Vier Ortschaften saufen in "Superzelle" regelrecht ab

So wütete das Unwetter im Tierpark Hellabrunn - 250 Einsätze in München und im Oberland

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In Riegsee stand ein Bauernhof samt Melkstand unter Wasser.

Landkreis/Oberbayern - Im Gegensatz zum vergangenen Sonntag kam unsere Region in Sachen Gewitter glimpflich davon. Ganz anders sah es am Donnerstagabend und in der Nacht auf Freitag jedoch weiter westlich in Oberbayern und in der Landeshauptstadt aus:

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE:

  • Schweres Gewitter am Donnerstagabend in Oberbayern
  • Bayerisches Oberland und München besonders betroffen
  • über 250 Einsätze für Feuerwehr
  • Überflutete Straßen, umgestürzte Bäume, vollgelaufene Keller

Update, 14.10 Uhr - Entwurzelte Bäume im Tierpark

Wie bereits berichtet, wurde auch der Tierpark Hellabrunn ziemlich heftig vom Unwetter erwischt. Viele Bäume wurden entwurzelt und stürzten um. Nun gab der Zoo die gute Nachricht bekannt: Alle Tiere und Mitarbeiter haben das Gewitter glücklicherweise unbeschadet überstanden.

Allerdings bleibt der Tierpark am Freitag komplett geschlossen. Derzeit laufen die Aufräumarbeiten. Mitarbeiter kümmern sich um die heruntergebrochenen Äste und Baumteile. Am Samstag will der Zoo den Betrieb wieder regulär aufnehmen.

Update, 11.25 Uhr - Rund 50 Einsätze in München

Am Donnerstagabend musste ab etwa 19 Uhr auch die Münchner Feuerwehr rund 50 Einsätze wegen des Unwetters leisten - vor allem im südlichen Teil der Landeshauptstadt. Im Bereich Tierparkstraße mussten mehrere Straßen vorübergehend wegen abgeknickter Äste und umgestürzter Bäume gesperrt werden. Teilweise wurden dort geparkte Autos von herabfallenden Ästen beschädigt.

"Nass" wurde es auch in der Schönstraße: Dort trat der Mühlbach über die Ufer und überschwemmte eine Kleingartenanlage. Nach Angaben der Feuerwehr wurde dabei ein älterer Herr von den Wassermassen in seiner Hütte überrascht und alarmierte deswegen die Floriansjünger. Die Einsatzkräfte beruhigten den hilflosen Mann und begleiteten ihn durch das zirka 40 Zentimeter hohe Wasser ans sichere, trockene Ufer. 

Update, 10.38 Uhr - Tierpark Hellabrunn am Freitag geschlossen

Dass das Unwetter auch in der Landeshauptstadt München ordentlich "zugeschlagen" hat, beweist der Fakt, dass der Tierpark Hellabrunn am Freitag, 3. Juli, ganztägig geschlossen bleibt. "Wegen Beseitigung von Sturm- und Hagelschäden", hieß es auf der Website des Münchner Zoos, der derzeit ohnehin sehr stark mit den Auswirkungen der Coronakrise zu kämpfen hat.

Update, 9.25 Uhr - "Monsunartiger Gewitterregen" über Holzkirchen

Auch der Raum Holzkirchen war von dem Unwetter stark betroffen. Deswegen musste unter anderem auch die B318 bei Holzkirchen wegen Überflutung gesperrt werden. In Richtung Tegernsee war die dortige Bahnunterführung vollgelaufen. Zwei Fahrzeuge kamen dort zum Stehen und mussten geborgen werden. Der Verkehr wurde während der Sperre über das Gewerbegebiet Holzkirchen umgeleitet.

Im Ortsbereich von Holzkirchen liefen darüber hinaus mehrere Keller voll. Zudem liefen auch einige Keller in einem Gewerbegebiet bei Warngau voll. Die Feuerwehren aus Holzkirchen, Warngau, Föching, Hartpenning und Otterfing waren mit rund 60 Aktiven im Einsatz. Die Rede war von einem "halbstündigen, monsunartigen Gewitterregen".

Update, 8.30 Uhr - "Superzelle" lässt vier Ortschaften absaufen

Das Unwetter am späten Donnerstagnachmittag hat gleich in vier Gemeinden im nördlichen Teil des Landkreises Garmisch-Partenkirchen für Chaos gesorgt. Rund um Murnau ließ eine "Superzelle" nach Informationen von vor Ort einige Gegenden regelrecht "absaufen". Hauptverbindungsstraßen standen bis zu einem halben Meter unter Wasser. Unzählige Keller liefen voll. Zwischen Hofheim und Murnau wurden am Straßenrand gleich vier große Birken hintereinander entwurzelt und stürzten um.

Der Hagel, der eine Korngröße von bis zu drei Zentimetern hatte, verstopfte zahlreiche Gullys. Deswegen lief das Wasser durch Gärten und Höfe in Keller von vielen Wohnhäusern. Das Unwetter hinterließ letztlich eine regelrechte Schneise der Verwüstung in den Ortschaften Murnau, Aidling, Riegsee und Froschhausen. Einsatzkräfte aus dem ganzen Landkreis wurden zusammengezogen, um der Lage Herr zu werden.

Schwere Unwetter im Landkreis Garmisch-Partenkirchen

 © Dominik Bartl
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Update, 7.55 Uhr - Auch München von Unwetter getroffen

Auch München wurde vom Gewitter zum Teil recht heftig erwischt. Wie unser Partnerportal tz.de meldete, wurde am Donnerstagabend für mehrere Stadtteile der Katastrophen-Warndienst KATWARN ausgelöst. In den Stadtteilen Untergiesing und Sendling wurden mehrere entwurzelte Bäume gemeldet.

Zudem zeigt ein Video aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen die Schwere des Unwetters. Dort hat ein Autofahrer den Hagel und den Starkregen östlich des Starnberger Sees auf dem Weg von Königsdorf nach Beuerberg gefilmt.

Die Erstmeldung:

Alleine im bayerischen Oberland gab es laut der zuständigen Integrierten Leitstelle (ILS) bis in die Abendstunden bereits weit über 200 Einsätze der Feuerwehr und anderer Rettungskräfte. Besonders betroffen waren die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen. Gemeldet wurden vor allem überflutete Unterführungen, entwurzelte Bäume oder vollgelaufene Keller. In Holzkirchen (Landkreis Miesbach) wurde in der Nähe der dortigen Geothermie die Bundesstraße 318 überflutet. Der gesamte nördliche Landkreis Miesbach war übrigens ein weiterer Einsatzschwerpunkt.

So war die Weilheimer Feuerwehr zum Beispiel teilweise an fünf Einsatzstellen gleichzeitig gefordert. Zudem waren deren Floriansjünger auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen mit einer großen Pumpe im Einsatz, um in Riegsee mit einer leistungsfähigen Hochwasserpumpe (9000 Liter/Minute) einen Stall samt Melkstand freizupumpen. "Gemeinsam mit den Feuerwehren Riegsee, Eschenlohe und Spatzenhausen sind wir auf die nächsten Stunden dort im Einsatz", schrieben die Feuerwehrler noch in der Nacht auf ihrer Facebook-Seite.

Nach Informationen unseres Partnerportals merkur.de fiel mancherorts so viel Regen, dass dieser sogar oberirdisch in die Häuser eindrang. Verletzt wurde nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd jedoch glücklicherweise wohl niemand. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte vorab bereits vor schweren Gewittern in Südbayern gewarnt, die bis in die Nacht anhalten sollten. Die Rede war von Starkregen, Hagel und Sturmböen bis zu 100 km/h.

Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gab es darüber hinaus am Riegsee eine große Suchaktion. Gemeldet worden waren vermisste Personen und ein vollgelaufenes Boot. Wie der zuständige Ortsverband des Bayerischen Roten Kreuzes hinterher bekannt gab, fanden die Retter am Ende sieben Stand-Up-Paddle-Boards, Surfbretter und auch das gemeldete Boot. Alle Vehikel hatten sich wegen des Sturms am Ufer "selbstständig" gemacht und waren auf den See hinaus getrieben worden. Personen kamen nicht zu Schaden.

mw

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