Matthias Keller, Arzt am Romed-Klinikum Rosenheim, weiß, warum der Neujahrstag oft weh tut

Silvesterkater: Adenauers Geheimtipp eine Ente

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Oftmals hilft am Neujahrstag nur der Griff zur Kopfschmerztablette. Wenn man vernünftig trinkt und genügend isst, kann schlimmeres Übel verhindert werden.

Rosenheim - Damit das Jahr so lustig anfängt wie es in der Silvesternacht aufgehört hat, weiß Matthias Keller, Arzt am Romed-Klinikum Rosenheim, einige Tipps.

Den wichtigsten vorneweg: Um den klassischen Silvesterkater zu verhindern, gibt es nur eine Lösung: "Entweder gar nichts trinken oder nur sehr wenig."

Gut, für viele ist der Jahreswechsel aber nun einmal mit Alkohol und gutem Essen verbunden - beides gern auch in größeren Mengen. Zumindest diese Kombination befürwortet der Mediziner Keller: "Dem Brummschädel kann man vorbeugen, indem man den ganzen Abend über viel Wasser trinkt und ausreichend ist."

Entscheidend für den Tag danach ist auch die Wahl des Getränks, denn Alkohol ist nicht gleich Alkohol. "Es ist ratsam, auf einen niedrigen Anteil an Begleitalkoholen wie Methanol, n-Butanol und Isobutanol zu achten. Die sind unter anderem Teil des Gärungsprozesses und damit vor allem in aus Obst hergestelltem Alkohol zu finden."

Die drei häufigsten Katersymptome sind laut Keller einfach zu erklären. Während des Trinkens verliert der Körper viel Flüssigkeit und Elektrolyte, weshalb am Morgen danach der Durst des Alkoholgeschädigten nach Wasser besonders groß sein dürfte. Außerdem erweitern sich während eines Rausches die Gefäße im Gehirn - daher der Kopfschmerz am nächsten Tag. Und dass Alkohol die Magen- und Darmschleimhaut reizt, mag angesichts mehr oder weniger großer Übelkeit auch nicht überraschen.

Doch übermäßiges Trinken hinterlässt noch weitere Spuren. Keller: "Die Schlafqualität ist nach Alkoholgenuss vermindert. Dadurch ist man am Folgetag auch oft müde." Weitere Symptome seien Zittern, Schwitzen, erhöhter Puls und Blutdruck sowie eine "depressive Verstimmung".

Bis zu 24 Stunden könne der Kater anhalten, warnt Keller. Und leider gebe es - entgegen weit verbreiteter "Geheimtipps" - kein Gegenmittel. "Viele dieser Methoden wurden in wissenschaftlichen Methoden untersucht. Ein eindeutiger positiver Effekt konnte bei keiner nachgewiesen werden." Demnach gehören folgende Kater-Heilungs-Strategien sämtlich ins Reich der Mythen: die erneute Aufnahme von Alkohol, das Trinken von Gurkenwasser, das Essen von gebratenem Speck, Würstchen, Eiern, Pilzen oder verbranntem Toast; genauso sinnlos sind Vitaminkombinationen, Phytopräparate oder Aktivkohle. Im Vorfeld des Rausches noch schnell einen Esslöffel Öl zu trinken, hat laut Keller ebenfalls noch niemandem wirklich geholfen - selbst wenn der ehemalige Bundeskanzler Konrad Adenauer seine Diplomaten mit dieser Verhaltensregel zu Staatsbesuchen nach Moskau geschickt haben mag.

Was dagegen fest steht ist, dass der Silvesterkater Männer und Frauen nicht gleich heimsucht. Keller: "Frauen trifft es im Regelfall öfter als Männer." Dies liege an ihrer geringeren Körpergröße und niedrigerem Wasseranteil an der Körpermasse der Frauen.

Im Unterschied zu anderen Organen verfügt die Leber über die Fähigkeit, sich zu regenerieren. Sie kann gut und schnell nachwachsen. Daraus aber einen Freibrief für das Saufen abzuleiten, mag der Mediziner Keller aber nicht durchgehen lassen: "Am besten sollte man das gar nicht machen."

zip/Oberbayerisches Volksblatt

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