Fall "Kreidl"

Sponsoring-Affäre: Sparkasse will Geld zurück

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Der ehemalige Landrat Jakob Kreidl.

Miesbach - Nach der Sponsoring-Affäre: Erst gab sich die Miesbacher Kreissparkasse großzügig und spendete reichlich Geld für Geburtstage oder teure Büroausstattungen. Jetzt will sie Geld zurückhaben.

Nach der Sponsoring-Affäre der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee und dem Rückzug von Landrat Jakob Kreidl (CSU) aus der Politik will das Geldinstitut Geld von den Begünstigten zurück haben. Dies sei die Konsequenz eines Prüfberichtes im bayerischen Innenministerium, sagte Sparkassensprecher Peter Friedrich Sieben am Mittwoch. Der Verwaltungsrat habe beschlossen, jene Forderungen geltend zu machen, bei denen ein Anspruch besteht. Damit dürften auf Kreidl und seinen damaligen Stellvertreter Arnfried Färber von den Freien Wählern erhebliche finanzielle Forderungen zukommen.

Aber auch der frühere Sparkassenchef Georg Bromme muss nach Informationen des „Münchner Merkur“ (Mittwoch) mit Anwaltspost rechnen. In seinem im Mai vorgelegten Prüfbericht hatte das Ministerium zahlreiche Sponsoring-Aktivitäten aus der Ära Bromme als unzulässig gerügt, etwa die Zahlung von knapp 300 000 Euro für den Umbau und die Ausstattung von Kreidls Büro oder den millionenteuren Kauf eines Mönchschores im früheren Kloster Tegernsee.

Kreidl und Färber müssen damit rechnen, wenigstens einen Teil der Kosten für ihre Geburtstagsfeiern selbst zu bezahlen. Kreidls Feier zum 60. Geburtstag hatte fast 120 000 Euro gekosten, Färbers Fest zum 70. Geburtstag verschlang 55 000 Euro. Beide Politiker standen dem Verwaltungsrat der Sparkasse vor und bekamen die Feiern spendiert.

Kreidl, der auch Präsident des Bayerischen Landkreistages war, zog sich im Frühjahr auf Druck von CSU-Chef Horst Seehofer vollständig aus der Politik zurück. Er war zudem wegen seines aberkannten Doktortitels und eines privaten Schwarzbaus in die Kritik geraten.

Der großzügige Umgang des Geldinstituts beschäftigt weiterhin auch die Justiz. Die Staatsanwaltschaft München II führt nach einer Reihe von Strafanzeigen Vorermittlungen durch. Die Prüfung dauere an, sagte Behördensprecher Ken Heidenreich.

Als der Sparkassen-Verwaltungsrat die Rückzahlungsforderungen am Montagabend beschloss, fehlten der neue Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) und Brommes Nachfolger Martin Mihalovits. Sie gehörten als einzige Mitglieder des amtierenden Verwaltungsrates auch schon dem alten Aufsichtsgremium an und wollten die Beratungen nicht durch ihr Wissen über die zurückliegenden Vorgänge belasten, hieß es.

dpa

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