützt.

Unterdessen hat sich der bayerische Philologenverband zur Petition im Freistaat geäußert. Der BPV vertritt speziell Lehrkräfte an Gymnasien und beruflichen Oberschulen - und damit folglich auch jene, die die Matheprüfungen in den nächsten Tagen korrigieren.

"Wenn Schüler das Gefühl haben, ihre Abiturprüfung sei die schwerste, dann ist das zunächst verständlich und eine zutiefst menschliche Reaktion", erklärt der Vorsitzende Michael Schwägerl. "Sieht man sich aber die Ergebnisse der letzten Jahre an, erkennt man, dass sich die Durchschnitte nur um wenige Hundertstelnoten voneinander unterscheiden."

Folglich sei die Ansicht der Schüler, dass die Prüfungsanforderungen in den vergangenen Jahren immer wieder stark geschwankt hätten, nicht korrekt. "Es ist deswegen auch nicht angebracht, über das Niveau des Abiturs zu diskutieren", sagt er weiter. "Wir sind zurecht stolz auf den hohen Anspruch des bayerischen Abiturs. Warten wir doch erst mal die Ergebnisse ab."

Update, 5. Mai, 17 Uhr - Kultusminister äußert sich

Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hat sich am Sonntag gegenüber unserem Partnerportal merkur.de zu den zu schwierigen Abiturprüfungen wie folgt geäußert:

"Wir nehmen die Hinweise der Schüler zum Schwierigkeitsgrad der Abituraufgaben im Fach Mathematik ernst und werden die Aufgaben sorgfältig prüfen. Dabei beziehen wir unsere Experten an den Schulen und den Dienststellen der Ministerialbeauftragten mit ein. Bereits am Montag werden wir damit beginnen."

Zudem hat ein Ministeriumsvertreter gegenüber dem Münchener Merkur erklärt, dass die Aufgaben für das Abitur stets aus einem Aufgabenpool entnommen würden, aus dem auch die anderen Bundesländer ihre Abiturklausuren zusammensetzen. Nur so ließe sich eine Vergleichbarkeit und Fairness zwischen allen Ländern erreichen.

Unterdessen haben die gestartete Petition mittlerweile über 45.000 Befürworter unterschrieben (Stand: 5. Mai, 17 Uhr). Das nächste Ziel der Schüler - 50.000 Unterstützer zu finden - scheint damit in greifbare Nähe zu rücken.

Vorbericht

Vor dem Matheabitur zittern wohl viele Schüler. Doch in diesem Jahr soll die Abschlussprüfung in Bayern am vergangenen Freitag, dem 3. Mai, besonders schwierig gewesen sein. Aus diesem Grund ist nun eine Petition gestartet worden.

"Mathe zählt zu meinem besten Fach", schreibt ein Schüler aus Rimsting unserer Redaktion. Jedoch: "Für das Matheabitur bekommt jeder Schüler, der die Prüfung mit Hilfsmittel schreibt, genau vier Stunden Zeit. Ich selbst habe jedes Abitur von 2011 bis 2018 für die Vorbereitung bearbeitet und dabei im Schnitt zweieinhalb Stunden für beide Aufgabenteile gebraucht. Gestern waren die Aufgaben aber so schwer, dass selbst ich, dem Mathe sehr leicht fällt, die Zeit bis zum Schluss gebraucht habe."

Am Samstag - einen Tag nach der Prüfung - ist daher auch eine Petition ins Leben gerufen worden. "In den vergangenen Jahren sank das Leistungsniveau der Abiturprüfungen in Mathematik. 2016 war es anspruchsvoll, 2017 war es machbar, 2018 war es nahezu leicht und 2019 enthielt es plötzlich Aufgabenstellungen, die vorher kaum einer gesehen hatte. Vor allem der Geometrie-B-Teil und der Stochastik-B-Teil waren so schwer, wie in keiner der vergangenen Abiturprüfungen", heißt es dort. "Wir Abiturienten bitten darum, den Notenschlüssel des Mathematikabiturs in Bayern 2019 zu senken und den Schwierigkeitsgrad anzupassen. 2016 gab es diesen Fall in Niedersachsen ebenfalls und der Notenschlüssel wurde angepasst."

Fast 22.000 Schüler haben innerhalb weniger Stunden unterschrieben (Stand: 4. Mai, 16.15 Uhr). Nahezu im Minutentakt kommen weitere Unterschriften hinzu. Ziel sind 25.000 Unterschriften, die sich an das Kultusministerium Bayern richten. Eine Stellungnahme des Kultusministeriums zu der Petition steht noch aus.

"Gerade für schlechtere Schüler, die um den magischen einen Punkt bangen, war die Prüfung gestern sicherlich nicht vorteilhaft", schreibt der Schüler aus Rimsting unserer Redaktion. "Meiner Meinung nach ist es einfach nicht gerecht, dass mittlerweile die Abiturnote vom Prüfungsjahr abhängig ist."

Nicht nur betroffene Schüler, auch Eltern und Lehrer haben die Petition unterzeichnet. Als einer der Hauptgründe für die wechselnden Niveaus bei den Abiturprüfungen wird auch das Hin und Her im bayerischen Kultuswesen angeführt. Nach der beschlossenen Rückkehr zum G9-System seien die verbleibenden G8-Jahrgänge die leidtragenden, heißt es. Sie müssten mit dem verkürzten Stoff klar kommen und haben weniger Zeit, denn die Lehrpläne werden bereits wieder auf G9 angepasst.

Die Abkürzungen G8 und G9 stehen für die zeitliche Organisation der gymnasialen Schulzeit, heißt es beim Kultusministerium. Bei G8 wird das Abitur nach zwölf Schuljahren absolviert, bei G9 nach 13 Schuljahren.

ksl

Rubriklistenbild: © Montage (picture alliance/dpa)

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