Aug' in Aug' mit dem Sex-Täter

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Traunstein/Töging - Am 1.  Verhandlungstag versuchte es der Sextäter von Töging mit einer Entschuldigung. Dem Vater seines Opfers konnte er nicht in die Augen schauen. 

Stundenlang befragten Richter und Anwälte Matthias A. am ersten Verhandlungstag zu seinem Lebenslauf. Schnell wurde klar: Im Leben des 40-Jährigen ist vieles schiefgelaufen. Eine Kindheit im Heim, keine Berufsausbildung, psychologische Betreuung schon in jungen Jahren, kein Kontakt zu den Eltern und ein nicht enden wollendes Vorstrafenregister.

Das Opfer des Sextäters, die 16-jährige Carmen K., kam nicht ins Gericht. Ihre Aussage sei nicht nötig, weil Matthias A. ein Geständnis abgelegt habe.

Als Nebenkläger saß der Vater des Mädchens, Günter K., im Gerichtssaal. Was in ihm während der Verhandlung vorgehen musste, ist unvorstellbar. "Ich habe den Täter heute zum ersten Mal gesehen", sagt er mit dünner Stimme. "Ich hoffe, er kann nie wieder einem Menschen so etwas Schlimmes antun."

Zu Beginn der Verhandlung bat Matthias A. darum, sein Wort an Günter K. richten zu dürfen. "Ich wollte Ihrer Tochter einen Brief schreiben, aber ich weiß nicht, ob ich überhaupt das Recht dazu habe. Es sollte eine Entschuldigung sein, aber für meine Tat gibt es eigentlich keine Entschuldigung."

Reglos betrachtete Günter K. den 40-Jährigen, als der Richter den Angeklagten darauf hinwieß, dass er sich auch persönlich beim Vater von Carmen K. entschuldigen könne. Matthias A.: "Mir fehlen die passenden Worte. Die ganze Sache tut mir unwahrscheinlich leid."

Eine Einsicht, die man dem gebürtigen Mainzer beim Blick auf seinen Lebenslauf und sein Vorstrafenregister nicht wirklich abnimmt. Schon vor seiner Strafmündigkeit hatte der 40-Jährige zahlreiche Straftaten begangen. Damals waren es Diebstähle und Brandstiftung, mit 13 Jahren konsumierte er auch Alkohol und Drogen. Es folgten Überfälle und einige Sexualdelikte, darunter Vergewaltigung.

Für Verwunderung sorgte die Tatsache, dass Matthias A. eigentlich aus einem guten Elternhaus kommt. "Es ging uns finanziell nie schlecht", berichtet er. Trotzdem kam er als 13-Jähriger ins Heim. "Mein Psychologe hat es vorgeschlagen und ich dachte, ich hätte dort viel mehr Freiheiten. Leider war es im Nachhinein nicht so." Die Heimerziehung sei in vielen Fällen ein Sprung in die Kriminalität, davon ist Matthias A. überzeugt.

Prozess gegen Sextäter von Töging

Immer wieder kam im Saal auch die Rede auf den jüngeren Bruder des Angeklagten. Auf diesen soll  Matthias A. eifersüchtig gewesen sein soll. "Als Kind war ich es sicher, heute sehe ich das anders."

Seine Familie ist für den 40-Jährigen mittlerweile ein rotes Tuch. Seit über zehn Jahren hat er keinen Kontakt zu seiner Mutter, dem Vater oder dem Bruder. "Meine Mutter hat nichts ausgelassen, um mir eins reinzuwürgen. Sie hat mir auch ausrichten lassen, ich brauche nicht auf ihrer Beerdigung erscheinen."

Die einzigen Bezugspersonen für den Anklagten waren über die Jahre seine Oma, die ihn in Töging bei sich aufgenommen hatte, und sein Patenonkel. Momentan hat er zu beiden keinen Kontakt mehr. "Ich wüsste nicht, wie ich meiner Oma die Tat an Carmen erklären sollte." Künftig wolle Matthias A. zu niemandem mehr Kontakt haben. "Ich werde zum Einsiedler."

Über die Sexualdelikte des Angeklagten wurde im Gericht in einem nichtöffentlichen Teil diskutiert. Sein Verhältnis zu Frauen kam aber schon vorher einige Male zur Sprache. 

Im Heim habe er eine Freundin gehabt, mit der er, als er volljährig war, in eine eigene Wohnung gezog. "Ab da ging es bergab", räumt Matthias A. ein. Die beiden waren zuvor schon aus dem Heim geflogen, weil sie die Geldkasse geklaut hatten. Es folgten Überfälle, Drogen, Alkohol. Als seine damalige Freundin nach einem gemeinsamen Überfall dann vor Gericht gegen den 40-Jährigen aussagte, war Schluss.

Über 17 Jahre hat Matthias A. insgesamt im Gefängnis verbracht. Kaum war er frei, ließ die nächste Straftat nicht lange auf sich warten, das geht klar aus den Akten hervor. "So einer wie der gehört weggesperrt und nie wieder freigelassen", meint Zeugin Maria K., auf deren Anwesen in Töging der 40-Jährige nach seiner Tat festgenommen wurde.

Welches Urteil den Sextäter erwartet, entscheidet sich erst nach dem dritten Verhandlungstermin. Die Zuschauer im Gerichtssal waren sich aber schon nach dem ersten einig: "So schnell kommt er diesmal nicht wieder frei."

Anette Mrugala

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Rubriklistenbild: © shooteragentur

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