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"Sehen" mit dem geistigen Auge

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Landesgartenschau intensiv: Der taubblinde Thomas John zusammenmit Helferin Susanne Günther-Wick vom Fachdienst "Integration Taubblinder Menschen" beim Ertasten und Erschnuppern von Blumen.

Rosenheim - Die Landesgartenschau ist ein Augenschmaus, heißt es oft. Rein wissenschaftlich gesehen stimmt das, denn die Besucher erfassen die Schönheit des Blütenmeers zu 80 Prozent mit ihrem Sehsinn.

Was also bleibt von den Eindrücken, wenn dieser Sinn seinen Dienst versagt? Vieles, lautet die Antwort der blinden Gäste, die an einer der Führungen des Bayerischen Blindenbundes auf der LGS teilnehmen.

Thomas John ist ein leidenschaftlicher "Gartler". Jede freie Minute verbringt der 52-Jährige bei seinen Beeten, hegt und pflegt seine Pflanzen. Eigentlich nichts ungewöhnliches, denn dieses Hobby teilt er mit vielen Menschen. Aber John besitzt nur noch knapp sieben Prozent seiner Sehkraft und ist außerdem taub. Trotzdem liebt er die Natur über alles. Mit einer Gruppe von anderen blinden, stark sehbehinderten und teilweise auch tauben Menschen besuchte er darum die Blumenschau in Rosenheim.

LGS-Special

John ist nicht von Geburt an so stark sehbehindert. "Ich kann auf meine Erinnerungen zurückgreifen, um mir ein Bild von den schönen Blumen zu machen", erzählt er. Sehen kann er sie mittlerweile fast überhaupt nicht mehr. Nur noch dunkle und helle Farbtöne ist er in der Lage, voneinander zu unterscheiden.

Trotzdem spricht John wie viele andere Teilnehmer der Blindenführung immer wieder davon, dass er Blumen und Gewächse "sehen" will. "Natürlich mache ich mir ein Bild von meiner Umwelt", so der Naturliebhaber. Für das "Sehen" seien bei ihm eben Hände und Nase zuständig: "Ich glaube nicht, dass ich besser fühle oder rieche wie die Nichtbehinderten. Aber ich habe gelernt, mich nur noch auf diese beiden Sinne zu verlassen."

Vorsichtig nimmt John bei seinem Spaziergang über das Gartenschaugelände einzelne Knospen, Blätter und Blüten in die Hände, ertastet und erschnuppert sie. Oftmals breitet sich dabei ein glückliches Lächeln auf seinem Gesicht aus.

Die meisten Blumen und Gewächse erkennt er innerhalb kürzester Zeit. Es scheint so, als gibt es kaum eine Pflanze, die er nicht bei ihrem richtigen Namen nennen kann. Dazu fallen ihm meist gleich noch einige Pflegetipps ein.

Dieses große Wissen fasziniert auch Johns Begleitung. Die 42-jährige Susanne Günther-Wick arbeitet beim Fachdienst "Integration Taubblinder Menschen" und betreut immer wieder taubblinde Menschen bei Ausflügen. "Dadurch lernt man auch als sehender und hörender Mensch, die Welt auf ganz andere Weise wahrzunehmen", sagt sie. Ihr käme es so vor, als würden die sehenden Menschen oftmals fast schon zu zügig an der Blumenvielfalt der Landesgartenschau vorbeischreiten. "Einzelne Details nehmen viele Besucher kaum noch wahr", vermutet sie.

Bei den taubblinden Menschen sei das anders. Sie würden jeden intensiven Kontakt mit einer Blume genießen, sie mit den verbliebenen Sinnen ganz genau erfassen und sich dann von den Informationen ein geistiges Bild machen.

"Es ist ein völlig anderes Erleben", meint auch Peter Bleymaier vom Bayerischen Blindenbund. Von seiner ursprünglichen Sehkraft ist fast nichts mehr übrig. "Ich kann nur noch ganz grobe Schemen wahrnehmen", erzählt er. Trotzdem genießt auch er den Nachmittag auf der Rosenheimer Landesgartenschau. Ganz genau weiß er immer, wenn er einem Gewässer nahe kommt. "Das rieche ich. Jeder Fluss hat seinen ganz besonderen Duft", erklärt er. Überhaupt sei die gesamte Blumenschau ein großer Genuss für die Nase.

Besonders begeistert war er neben dem Bergmodell des Blindenbundes auch über das Gartenprojekt der Freien Waldorfschule Rosenheim. Die Schüler haben im Mangfallpark Nord einen Garten speziell für blinde und sehbehinderte Menschen erschaffen. Die Besucher können sich an einer halb hohen Außenmauer entlang tasten und dabei verschiedenste duftende Kräuter mittels Tast- und Riechsinn wahrnehmen.

wu/Oberbayerisches Volksblatt

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