Daxenbergers Frau zu Grabe getragen

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Sie starben im Abstand von drei Tagen: Am Sonntag verlor Gertarud Daxenberger den Kampf gegen den Krebs, am Mittwoch dann ihr Mann Sepp

Waging/Traunstein - Gertraud Daxenberger wurde am Nachmittag in Waging beigesetzt. Wenige Stunden zuvor war auch ihr Mann, der Grünen-Politiker Sepp Daxenberger, gestorben. **NEU: Video-Interview mit Herbert Häusl und Hermann Steinmaßl**

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Grünen-Fraktionsvorsitzende Margarete Bause bestätigte am Mittwoch einen Bericht des Bayerischen Rundfunks: Sepp Daxenberger war in der Nacht im Krankenhaus von Traunstein im Alter von 48 Jahren seinem Krebsleiden erlegen.  In der Grünen-Fraktion ebenso wie in der ganzen Partei herrsche tiefe Betroffenheit. Daxenberger starb wenige Stunden vor der Beerdigung seiner Frau Gertraud, die erst drei Tage zuvor ebenfalls an Krebs gestorben war.

Daxenbergers Frau beigesetzt

Wie geplant wurde am Mittwochnachmittag Gertraud Daxenberger in Waging beigesetzt. Der Ort nahm großen Anteil. Sepp Daxenberger wird dann am Samstag um 10 Uhr in Waging beerdigt. Pater Paulo Kunrath aus Brasilien wird die Trauerfeier leiten.

Beisetzung von Gertraud Daxenberger

Gertraud und Sepp Daxenberger hinterlassen drei Söhne: Felix (20), Kilian (17) und Benedikt (12).

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Der frühere Landtags-Fraktionschef war 2003 erkrankt, in den vergangenen Monaten hatte sich sein Zustand rapide verschlechtert. Er war in der letzten Phase seiner Erkrankung auch nicht mehr ansprechbar und lag auf der Palliativstation des Traunsteiner Krankenhauses. “Es war kein Kontakt und kein Besuch mehr möglich“, sagte Bause. “Es ist entsetzlich.“ Daxenberger soll am Samstag auf dem Friedhof von Waging beigesetzt werden. Die Grünen wollen außerdem zwei Kondolenzbücher im Landtag und in der Münchner Landesgeschäftsstelle auslegen.

Mit der Familie und Freunden trauern politische Weggefährten und die ganze Region um das verschiedene Ehepaar. Besonders groß ist die Trauer in Waging, wo Daxenberger als erster, grüner Bürgermeister Bayerns zwölf Jahre die Gemeinde leitete.

Video: Wagings Bürgermeister Herbert Häusl und Traunsteins Landrat Hermann Steinmaßl über den tragischen Tod von Sepp und Gertraud Daxenberger:

Der Waginger Bürgermeister Herbert Häusl ist tief betroffen: „Ich habe viele Jahre als zweiter Bürgermeister mit dem Sepp zusammengearbeitet, da entsteht auch eine Freundschaft - mich hat die Nachricht sehr erschüttert. Ich habe gewusst, dass es ihm sehr schlecht geht – aber er hat sich immer wieder aufgerappelt, ich dachte er schafft es wieder.“

Auch im Trachtenverein "D'Mühlberger" aus Waging hinterlässt Daxenberger eine große Lücke, wie uns Mitglied Josef Göpperl an Rande der Beerdigung berichtet. Zum 100-jährigen Jubiläum des Vereins 2005 war Daxenberger der Schirmherr. "Sepp war auch beim Goaßlschnalzen und Preisschnalzen stets mit Freude dabei", erinnert sich Göpperl. "In Waging herrscht totale Niedergeschlagenheit, Sepp war sehr beliebt."

Ein Kämpfer mit Herz

„Am Anfang haben haben alle geglaubt, dass sich die grünen Ideen beim Sepp wieder legen – aber er ist seinen Idealen immer treu geblieben“ erinnert sich ein Freund von Sepp Daxenberger im Gespräch mit chiemgau24. “Er hat ordentlich ausgeteilt und eingesteckt – aber immer fair. Sepp hatte für alle ein offenes Ohr: Als ich einmal mit ihm über den Waginger Christkindlmarkt gegangen bin, sind wir kaum weitergekommen. Egal ob Jung oder Alt, alle wollten mit ihm reden. Im größten Trubel war er immer freundlich und hörte den Menschen zu.“ Ausgleich von der Politik fand Daxenberger im Fußball und seiner Bio-Landwirtschaft. Im Tor machte er eine gute Figur, der Spitzname „die Katze von Waging“ ist hängen geblieben. „Der Sepp war ein echter Kämpfer, aber immer mit Herzlichkeit.“ berichtet der Freund. Auch gegen den Krebs hat Sepp Daxenberger bis zuletzt tapfer gekämpft. „Mich hat die Nachricht von seinem Tod sehr getroffen. Das ist nur eine persönliche Vermutung, aber ich glaube mit seiner Gertraud ist auch sein Lebensmut gegangen.“

Sepp Daxenberger: Seine Karriere in Bildern

Sepp Daxenberger: Seine Karriere in Bildern

“Wir sind alle tief betroffen“, sagte die stellvertretende Fraktionssprecherin Beate Kellermann. Der Biobauer und erste grüne Bürgermeister in Bayern kämpfte seit sieben Jahren gegen den Krebs. Im Juni war er deshalb vom Fraktionsvorsitz zurückgetreten. Die letzte Therapie war “sehr schmerzhaft, sehr anstrengend, aber nicht erfolgreich, zumindest nicht von Dauer“, sagte er damals. “Ich habe die letzten Monate oft ein sehr schlechtes Gewissen gehabt“ - weil er viele Termine nicht mehr wahrnehmen konnte. “Das hat dazu geführt, zu sagen: Ich trete zurück.“

Ein Kämpfer gibt nicht auf

Die Liste der Erfolge von Sepp Daxenberger ist lang: erster grüner Bürgermeister in Bayern, erster grüner Landeschef, Fraktionsvorsitzender im Landtag. Der dreifache Familienvater war gelernter Landwirt und Schmied. Einer, der meint was er sagt und lebt, wofür er steht. Nach der Krebsdiagnose Ende 2003 und Chemotherapien schien die Krankheit im Griff. Im Jahr 2006 erlitt der grüne Vorzeige-Politiker dann einen Rückfall. In Interviews betonte Daxenberger stets, wie wichtig ihm die Politik ist. Die Arbeit gebe ihm Selbstbestätigung und Selbstvertrauen und sei – ­neben seiner Familie – der Grund, nicht aufzugeben.

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