25-jähriger Schönauer angeklagt

Sexueller Übergriff beim Buttnmandl-Lauf? Urteil gefallen

+
Foto des Angeklagten vom ersten Prozess in Laufen. Dort wurde der Schönauer wegen sexueller Nötigung schuldig gesprochen, doch der Einspruch gegen das Urteil hatte Erfolg. Nun wird vor dem Landgericht in Traunstein verhandelt. 
  • schließen

Traunstein/Berchtesgaden - Eine Erzieherin wurde beim Buttnmandllauf umgestoßen und bis unter die Unterwäsche betatscht - ein Schönauer wurde nun der sexuellen Nötigung schuldig gesprochen. 

UPDATE, 17.15 Uhr: Das Urteil

Die Richterin verkündet das Urteil: Die Berufung ist verworfen - damit gilt wieder das Urteil des Amtsgerichts Laufen, nach dem der 25-jährige Schönauer schuldig der sexuellen Nötigung ist: neun Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung.

"Sie hatten gehofft, nicht als Täter identifizierbar zu sein. Wir sind aber sicher, dass sie die Person waren, die auf der Geschädigten gesessen ist und die sexuellen Übergriffe durchgeführt hat", so die Richterin. Ein Mitglied der Buttnmandl hatte den Angeklagten gegenüber der Polizei identifiziert. Die Richterin stellt aber auch klar: "Das war keine Vergewaltigung oder ein massiver Übergriff mit Verletzungen." Außerdem spricht sie von einem minderschweren Fall, weil es bei dem Brauchtum öfters zu kleineren Grenzüberschreitungen kommen könne. 

Das Gericht sieht es damit als erwiesen an, dass der Schönauer als Mitglied einer Buttnmandl-Pass im Dezember 2016 beim Besuch eines Kinderheims eine der Erzieherinnen sexuell nötigte. Vorgeworfen wird ihm, dass er der jungen Frau einen Zungenkuss geben wollte und sie unter dem BH an der Brust begrapschte, als er auf ihr saß. 

UPDATE, 17 Uhr: Die letzten Zeugen und die Plädoyers

"Ich war schockiert", sagt nun der Partner der Geschädigten Erzieherin aus. Er habe zumindest gesehen, wie das Buttnmandl versuchte, seine Freundin zu küssen und aufdringlich war. Dann habe er sich aber zuerst um die Kinder gekümmert ("sie sollten das nicht sehen"), nicht um seine Freundin. Er berichtet auch, wie ihm seine Partnerin zuhause die schwarzen, rußigen Flecken im Brustbereich zeigte. Ob es der Angeklagte war, kann er nicht sagen. 

Auch der stellvertretende Leiter des Kinderheimes sagte vor dem Landgericht noch als Zeuge aus: "Schnaps haben die beiden Frauen sicher nicht verteilt, weil wir ein Kinderheim sind." Prinzipiell steht der gebürtige Franke dem Ganzen aber skeptisch gegenüber: "Ich finde dieses Brauchtum komisch. Es scheint ja üblich zu sein, dass Frauen da verdroschen werden und das über sich ergehen lassen."

Angeklagter vom Prozess schwer gezeichnet

Bevor es an die Plädoyers geht verliest die Verteidiger noch einen Brief des 25-jährigen Schönauers: "Ich habe seit der Verhandlung kein Auge mehr zugetan." Auch er betont, dass er wegen dem starken Schwitzen nicht mehr schwarz im Gesicht gewesen sei: "Man hätte mich erkennen müssen. Allein deshalb scheide ich als Täter aus." Außerdem habe er nur kurz auf der Geschädigten gesessen, sich normal mit der Frau unterhalten und seine Hände neben dem Körper gehabt. 

Der Angeklagte berichtet, dass er seit dem Prozess jeglichen Kontakt mit Frauen vermeide, wenn er alleine ist und auch Menschenmengen meide "weil ich Angst habe, ich könnte wieder der Grapscherei bezichtigt werden". Auch die Anwältin des Schönauers berichtet, er sei "fix und fertig". Auch vor Gericht bringt er kaum einen Ton heraus, schüttelt nur den Kopf oder nickt, wenn ihn die Richterin anspricht. 

Die Plädoyers

Die Verteidigung plädiert auf Freispruch: "Mein Mandant scheidet als Täter aus", so die Anwältin. Die Geschädigten wüssten nicht mehr genau, wie das Fell der Verkleidung aussah, noch was sie selbst angehabt hätten, noch wie der Täter aussah - "das ist sehr merkwürdig." Die Staatsanwaltschaft plädiert dagegen, dass der Angeklagte schuldig der sexuellen Nötigung mit Gewalt ist. Alle Zeugen, außer den beiden Frauen selbst, hätten schließlich nur Fragmente gesehen und widergeben können. Den Geschädigten könne man aber uneingeschränkt glauben. Die Staatsanwältin will eine Haftstrafe von neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung.

UPDATE, 15.50 Uhr: "Frauen hatten die größte Gaudi" - Mitglieder der Pass entlasten Angeklagten 

Fünf Mitglieder der Pass haben nun vor Gericht ausgesagt, in der der Angeklagte als Fell-Buttnmandl ebenfalls mitgelaufen ist. Zwei der Zeugen sind Cousins des angeklagten Schönauer, einer der Bruder. Keiner von ihnen belastete den 25-jährigen Schönauer - ganz im Gegenteil.

"Meiner Ansicht nach ist da nichts passiert. Auch danach waren die Frauen ganz normal", so zum Beispiel der Bruder des Angeklagten. "Die beiden Frauen waren gut drauf, die haben mit den Buttnmandln die größte Gaudi gehabt. Die Frauen haben ja auch noch Pils getrunken und Schnaps verteilt", meinte der Cousin des Angeklagten. Die Geschädigte hatte dagegen am vorherigen Prozesstag noch vehement verneint, mit der Pass Bier getrunken zu haben.

War das Gesicht des Angeklagten zu erkennen oder war es schwarz vor lauter Ruß? Die Geschädigte konnte wegen der schwarzen Farbe das Gesicht des Angeklagten nicht wiedererkennen - doch die Zeugen sehen es übereinstimmend anders: "Er war nicht mehr schwarz im Gesicht, fast schon wieder hautfarben. Er schwitzt doch so", meint beispielsweise der Bruder hier als Zeuge.

Die weitestgehende Aussage aus der Pass stammt vom Bruder des Angeklagten: "Ich habe gesehen wie mein Bruder auf einer der Damen gekniet ist. Aber mit aufrechtem Oberkörper und die Hände bei sich." Nun werden der Partner und der stellvertretende Leiter des Kinderheims als Zeugen vernommen.

Vorbericht:

"Er beugte sich über mich drüber und versuchte seine Zunge in meinen Mund zu stecken. Dann hab' ich gespürt, wie T-Shirt und BH weggezogen und meine Brüste mit beiden Händen angefasst wurden", berichtete die Geschädigte am vorigen Prozesstag dem Landgericht Traunstein: Im Dezember 2016 wurde ein Buttnmandl beim Besuch ihrer Erziehungsanstalt übergriffig

Aber war es der Angeklagte, ein 25-Jähriger aus der Schönau? Zeugen für den Übergriff gibt es genug, aber die Beweislage ist schwierig, denn die Buttnmandl hatten schwarz angemalte Gesichter, auch gesprochen wurde bei dem Übergriff nicht. "Ich würde ihn nicht wiedererkennen", gestand die junge Frau dem Gericht offen. Das Buttnmandl hörte erst auf, als ein anderes Mitglied der Pass ihn von der Geschädigten herunterzog. 

Am Dienstag könnte die Vorsitzende Richterin Heike Will ein Urteil fällen. Auch die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung stehen noch aus. Vor dem Amtsgericht in Laufen wurde der 25-Jährige bereits schuldig gesprochen: neun Monate Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro wegen sexueller Nötigung - doch der Einspruch gegen das Urteil seitens der Verteidigung hatte Erfolg. 

Der Prozess wird um 13.30 Uhr in Traunstein fortgesetzt. BGLand24.de berichtet aktuell aus dem Gericht. 

xe

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT