Skurriler Prozess in München mit Verbindung in die Region

Yoga-Gruppe verklagt Erben zweier Mordopfer

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Ermordet im eigenen Ferienhaus: In Südfrankreich wurden Christine und Wilhelm B. im September 2015 Opfer eines Gewaltverbrechens. Täter soll der Schwiegersohn sein: Laut Staatsanwaltschaft habe Klaus O. (40) das Ehepaar mit einem Schürhaken erschlagen. Er hatte ihre Tochter geheiratet, die sich im Streit von der Familie losgesagt hatte.

München/Landkreis Rosenheim - Nach dem Mord an einem Münchner Ärzte-Ehepaar musste das Landgericht München am vergangenen Mittwoch 23 Einzelprozesse gegen die Erben verhandeln. Sie werden von einer Yoga-Gruppe verklagt, aus der sich Christine B. einst losgesagt hatte. Der Kopf der Yoga-Gruppe stammt aus dem nördlichen Landkreis Rosenheim!

Der Schock in Trudering war groß, als die Schreckens-Nachricht bekannt wurde: Ein Ärzte-Ehepaar, das seit vielen Jahren in dem Viertel gewohnt hatte, war im September 2015 ermordet worden. An ihrem Zweitwohnsitz in Südfrankreich wurden Dr. Wilhelm B. (75†) und seine Frau Dr. Christine B.(74†) erschlagen, als sie Urlaub machten. Unter dringendem Tatverdacht: ihr Schwiegersohn Klaus O. (40). Doch bis heute ist der Kriminalfall juristisch noch nicht aufgearbeitet. Noch immer sitzt Klaus O. in Frankreich in der Untersuchungshaft. Zum Prozess kam es bisher nicht. Währenddessen werden in München nun die Erben des toten Ehepaares verklagt.

23 zivilrechtliche Einzelprozesse hatte das Landgericht für Mittwoch gelistet – jeweils gegen die Erbengemeinschaft, wegen Unterlassung und vorgerichtlichen Anwaltskosten. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs: Eigentlich geht es um viel Geld und auch um das Erbe des getöteten Ehepaares, wie aus Justiz-Kreisen und von Familienangehörigen zu erfahren ist.

Die Vorgeschichte

Die Geschichte hinter den Prozessen beginnt im Jahr 2012. Damals behandelten Wilhelm B. und seine Frau noch Patienten in ihrer Gemeinschaftspraxis. Zudem engagierte sich Christine B. mit ihrer Tochter Doris (40, Name geändert) bei einer spirituellen Yoga-Gruppe. Der Oberlehrer und Kopf der Yoga-Gruppe stammt ursprünglich aus dem nördlichen Landkreis Rosenheim, mittlerweile ist seine Yoga-Schule in Italien angesiedelt. 

Über deren Lehre kam es zum Zerwürfnis. Christine B. zog ihre finanzielle Unterstützung zurück. Ihre Tochter brach daraufhin mit den Eltern, forderte ihren Erbanteil und heiratete Klaus O., der auch Mitglied der Yoga-Gruppe war. In der Folge brach eine Rufmord-Kampagne gegen Christine B. im Internet los: Auf etlichen Webseiten wurde die Ärztin und Psychotherapeutin von angeblichen früheren Patienten verunglimpft. Zudem wurde sie von Mitgliedern der Yoga-Gruppe mit Strafanzeigen überhäuft. Im September 2015 dann wurden Christine B. und ihr Mann ermordet.

„Christine ist guten Glaubens in diese Gruppe gegangen“, sagt ein Mitglied der Familie. „Als sie ausstieg, wurde sie massiv verfolgt. Diese Leute haben mit immer neuen Verfahren versucht, an ihr Geld zu kommen.

Zum Beispiel, indem sie Unterlassungserklärungen forderten: B. sollte sich verpflichten, bestimmte Aussagen über die Yoga-Gruppe nicht zu wiederholen. Jeder Verstoß hätte sie 5.000 Euro gekostet. Die Vorwürfe seien aber stets nur ausgedacht gewesen, heißt es aus Familienkreisen.

Bis heute dauern die Prozesse an. Die Unterlassungs-Ansprüche gegen Christine B. sind zwar nach deren Tod hinfällig. Trotzdem klagen etliche Mitglieder der Yoga-Gruppe weiter – und füllten am Mittwoch den Gerichtssaal. Innen war die Stimmung angespannt. In 19 von 23 Verfahren lehnten die Kläger den Richter wegen Befangenheit ab. Darüber muss das Landgericht nun noch beraten. In den vier übrigen Verfahren wurde ein Vergleich geschlossen.

Ob für die Hinterbliebenen nun Ruhe einkehrt, ist ungewiss. Sie wollen den ehemaligen Weggefährten der Mutter lieber nicht mehr begegnen. Auch nicht im Gericht. Zum Prozess am Mittwoch kam niemand von den Angehörigen.

mos

Hinweis der Redaktion: Aufgrund wiederholtem Nichteinhaltens der Netiquette sahen wir uns gezwungen, die Kommentarfuntkion im Nachhinein zu deaktivieren. Wir bitten um Verständnis.

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.

Die Redaktion

Live: Top-Artikel unserer Leser