Jahreswechsel im Lockdown

Silvester-Bilanz der Polizei: So verlief der Start in 2021 in Bayern

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Corona-Regeln an Silvester 2020: Diese Regeln gelten

An Silvester sind die Einsatzkräfte im Dauereinsatz. Normalerweise. Dieses Jahr endet für viele Feuerwehrleute und Polizisten in Bayern hingegen überraschend ruhig. Nur an wenigen Orten wird gegen Corona-Maßnahmen verstoßen.

Silvester-Bilanz der Polizei: So verlief der Start in 2021 in Bayern

Dass es ein ruhigeres Silvester werden würde, damit hatten die Einsatzkräfte schon gerechnet: Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen sowie das Verkaufsverbot von Feuerwerkskörpern ließen vergleichsweise wenig Einsätze erwarten. „Aber dass es für Silvester so ruhig ist, hätten wir nicht gedacht“, resümierte ein Sprecher der Münchner Berufsfeuerwehr. Man habe keine silvesterüblichen Verletzungen durch Böller behandelt. Auch sei es zu keinen Bränden durch Feuerwerkskörper gekommen.

Die Münchner Polizei dagegen hatte einen nicht ganz so ruhigen Silvesterabend. In einer ersten Zwischenbilanz berichtet sie von über 500 Einsätzen zwischen Silvester 19 Uhr und Neujahr 5 Uhr. Es handelte sich dabei u.a. um 86 Ruhestörungen, neun Körperverletzungsdelikte und über 40 Einsätze im Zusammenhang mit Pyrotechnik. In 197 Fällen wurden Verstöße gegen die Infektionsschutzregelungen angezeigt. Dabei betraf es in 156 Fällen die Ausgangssperre.

Erstaunt“ angesichts der verhältnismäßig ruhigen Einsatzlage zeigte sich die Polizei in Oberbayern. „Die Menschen halten sich an die Corona-Beschränkungen“, sagte ein Sprecher der Polizei.

Die Nürnberger Innenstadt war in der Silvesternacht „verwaist“, wie ein Sprecher der Polizei mitteilte. Zuvor hatten die Städte und Landkreise Mittelfrankens ein Böllerverbot an Silvester und Neujahr beschlossen, das auch in privaten Gärten und auf Balkonen gilt. Dagegen sei zwar mancherorts verstoßen worden, die Polizei habe es aber bei Belehrungen belassen, solange sich das Ganze auf Privatgrund abspielte.

In Unterfranken hätten sich um Mitternacht Leute auf der Straße aufgehalten, auch hier sei aber „alles im grünen Bereich“, so ein Sprecher. Auch in Niederbayern war die Polizei zufrieden, dort habe man keine Verstöße festgestellt.

Anders war die Lage in der Oberpfalz, wo die Polizei in der Silvesternacht zu rund 30 Einsätzen aufgrund möglicher Verstöße gegen die Infektionsschutzmaßnahmen fuhr und mehrere Neujahrspartys auflöste. Durch Beschwerden wegen Ruhestörung sei man dort auf Feiern mit vielen Haushalten und Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkungen aufmerksam geworden.

In Oberfranken zeigte die Polizei ebenfalls mehrere Personen wegen Verstößen gegen die Ausgangsbeschränkungen an. Insbesondere in den Landkreisen Coburg und Lichtenfels stellten die Beamten Zusammenkünfte von Menschen auf der Straße ohne triftigen Grund fest.

Ein recht ruhiges Silvester hatten auch die Einsatzkräfte in Schwaben. Es gebe keine Partys oder Ansammlungen, sagte ein Polizeisprecher. Der Eindruck aus Schwaben deckt sich mit dem Großteil Bayerns: Dem Sprecher zufolge war die Nacht „nicht mit einem normalen Silvester zu vergleichen“.

Feiern und Feuerwerk: Die Silvester-Regeln im Überblick

Das Jahr 2020 verhält sich auch zum Abschluss anders als gewohnt. Die Regierung greift hart durch, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen: Während es an Weihnachten noch ein paar Lockerungen gab, müssen die Menschen in Bayern für den Jahreswechsel auf größere Feiern komplett verzichten. Für die Zeit ab dem 27. Dezember - und damit ausdrücklich auch für Silvester und Neujahr - gelten wieder die harten „vorweihnachtlichen“ Regeln.

Mit wie vielen Menschen darf ich Silvester feiern?

Für eine Silvesterfeier dürfen sich maximal fünf Erwachsene aus zwei Haushalten treffen. Kinder bis 14 Jahre werden dabei nicht mitgezählt. Allerdings gilt das nur für Zusammenkünfte in Innenräumen und auf dem eigenen Grundstück. Denn das Haus darf man derzeit nur aus einem triftigen Grund verlassen – etwa für einen Spaziergang oder um Sport zu treiben. Nicht aber, um draußen länger Zeit zu verbringen und zu böllern. Besucher müssen sich also auf eine Übernachtung einstellen, wenn sie mit ins neue Jahr feiern wollen. Zudem gilt bundesweit ein An- und Versammlungsverbot am Silverster- und Neujahrstag.

Das Alkoholverbot im Freien gilt auch an Silvester und Neujahr in Bayern. Das bedeutet, dass der Konsum von Alkohol in Innenstädten und sonstigen Orten unter freiem Himmel untersagt ist. Es ist lediglich erlaubt, auf das neue Jahr anzustoßen, wenn man die eigenen Grundstücksgrenzen nicht verlässt.

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Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr - auch an Silvester

Außerdem gilt bayernweit eine erweiterte Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr. Mit einem weiteren Hausstand zu feiern ist demnach unter oben genannten Voraussetzungen erlaubt, das Heimfahren oder Heimgehen zwischen 21 und 5 Uhr ist jedoch verboten. Sollten Sie also bei einem befreundeten Hausstand Silvester verbringen, müssten Sie entweder dort übernachten (sofern der Abstand eingehalten werden kann) oder bis 21 Uhr wieder bei sich zuhause angekommen sein.

Ausgangssperre in Bayern: Das ist ab 21 Uhr noch erlaubt (Plus-Artikel).

Darf ich mit meinen Nachbarn anstoßen?

Nein“, schreibt das Bayerische Innenministerium. Grund ist die nächtliche Ausgangsbeschränkung von 21 bis 5 Uhr. Nur auf privaten Flächen wie Gärten, Terrassen und Balkonen darf angestoßen werden.

Darf man Raketen steigen lassen und Böller zünden?

Der Verkauf von „pyrotechnischen Gegenständen der Kategorie F2 im Sinne von §3a SprengG“ ist laut der 11. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung in diesem Jahr untersagt. Somit wird der Jahreswechsel dieses Jahr größtenteils ohne Feuerwerk stattfinden. Das Abbrennen und Mitführen von Pyrotechnik wird an Silvester und Neujahr auf von den Kommunen festzulegenden publikumsträchtigen Plätzen ebenfalls verboten. Informationen dazu, wo genau die Böllerverbote gelten, finden sich auf den Homepages der zuständigen Kreisverwaltungsbehörden. Grund für diese Regelungen ist die Sorge, dass es durch Böller zu mehr Verletzungen kommen könnte.

Allerdings: Feuerwerkskörper der Kategorie F1, das sogenannte „Jugendfeuerwerk“ oder „Tischfeuerwerk“, darf jeder ab zwölf Jahren kaufen und abbrennen – auch in diesem Jahr. Dazu zählen etwa Knallerbsen, Partyknaller, Eisfontänen, Wunderkerzen und Ähnliches. 

Warum sind die Kommunen so strikt mit dem Böllerverbot?

Jedes Jahr passieren an Silvester viele Unfälle durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern. Im vergangenen Jahr hatte es an Silvester zum Beispiel in Nürnberg binnen zwölf Stunden im Vergleich zu anderen Tagen 186 zusätzliche Notfalleinsätze und 90 Einsätze mehr für die Feuerwehr gegeben. Da die Krankenhäuser unter anderem mit Covid-19-Patienten belastet sind, wollen die Kommunen mit diesen strikten Maßnahmen silvestertypische Verletzungen vermeiden und somit Krankenhaus-Mitarbeiter und Betten entlasten. Denn jeder Unfall bindet ärztliche und pflegerische Kapazitäten, die wiederum an anderer Stelle fehlen und das Leben Dritter gefährden könnten.

Schärfere Kontrollen: An Silvester mehr Polizeipräsenz in Bayern

Polizeipräsidien verweisen darauf, dass sie nicht ohne Anlass in den Wohngebieten nach großen, verbotenen Silvesterpartys suchen werden. Die Polizei bereitet sich auch auf einen Jahreswechsel mit besonderen Herausforderungen vor. Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten verweist darauf, dass es an Silvester üblicherweise immer eine stärkere Polizeipräsenz gebe. Der Sprecher des Kemptener Präsidiums, Dominic Geißler, sagt aber, dass eine Streife losgeschickt werden müsse, wenn Bürger die Polizei riefen, weil in der Nachbarschaft zu groß gefeiert werde.

„Anlasslose Kontrollen von Wohnungen sind nicht zulässig“, betont auch Michael Siefener vom Innenministerium in München. Wenn es Hinweise auf Ordnungswidrigkeiten gebe, müssten die Beamten vor Ort abwägen, ob sie in das Haus gehen dürfen. „Zum Betreten einer Wohnung bedarf es einer dringenden Gefahr für ein bedeutendes Rechtsgut wie die Gesundheit“, erläutert der Ministeriumssprecher. Es komme bei solchen Einsätzen immer auch auf die Verhältnismäßigkeit an.

Profitiert wenigstens die Natur von der stillen Silvesternacht?

Für Tiere ist das Böllerverbot ein Segen - zumindest nehmen das Naturschützer an. „Die lauten Geräusche der Raketen und Böller schrecken Tiere auf, die dann bei ihrer Flucht wertvolle Energie für die kalten Winternächte unnötig verbrauchen“, sagte Miriam Hansbauer vom Landesbund für Vogelschutz. Zudem würden Feuerwerksreste oft Grünflächen verschmutzen und zu einer erhöhten Feinstaubbelastung beitragen.

In den Vorjahren hätten Wildtiere oft aus Schreck vor der lauten Knallerei ihre Schlafplätze verlassen. Vögel würden dann häufig bis zu 1000 Meter in die Luft fliegen, obwohl sie tagsüber normalerweise nur Höhen bis zu 100 Metern erreichen. Durch den Schock verlieren manche die Orientierung und prallen auf Hindernisse wie Häuser oder Autos. 

mh

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