Der letzte Sonntag vor der Lockdown-Verlängerung im Landkreis Miesbach

„Ausflügler-Hotspot“ Spitzingsee: „Ich glaube, Angst vor Corona braucht hier keiner zu haben“

Ausflügler am Spitzingsee zu Corona-Zeiten
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Am 11. Januar 2021, dem letzten Sonntag vor der Verlängerung der Corona-Maßnahmen, nutzten viele die Möglichkeit ihren freien Tag am Spitzingsee zu verbringen. Stefano und Ute Riccialli sowie Familie Sambito (unten rechts) aus Freising waren unter den Ausflüglern im Landkreis Miesbach.

Sonntag, 10. Januar, frostige minus 8 Grad, strahlender Sonnenschein, glitzernder Pulverschnee: Beste Voraussetzungen für einen freien Tag am „Ausflügler- und Touristen-Hotspot“ Spitzingsee. Menschen en masse an diesem letzten Tag vor der Verlängerung des Lockdowns - oder entspannt sich die Lage? Wir haben uns am Spitzingsee umgesehen.

Spitzingsee - München, Dachau, Frankfurt - Die Autonummern sind breit gefächert, der Parkplatz aber weist Lücken auf um 12.30 Uhr. „Normalerweise ist hier mittags schon alles dicht um diese Zeit“, erzählt uns der Parkplatzwächter, der die Ausflügler direkt am See ihren Plätzen zuweist. Der nächste kommt mit einem Ingolstädter Kennzeichen, einer von vielen hier mit einem Firmenwagen - die Herkunft der Leute nur auf die Autonummern zurückzuführen, verzerre das Bild, weiß auch seine Parkplatzkollegin.

Der Tenor: Es ist „deutlich weniger los als sonst, die Lage entspannter“ - sowohl auf dem Eis, als auch auch dem Parkplatz. Auch auf den Straßen verhältnismäßig wenig Verkehr. Am Freitag sei es noch ziemlich voll gewesen, doch seit Samstag sei die Situation eine andere als in den Wochen zuvor: „Das könnte mitunter an in der Presse angekündigten Kontrollen der Polizei liegen“, mutmaßt der Wächter. Just in diesem Moment fährt eine Polizeistreife vorbei, während er bei einen Münchner fünf Euro Gebühr kassiert und ihn nach links zum Einparken schickt.

Ausflügler am Sonntag, 11. Januar, am Spitzingsee

Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb
Besucher im Januar am Spitzingsee
Ausflügler am letzten Sonntag im Januar vor der bundesweiten Verlängerung der Coronamaßnahmen am Spitzingsee. © mb

„Hoffen, dass mit der Lockdown-Verlängerung ein bisserl mehr Ruhe einkehrt“

Bereits einen Parkplatz „vor dem Loch“ sozusagen haben Stefano und Ute Riccialli mit ihrem Wohnwagen gefunden. Eifrig werden Ski und Bergschuhe ausgepackt. Der Schlitten steht schon parat. Was sie an diesem Sonntag von Freising in den Süden des Landkreises Miesbach führt? „Wandern und Schlittschuhfahren mit den Kindern, das Wetter ausnutzen und einfach rauskommen - all die Dinge, die man hier eben so macht am See“, erklärt Vater Stefano voller Vorfreude. Dass der Lockdown verlängert und teils verschärft wird, das will er gar nicht hören: „Wir waren öfter hier, so schlimm ist es wirklich nicht - in meinen Augen ist die Panik, die wegen Ausflügler-Anstürmen verbreitet wird, nicht nachvollziehbar. Bei uns in Freising liegt die Inzidenz bei unter 200 - wir kommen, bis wir nicht mehr dürfen.“

Stefano und Ute Riccialli kamen aus Freising an den Spitzingsee.

Corona-Regeln: Polizeikontrollen laut Bruckmühlerin nach 21 Uhr „Schikane“

Auch Familie Baumgartner möchte den sonnigen Wintertag für eine flotte Runde auf dem Eis nutzen. Sie haben von Hundham in der Gemeinde Fischbachau nur wenige Kilometer Anreise, seien an den Wochenenden regelmäßig unterwegs und lassen sich durch Corona in ihrer Heimat nicht einschränken: „Wir hoffen nur, dass mit der Lockdown-Verlängerung jetzt ein bisserl mehr Ruhe einkehrt, es war in den letzten Wochen schon viel los und gerade die Straßen waren oft zugeparkt. Wir sind eben ein ‚Hotspot‘, aber heute hält sich der Ansturm tatsächlich in Grenzen“, so die einhellige Meinung der Familie.

Robert und Nadine Heinzler aus Bruckmühl können diesen Eindruck bestätigen. Robert war die vergangene vier Tage am Spitzingsee - und bekräftigt, dass die Besucheranzahl runtergegangen sei. Gerade Nadine aber ist genervt von der aktuellen Situation: „Dass die Polizei alle, die um 21 Uhr noch unterwegs sind, kontrolliert, ist Schikane. Auch das Einkaufen überlege ich mir genau und kaufe mehrere Tage auf Vorrat. Das tue ich mir nicht an mit Maske und Einkaufswagen.“ Robert ergänzt: „Wir können uns nicht beschweren, es geht uns gut - wir haben die Mangfall direkt vor der Nase. Aber unser Sohn beispielsweise ist 18, es gibt keine Feiern und keinen Ausgleich für die Jugend. Dem fällt langsam daheim die Decke auf den Kopf.“

Nadine und Robert Heinzler aus Bruckmühl nutzten den Sonntag für einen Ausflug an den Spitzingsee.

„Spinnradl“-Betreiber blickt mit gemischten Gefühlen in die nahe Zukunft

Am Spielplatz am See sind zwei kleine Familien, Warnschilder aber weisen auf genügend Abstand und ein Ansammlungsverbot hin. Ein paar Meter weiter vorn steht Christoph Simon hinter der „Schneebar“, einem kleinen Imbissstandl am See, verkauft Getränke und Brotzeiten „to Go“ - nur nichts Alkoholisches. „Kein Glühwein dank Söder“, steht mit roten Buchstaben an dem Standl und zielt auf das seit Dezember geltende Ausschankverbot. „Unsere Lager sind voll, wir haben uns schließlich für die Vorweihnachtszeit eingedeckt. Jetzt haben wir alles auf Halde. „

Auch er kann gegenüber rosenheim24.de bestätigen, dass seit etwa vier Tagen weniger los ist am Spitzingsee, würde die Lage allgemein jedoch als „ganz normalen Winterbetrieb“ einschätzen. Die Schneebar gibt es seit 30 Jahren am Spitzingsee, „aktuell unser einziger Stand, den wir betreiben, damit uns nicht ganz langweilig wird“, erläutert Simon, dessen Familie der seit März geschlossenen Nachtclub „Spinnradl“ gehört.

Christoph Simon führt im Familienbetrieb den Nachtclub „Spinnradl“ - in Corona-Zeiten ist der kleine Imbisstandl „Schneebar“ am Spitzingsee die einzige Einnahmequelle, die ihm bleibt.

Der 30-Jährige blickt mit gemischten Gefühlen auf die kommenden Wochen: Denn seit diesem Sonntag, (10. Januar) hat der Landkreis Miesbach die Inzidenzzahl von 200 überschritten, somit gilt den am Montag in Kraft tretenden verschärften Corona-Regeln zufolge ab Dienstag für alle Landkreis-Bewohner ein Bewegungsradius von 15 Kilometer für Freizeitausflüge. „Wie das wird, müssen wir abwarten. Ausflügler, die aus Gegenden mit einer Inzidenz von unter 200 kommen, dürfen ja weiterhin an den Spitzingsee“, meint Simon achselzuckend, während er ein heißes Paar Wiener mit Semmel an ein Fernsehteam von ProSieben ausgibt. Doch das ist nicht ganz richtig. Denn derzeit wird im von Landrat Olaf von Löwis (CSU) geführten Landratsamt Miesbach eine Allgemeinverfügung vorbereitet. Die hat zum Inhalt, dass Besuche von außerhalb untersagt werden, wie unser Partnerportal merkur.de berichtet. Damit würde der Kreis Miesbach quasi zum Sperrgebiet für Tagesausflügler aus anderen Kreisen und kreisfreien Städten.

Das Team von ProSieben gibt gegenüber rosenheim24.de zu, dass sie an diesem Sonntag bereits früh hier waren, weil sie von einem Besucheransturm ausgingen. „Der blieb aber wohl augenscheinlich aus, wir sind schon wieder am Zusammenräumen“, erklärt die Reporterin, während sie in ihre Semmel beißt. Die Idee hatte nicht nur ProSieben: Ebenfalls positioniert am Ufer des Sees hat sich ein Fernsehteam von Sat1-Bayern.

„Wir hätten gedacht, dass viel mehr los ist - dabei ist es gar nicht so überlaufen“

Es ist kurz nach 13 Uhr: Eine weitere Polizeistreife patrouilliert in Schrittgeschwindigkeit am See entlang, konkrete Kontrollen gibt es keine. Ein Blick über den See lässt einzelne kleine Personengruppen - häufig Familien - erkennen. Sie nutzen die vom Schnee freigeschaufelten Eisflächen, sitzen mit Campingstühlen und Thermoskannen auf dem Eis. Der Hall des schwarzen Pucks vom Hockeyschläger ertönt zwischen den scharfen Kantenschlägen von Schlittschuhen.

Elias und Beyza wärmen sich gerade mit heißem Tee auf: Sie haben sich spontan mit Hund Lucky aus München aufgemacht, um den Tag mit Schlittschuhlaufen zu verbringen. „Das hatten wir schon lange vor, aber geschafft haben wir es erst jetzt“, erklärt der 19-Jährige grinsend. Sonst könne man ja gerade nicht viel machen. „Ich glaube, Angst vor Corona braucht hier keiner zu haben, der See ist so groß, das verläuft sich. Wir hätten ja selbst gedacht, dass viel mehr los ist - dabei ist es gar nicht so überlaufen.“

Maria Sambito auf Freising und ihre Töchter Luana (rechts) und Vanessa (rechts) genießen am Sonntag, 11. Januar, die Sonne am Spitzingsee.

Angst vor Ansteckung hat auch Familie Sambito aus Freising nicht. Sie schlendern mit ihrem neun Monate alten Welpen gerade über das Eis und wurden, so gibt Mutter Maria zu, auch durch die angekündigten verschärften Corona-Maßnahmen dazu bewegt, nochmal herzukommen, um die frische Luft und die Berge zu genießen.

Sorgen wegen Corona aber haben lediglich Luana (17) und Vanessa (18), wenn sie an die Schule im Distanzunterricht denken, die nun wieder losgeht. „Wir freuen uns nicht wirklich“, geben die Mädels zu, wenn sie das vergangene Jahr Revue passieren lassen. Gerade für Vanessa im Abschlussjahr eine schwierige Situation. „Wir können uns nur eingeschränkt mit Freunden treffen und lernen, viele Prüfungen werden verschoben und kommen dann auf einen Schlag. Wir sind aber dennoch zuversichtlich, dass das alles ein gutes Ende nehmen wird.“

mb

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