Skandal um Regensburger Domspatzen

Missbrauchsopfer: "Georg Ratzinger war ein notorischer Schläger!"

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Regensburg/Pleiskirchen - Der Untersuchungsbericht des Rechtsanwaltes Ulrich Weber wurde am Dienstag vorgestellt. Doch welche Rolle spielte der ehemalige Leiter der Regensburger Domspatzen, Georg Ratzinger bei dem Skandal?

Bereits am Dienstag berichtete die Redaktion davon, dass bei den Regensburger Domspatzen mindestens 547 Sänger Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt wurden. Vor allem in der Vorschule, aber auch im Gymnasium sei es zu Gewalt gegen Schüler gekommen. Zwischen 1945 und Anfang der 1990er Jahre wurden dem offiziellen Bericht zufolge etwa 500 Betroffene Opfer körperlicher Gewalt - in früheren Zeiten strafrechtlich nicht verboten. In 67 Fällen kam es außerdem zu sexueller Gewalt. Von den 49 Beschuldigten übten 45 körperliche und neun sexuelle Gewalt aus. Aus strafrechtlicher Sicht sind die Fälle verjährt. 

Ein ganzes Kapitel des Berichts beschäftige sich mit der Rolle Georg Ratzingers in diesem Martyrium, wie die Bild berichtet. Von 1964 bis 1994 leitete er den weltberühmten Chor. Ihm sei "insbesondere sein 'Wegschauen' und fehlendes Einschreiten trotz Kenntnis vorzuwerfen". Denn Ratzinger sei "über Jahre hinweg die prägende Persönlichkeit der Domspatzen" gewesen. 

Welche Rolle spielte Ratzinger?

Der in Pleiskirchen im Landkreis Altötting geborene Ratzinger wurde am 1. Februar 1964 der Nachfolger von Theobald Schrems als Domkapellmeister am Regensburger Dom und „Chef“ der Regensburger Domspatzen. Dort entstanden unter seiner Leitung Einspielungen großer Werke der Chormusik. 

2010 machte Missbrauchsopfer Alexander Probst (57) den Skandal um Gewalt und Missbrauch am Regensburger Dom publik. Er sagt über Ratzinger, er sei ein notorischer Schläger gewesen, nicht der gute Opa. Die überwiegende Mehrheit der Opfer, die sich in Bezug auf den Skandal über Ratzinger äußerten, beschrieben den Mann als "streng" oder "jähzornig". Manche ehemaligen Chorknaben vergleichen ihre Zeit dort mit einem Konzentrationslager. Gewalt sei über das normale Maß hinaus ausgeübt worden.

Die Hinweise "falsch eingeschätzt"

Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR) hatte Ratzinger Anfang Januar erklärt, es sei richtig alle Beschuldigungen aufzuklären. Er relativierte damit eine kurz zuvor getroffene Aussage, in der er wörtlich gesagt hatte: "Diese Kampagne ist für mich ein Irrsinn. Es ist einfach Irrsinn, wie man über 40 Jahre hinweg überprüfen will, wie viele Ohrfeigen bei uns verteilt worden sind, so wie in anderen Einrichtungen auch."

In einer Pressekonferenz erklärte Generalvikar Michael Fuchs nun, Ratzinger nehme großen Anteil an der Aufarbeitung. Er räume ein, auch selbst mehrfach Ohrfeigen ausgeteilt zu haben. Er habe Hinweise auf die Taten bekommen, von sexuellem Missbrauch in einem Fall gewusst, "die Hinweise aber falsch eingeschätzt". Außerdem habe die Opfer deshalb bereits um Entschuldigung gebeten.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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