Seehofer sucht den Bundeskanzler - unter Gymnasiasten

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Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (M/CSU) kniet am Dienstag für ein Gruppenbild mit Schülern der Bertolt-Brecht-Realschule aus Augsburg (Schwaben) im Kuppelsaal der Staatskanzlei in München.

München - Wie findet die CSU einen Kandidaten für das Amt des Bundeskanzlers? Ministerpräsident Horst Seehofer hat am Dienstag den nächsten Kanzler unter Gymnasiasten gesucht.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat Schwierigkeiten bei der Sichtung politischer Nachwuchstalente: “Wer will Bundeskanzler werden?“, fragt Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Dienstag vorsorglich eine Runde von Zehntklässlern aus dem Hanns-Seidel Gymnasium in Hösbach. “Oder bayerischer Ministerpräsident?“. Doch kein Interessent meldet sich. Politiker ist kein Traumjob. 300 Schüler sind in die Staatskanzlei gekommen, wo ihnen Seehofer und der Großteil des Kabinetts vor allem eine Botschaft nahebringen wollen: Politiker sind auch Menschen.

Alljährlich laden die Staatskanzlei und die Ministerien Schulklassen aus ganz Bayern zum “Lernort Staatsregierung“ in München ein. Die Jugendlichen besuchen zuerst einzelne Ministerien, bevor sie in der Staatskanzlei die Politiker treffen - die meisten zum allerersten Mal in ihrem Leben. “Das Durchschnittsalter der hier Anwesenden ist deutlich jünger als sonst bei Veranstaltungen hier“, stellt Seehofer bei seiner Ansprache fest, bevor er die dramatischen Veränderungen in der bayerischen Landespolitik erklärt: “Wir sind ja seit wenigen Monaten eine Demokratie in Bayern und haben eine Koalition mit der FDP.“

Seinen Staatskanzleichef Siegfried Schneider (CSU) stellt Seehofer vor als denjenigen, “der die Arbeit macht in der Staatskanzlei“. Doch die Hauptbotschaft des 60 Jahre alten Regierungschefs an die bayerische Jugend: “Glauben Sie's mir: Politiker sind Menschen wie Sie auch. Wir wollen lachen, wir wollen uns entspannen.“

Die Schüler sind schüchtern - als der hünenhafte Seehofer sich für gemeinsame Fotos aufbaut, rücken manche Jugendliche verlegen von ihm ab. Doch trotzdem gefällt vielen Schülern der “Lernort Staatsregierung“. “Wir waren vorher im Finanzministerium“, berichtet ein Schüler der 10. Klasse des Gymnasiums in Gars am Inn. “Wir hatten uns vorher den Länderfinanzausgleich als Thema ausgesucht und den hat uns ein Mitarbeiter erklärt.“ In der Staatskanzlei plaudert auch Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) mit den Gymnasiasten. Seehofers Wunsch geht in Erfüllung: “Der hat einen ganz sympathischen Eindruck gemacht“, sagen die Teenager anschließend über Fahrenschon.

Ohnehin gestehen auch mehrere Kabinettsmitglieder, dass ihnen in ihrer Jugend alle möglichen Berufswünsche vorschwebten - bloß nicht Politiker. “Ich wollte Pfarrer oder Förster werden“, berichtet Agrarminister Helmut Brunner (CSU). Seehofer selbst gesteht im Gespräch mit Journalisten, dass er “viele Jahre ein zweifelhafter Schüler“ gewesen sei. “Aber am Schluss war ich der Beste“, sagt er.

Von Carsten Hoefer

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