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So denken unsere Leser über ein mögliches Verbot von Viehscheiden

Almabtriebe eine Tierquälerei? „Eine bodenlose Frechheit“ und „wirklich schwachsinnig“

Collage aus Frau mit Pferd und Mann mit geschmückter Kuh
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Unsere Leserin, Tierärztin Isabell Colloredo, findet nichts Schlimmes an den traditionellen Almabtrieben.

Tierschützer fordern die Abschaffung der alpenländischen Tradition des Almabtriebs. Im Allgäu wurden bereits einige Viehscheide aufgrund von Hass-Briefen und Drohungen abgesagt. Das sorgte vielerorts für Aufsehen. Auch sehr viele OVB24-Leser haben uns ihre Meinungen dazu geschickt.

In vielen Alpenregionen finden im September traditionell die Almabtriebe statt. Zum Beispiel im Allgäu, wo sie „Viehscheid“ heißen. Die Rinder wandern ins Tal, um in den Ställen zu überwintern. Dafür werden sie mit Kränzen und Glocken geschmückt, im Dorf gibt es dann ein großes Fest. 

Nach vehementen Protesten von Tierschützern wurden etliche Viehscheide im Allgäu nun abgesagt. In Maierhöfen hat man sich sogar dafür entschieden, nach der Corona-Pause diese Tradition gar nicht mehr in gewohnter Form aufleben zu lassen.

Tierschützer beklagen seit Jahren den Almabtrieb, da der 30 Kilometer lange Zug den Berg runter eine zu große Belastung für die Rinder sei.

Drohungen und fragwürdige Alternativen

Laut Bild würden die Bauern am Hochgrat Hassbriefe von Tierschützern bekommen. Von Tiermördern und Tierquälern ist darin die Rede. Auch Morddrohungen sind dabei.

Ein Sprecher der LMU Klinik für Wiederkäuer erklärte gegenüber der Bild, es komme vor, dass Kühe beim Weg ins Tal hinfallen und sich ein Bein brechen. Auch die Teerstraßen seien nicht optimal. „Es ist eine ruppige Tradition.“

Die von den Tierschützern vorgeschlagene Alternative: Die Tiere in Lkw verladen und den Berg hinauf und hinab transportieren. Das Zusammenpferchen im Lkw macht den Landwirten Sorgen. Zumal dieser Lkw-Tal-Transport der Rinder in Eigenregie laut Bild-Zeitung rund 10.000 Euro kostet.

Kommt das Aus des Almabtriebs auch bei uns?

Hass-Briefe hat Kaspar Stanggassinger vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern, Bezirk Berchtesgaden, noch nicht erhalten, wie er in einem Gespräch mit chiemgau24.de sagt. Aber er stellt sich auch die Frage, weshalb Almabtriebe nicht mehr stattfinden dürfen. „Zunächst waren die Kuhglocken das Problem, jetzt ist es gleich der ganze Almabtrieb. Die Tiere sind den ganzen Sommer über bei Wind und Wetter auf der Alm, sind in dem unwegsamen Gelände trainiert. Die haben eine unglaubliche Kondition, sind fit.“

Genauso sieht es Alfons Leitenbacher, Behördenleiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Traunstein. „Für unseren Bereich - insgesamt 225 Almen in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein - weise ich den pauschalen Vorwurf der Tierquälerei mit Nachdruck zurück“, unterstreicht er auf Nachfrage von chiemgau24.de. „Die Almbauern möchten beim Almabtrieb ihre Tiere natürlich gesund und unverletzt nach Hause bringen und treffen daher die nötigen, der Situation angepassten Vorkehrungen, um dieses Ziel zu erreichen.“

Von der Alternative, die Tiere in Lkw zu verladen und den Berg hinauf und hinab zu transportieren, zeigt sich Leitenbacher nicht begeistert. Das Be- und Entladen von Viehanhängern berge eine gewisse Verletzungsgefahr. „Nach meiner Überzeugung kann der Transport über oft steile und unebene Almstraßen im Übrigen einen größeren Stress für die Tiere darstellen, als wenn sie den Weg - ihrer Natur entsprechend - zu Fuß zurücklegen.“

„Von Gewaltmarsch kann nicht die Rede sein“

Unsere Leserin Isabell Colloredo mit ihrer Stute.

Nach unserem Leseraufruf zum Thema hat sich mit Tierärztin Isabell Colloredo aus Güssing (Österreich) auch eine Expertin zu Wort gemeldet: „Ich lebe in Österreich, bin Tierärztin und habe einige Jahre in Großtierpraxen gearbeitet, auch in Deutschland. Was vermeintliche Tierschützer da von sich geben, ist wirklich schwachsinnig und entbehrt jeglicher Kenntnis davon, wie Tiere gehalten werden sollten. Ein gesundes Rind, das den Sommer lang Tag und Nacht auf Almen herumwandert, ist total fit, um die Tour ins Tal zu bewältigen! Von Gewaltmarsch kann nicht die Rede sein.“

Und weiter: „Ein Landwirt, dem seine Tiere wichtig sind, wird auch darauf achten, dass die Tiere in ihrem eigenen Trott laufen. Abgesehen davon, dass Kühe ganz genau wissen, wenn es heimwärts geht - genauso wie sie wissen, wenn es im Frühsommer auf die Alm geht - und sie machen das gerne! Tierschutz ist absolut wichtig, aber es gibt viel brennendere Themen, die bearbeitet werden sollten, wie tausende Kilometer lange Tiertransporte, scheußliche Schlachtmethoden, Massentierhaltung und vieles mehr (...).“

Viehscheide und Tierwohl: Das sind Eure Leserbriefe

Robert Springl 

Es scheint heute groß in Mode zu sein, dass sich kleine Gruppen anmaßen zu wissen und zu bestimmen, was für alle gelten soll. Sei‘s das Gendern oder falsch interpretierter Tierschutz. Ob sie überhaupt eine Ahnung haben, sei dahingestellt. Tradition soll und muss bleiben - ob es den Quatsch-Rednern passt oder nicht. Wir sollten diese Minderheiten nicht für voll nehmen und ignorieren, dann erledigt sich die Angelegenheit von alleine.

Martin Fassnauer aus Südtirol

Ein normaler Almabtrieb sollte und muss sein, aber nicht übertreiben mit diesem großen Kitsch-Kopfschmuck. Nur ein kleiner Blumenschmuck um die Hörner ist super und auch keine so großen Kuhglocken. Und was die Tierschützer möchten, mit Lkw die Tiere runter bringen, ist ein Schmarrn.

Ralf Hess

Es ist schon erstaunlich, was bei uns alles verboten wird beziehungsweise verboten werden soll. Viele von uns sind geleitet von einem angeblichen Gutmenschentum, das sich dann in Radikalität umkehrt - nur weil irgendwelche Unfähigen meinen, sie müssten ihre Überzeugung als das einzig Wahre durchsetzen. Wobei Erpressung, Drohung usw. sicher absolut nicht passend und weitaus verwerflicher sind. Gegen diese sollte man sich eher stellen und nicht klein beigeben. Wenn ich darüber nachdenke, dass es keinen Mohren, keine Zigeuner, Indianer und nun auch keinen Almabtrieb mehr geben soll, dazu dann noch das bescheuerte Gendern, dann fehlt mir der Glaube an das Normale. Ich frage mich langsam, wo ich eigentlich lebe. (...)

Gabi Wendlik aus München

Wie kann man sich nur von völlig unwissenden Pseudo-Besserwissern ins traditionelle, langjährige Handwerk pfuschen lassen? Sicher war keiner von denen jemals zu Fuß in den Bergen oder hat einen Funken Naturverständnis, geschweige denn Verständnis und Wissen darüber, was eine Kuh braucht oder mag und was nicht. Lkw fahren jedenfalls sicher nicht!!!

Dagmar Bartl

Unsere Leserin Dagmar Bartl.

Ich selber bin Oberallgäuerin und wir haben unsere Tiere auf die Alpe gebracht und mit einem Viehscheid wieder abgetrieben. Von diesen sogenannten „Tierschützern“ ist es eine bodenlose Frechheit, die Bauern als Tierquäler und Tiermörder zu bezeichnen! Unser Allgäuer Braunvieh ist nahezu dafür geschaffen - sie sind robust, widerstandsfähig und wahre Kletterer. Es gibt nichts Schlimmeres, als sie in einen Lkw zu pferchen. Sie stehen durch das Bergauf und Bergab in einer unnatürlichen Weise im Lkw. Die Unfallgefahr für die Tiere ist immens hoch. Mich ärgern diese unqualifizierten Aussagen von diesen Leuten! Dadurch lassen Tiere unnötigerweise ihr Leben und nicht, wenn sie - muskelbepackt - den Weg natürlich bewältigen. 

Und auch auf den Facebook-Seiten der OVB24-Redaktionen wurde fleißig kommentiert:

Tina Mann (innsalzach24)

Unsere Leserin Tina Mann.

Haben so einen Almabtrieb mal gesehen. Die Tiere wirken echt entspannt. Die juckt das null! Dachte anfangs auch: ‘uhhhh, bimmelt echt laut’. Aber den Kühen war‘s wurscht! Noch nie eine Schlagzeile gesehen, dass da Kühe durchdrehen, kollabieren oder panisch davon rennen … Alles ist plötzlich falsch, Quälerei, rassistisch oder weiß der Kuckuck was. Wann ist die Welt bittschön so verkorkst geworden?

Flo A. Unterhuber (chiemgau24)

Weil die Kühe im Lkw entspannter sind ... Oder sollen dann nur immer drei Kühe in den Lkw, damit sie keine Platzangst bekommen? Die Kühe laufen den ganzen Sommer über auf der Weide über Stock und Stein, aber beim Abtrieb auf einer Straße wäre das dann plötzlich ein Problem ... Teerstraße hin oder her, aber die Kühe gehen doch auf der Straße - und das nicht galoppierend. Wenn ich sowas gesehen habe, kamen mir die Kühe immer recht entspannt vor. Bald werden auch Umzüge wie Leonhardi- oder Georgiritt in Frage gestellt …

Ines Lohße (BGLand24)

Unsere Leserin Ines Lohße.

Wir sollten froh sein, dass es die Bergbauern noch gibt, die diese Tradition fortsetzen - vor allem diese wunderschöne Bergwelt mit ihren Almen erhalten. Ich ziehe den Hut!

Franzi Teubner (rosenheim24)

Jetzt ist es aber mal gut! Die Kühe auf der Alm haben ein tolles Leben, stehen nicht 24 Stunden jeden Tag im Stall, haben Platz ohne Ende und Ausdauer und Kraft! Sie sind dann auch noch stolz, geschmückt zu werden! Bald ist es soweit, dass die komplette Tradition nimma gelebt werden darf, wegen den Tierschutz-Protesten ... Wo geht unsere Gesellschaft nur hin??? Man sollte so manches Mal echte Tierschutz-Probleme behandeln ... einfach lächerlich!

Was haltet Ihr von einem Verbot der traditionellen Almabtriebe? Schickt uns Eure Meinung

Aufgrund vehementer Proteste von Tierschützern, die die Almbauern als Tierquäler beschimpfen und sogar Morddrohungen schicken, wurde in einigen Bergregionen jetzt die Tradition gekippt und Viehscheide abgesagt. Tierschützer sehen den Fußmarsch der Rinder kritisch, weil er zu belastend sei. „Quatsch“, sagen die Almerer, denn die Rinder würden schließlich den ganzen Sommer auf der Alp verbringen und seien das Laufen im Gelände gewohnt.

Schreibt uns Eure Meinung zum Thema per E-Mail an leserbriefe@ovb24.de (Kennwort: „Almabtrieb“ im Betreff). Bitte sendet uns neben Euren Zeilen auch unbedingt Euren Namen und Euren Wohnort – und am besten auch ein Foto von Euch. Die Redaktion veröffentlicht Eure Leserbriefe samt Namen und Wohnort anschließend in einem entsprechenden Artikel.

Anm. der Red.: Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften entsprechend zu kürzen oder die Veröffentlichung gegebenenfalls ohne Angabe von Gründen zu verweigern.

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