Prozess zu mutmaßlichem Sex-Übergriff durch Buttnmandl in Berchtesgaden

Zeugin: "Plötzlich waren überall Hände auf mir, auch zwischen den Beinen"

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Der Angeklagte aus der Schönau.
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Traunstein/Berchtesgaden - Kam es beim Besuch der Buttnmandl zu einem Sex-Übergriff an einer Erzieherin? Ein Schönauer muss sich deshalb erneut vor Gericht verantworten.

Update, 13.20 Uhr: Weitere Zeugin wird angehört

Nun wird eine weitere Zeugin gehört: Auch sie Erzieherin, auch sie wurde im Dezember 2016 angegriffen. "Strohmandln" seien es in ihrem Fall gewesen, die auf ihr draufgelegen wären: "Plötzlich waren überall Hände auf mir, auch zwischen den Beinen", so die Frau, "auch ich habe dann klar 'Stopp' gesagt, aber da wurde nicht drauf reagiert".

Das Gericht erkundigt sich vor allem nach dem Fall ihrer Kollegin, der hier in Traunstein verhandelt wird. Schließlich sollen die Übergriffe gleichzeitig und nebeneinander passiert sein. Die Zeugin berichtet, wie sich ihre Kollegin gewehrt hätte, ihr Gesichtsausdruck, "den ich so nicht kannte", sei ihr besonders in Erinnerung geblieben. Auch von einem klaren "Stopp" ihrer Kollegin berichtet sie der Vorsitzenden Richterin Heike Will.

"Drei von der Pass sind dann am nächsten Tag auch zu uns gekommen und haben sich entschuldigt", berichtet sie - aber keiner wollte es gewesen sein. War der Angeklagte dabei? Die Frau kann es nicht sagen. Auch für sie ist es unmöglich, die schwarzbemalten und maskierten Gesichter zuzuordnen - außerdem ist die Tat nun anderthalb Jahre her.

Der Prozess wird am Dienstag, den 26. Juni um 13.30 Uhr fortgesetzt. Dann könnte auch das Urteil fallen.

Update, 11.35 Uhr: "Zwei haben sich dann auf mich draufgelegt"

"Eigentlich lief zuerst alles super", erzählt die junge Erzieherin jetzt als Zeugin vom Besuch der Buttnmandl und des Nikolaus in Berchtesgaden: "Der Nikolaus hat etwas vorgelesen, danach haben mich zwei rausgezogen, eine Gruppe von Strohmandln ist dann um mich herumgetanzt. Das war ja alles noch ganz lustig."

Dann allerdings passierte das, weswegen sie jetzt vor dem Landgericht aussagt: "Ich wurde auf eine Wiese geschmissen, lag auf dem Rücken, zwei haben sich dann auf mich draufgelegt." Sie habe noch gerufen, es werde ihr zu schwer, sie bekomme keine Luft mehr. Einer ging weg, ein anderer blieb und setzte sich auf ihre Hüfte - war es der Angeklagte, der 25-jährige Schönauer?

"Er beugte sich über mich drüber und versuchte seine Zunge in meinen Mund zu stecken", berichtet die Geschädigte. Immer wieder wich sie ihm aus: "Dann hab' ich gespürt, wie T-Shirt und BH weggezogen und meine Brüste mit beiden Händen angefasst wurden." Die geschwärzten Hände hätten auf ihren ganzen Brustbereich abgefärbt. "Ich hab dann ganz eindeutig gesagt, dass ich das nicht will", so die Zeugin. Der Angeklagte blickt während ihrer Aussage fast nur auf die Tischplatte, sieht die Geschädigte kaum an.

Zur selben Zeit sei einer Kollegin von ihr etwas ganz ähnliches passiert, sie hielten sich währenddessen an den Händen: "Auch auf ihr saßen welche." Danach berichtete ihr die Kollegin persönlich, dass auch sie angegrapscht wurde. Etwa eine Minute habe das ganze gedauert, berichtet die Geschädigte: "Von sich aus ging er nicht von mir runter, erst als ein anderer kam und ihn wegzog."

Was für das Gericht noch zum Problem werden könnte: Der Übergriffige hatte zwar seine Fellhaube nach oben gezogen, doch sein Gesicht war schwarz angemalt, berichtet die junge Frau: "Ich würde ihn nicht wiedererkennen, er hat auch nichts gesagt und durch die Verkleidung konnte man seine Statur nicht erkennen", sagt sie offen.

Die Erzieherin wendet sich jetzt persönlich an den Angeklagten: "Ich weiß nicht, ob Du es warst. Aber wenn nicht, dann weißt Du doch, wer es war. Warum sagst Du das dann nicht?" Der Schönauer auf der Anklagebank schweigt. Überhaupt: Die Frau erzählt, dass sie angefeindet wurden, als sie sich einige Zeit später dazu durchrang, Anzeige zu erstatten.

Die nächste Zeugin ist die Kollegin der Geschädigten, die ebenfalls angegriffen wurde.

Vorbericht

Zweiter Prozesstag im Berufungsprozess gegen einen 25-jährigen Schönauer vor dem Landgericht Traunstein: Im Dezember 2016 soll er als Buttnmandl beim Besuch einer pädagogischen Einrichtung in Berchtesgaden gegen eine Erzieherin übergriffig geworden sein. Konkret: Er soll die Frau zu Boden gestoßen, sich auf sie gelegt und ihr dann unter das T-Shirt gegriffen haben. Außerdem soll der Schönauer versucht haben, ihr seine Zunge in den Mund zu stecken. Auch ein zweites Buttnmandl soll beteiligt gewesen sein.

Der Nikolaus und zwei Ganggerl der Pass wurden bereits am 24. Mai verhört. Eines der Ganggerl habe nur mitbekommen, dass ein Buttnmandl auf einer Frau gelegen sei: "Das habe ich dann von ihr runtergestoßen", so der Zeuge. Der Nikolaus habe, nachdem er von den Gerüchten hörte, alle zusammengetrommelt: Er wolle wissen, wer es war und drohte, sonst heimzugehen. Er forderte vom Angeklagten an Ort und Stelle noch eine Entschuldigung. 

Weitere wichtige Zeugenaussagen, unter anderem der Geschädigten selbst, stehen noch aus. Ob sie am heutigen Donnerstag vernommen wird, war aber bisher noch nicht abzusehen. Der Angeklagte selbst äußerte sich am ersten Prozesstag nicht zur Sache. Im ersten Prozess vor dem Amtsgericht in Laufen im September 2017 wurde der Angeklagte schuldig gesprochen: neun Monate Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro wegen sexueller Nötigung. Die Berufung hatte allerdings Erfolg. Wer der zweite Vermummte war, konnte in Laufen nicht geklärt werden.

Die Verhandlung wird am Donnerstag um 9.30 Uhr in Traunstein fortgesetzt. BGLand24.de wird aktuell aus dem Gerichtsaal berichten. 

xe

Quelle: chiemgau24.de

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