Feuerwehrfrauen aus Schwindegg/Schwindkirchen im Mittelpunkt

Wie sexy ist zu sexy? Kalender aus Region wird heiß debattiert

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Die Feuerwehrfrauen der Wehren Schwindkirchen und Schwindegg organisieren seit 2015 einen gemeinsamen Kalender

Schwindegg/ Schwindkirchen - Mit dem neuen Feuerwehrfrauen-Kalender haben die weiblichen Feuerwehrleute der Region für ordentlich Gesprächsstoff gesorgt. Die einen lieben ihn, die anderen kritisieren, er sei zu sexy. 

Es gibt Berufe, die gelten auch im Jahr 2020 noch als absolute "Männerdomänen". Egal ob Soldat, Handwerker oder Feuerwehrler - Frauen sind in diesen Jobs quantitativ immer noch unterrepräsentiert, fühlen sich oft nicht willkommen und nicht ernst genommen. 

Um die Frauen innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr zu vertreten, brachten die Wehren Schwindegg und Schwindkirchen am 3. Dezember den dritten jährlichen Feuerwehrfrauen-Kalender heraus. Darin zeigen sich die Mitglieder in schwarzen Tanktops. Mit dunkelrot geschminkten Lippen räkeln sie sich im Löschschaum. 

Auch die Rettungsgasse will geübt sein.

Aber auch andere, nicht sexualisierte Bilder sind in dem Kalender. Fotos, auf denen die Feuerwehrlerinnen in voller Montur eine Rettungsgasse nachstellen zum Beispiel.

Weil nur etwa neun Prozent aller Feuerwehrler in Deutschland weiblich sind, sieht Marianne Westenthanner, Mitorganisatorin des Kalenders, dringenden Bedarf, "Frauen in der Feuerwehr sichtbarer zu machen", erklärt sie innsalzach24.de gegenüber.

Gerade bei Männern kommt der Kalender an

Unter den Lesern von innsalzach24.de hingegen gehen die Meinungen zu dem Kalender auseinander. Auf der einen Seite hat er viele Befürworter. Ein Kommentator schreibt unter dem Artikel: "Ich finds gut. Die Feuerwehr ist absolut wichtig. Da ist es egal, ob Mädl oder Bua." 

"Das einzige, das ich vielleicht bemängeln könnte, wäre die Wahl des Make-ups, insbesondere der Lippenstift...Aber ich bin ja auch nur ein Mann... Sonst ist das doch eine schöne Idee... mit hübschen Frauen", kommentiert ein User bei Facebook. "Voi geil, könnt euch ruhig zeigen, Mädels. Ihr macht ne tolle Arbeit", schreibt ein Anderer.

Es ist erwähnenswert, dass sich unter den Kommentatoren, die den Kalender befürworten, beinahe ausschließlich Männer befinden. Nur eine Userin unterstützt die Fotos und weist darauf hin, dass es ja auch einen Jungbäuerinnen-Kalender gebe, der keinen Anstoß finde. 

Fotos zu sexy für Feuerwehr?

Auf der anderen Seite sind einige Leser kritisch, ob der Kalender der richtige Weg ist, Feminismus und Gleichberechtigung voran zu bringen. Eine Userin findet klare Worte für ihre Kritik: "Frauen in der Feuerwehr mit Lippenstift und ausgeschnittenem Décolleté sichtbarer zu machen, ist natürlich sehr einfallsreich, aber es ist fraglich, ob so die richtige Zielgruppe angesprochen wird. Eine Frau wird, wenn sie sich auf diese Art und Weise zeigt, nie in der Männerdomäne Feuerwehr ernst genommen. Sorry - dislike."

Die Reaktion auf ihren Kommentar folgt prompt. Ein Leser weist daraufhin, dass es durchaus auch Kalender mit halbnackten männlichen Feuerwehrleuten gibt, daher sei das Ganze nur gerecht. 

Auch männliche Kalender auf dem Markt

Doch kann man beides vergleichen? Die in der Tat zahlreichen (männlichen) Feuerwehrkalender sind weder dafür gedacht, ein politisches Statement zu setzen, noch auf eine unterrepräsentierte Gruppe im Berufszweig aufmerksam zu machen. Ob man sie schön findet oder nicht ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, doch obwohl sie den männlichen Körper objektifizieren, wird keine Gruppierung mit einer Unterdrückungsgeschichte auf ihre körperlichen Attribute reduziert.

Das Cover des Kalenders zeigt die Frauen in voller Montur.

Anders bei den Frauen. Auch hier kann man sich über Geschmack streiten. Der Kalender der Feuerwehrfrauen aus Schwindegg und Schwindkirchen hat auf jeden Fall für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Weil sich aber nur auf das eine Foto, in dem sie sich sexy im Löschschaum räkeln, konzentriert wird, geht ein wenig der Message verloren. Denn in den meisten anderen Fotos sind die Frauen dynamisch, seriös und cool abgelichtet. Es bleibt zu hoffen, dass auch diese Bilder in Erinnerung bleiben. 

jv

Quelle: innsalzach24.de

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