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Dreifachmord von Starnberg

Mutmaßlicher Täter soll erst Pornos geschaut, dann Familie ausgelöscht haben

Auftakt im Prozess um Dreifachmord von Starnberg
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Die zwei wegen Mordes angeklagten Männer (l und 2.v.r.) stehen vor Beginn der Verhandlung mit ihren Anwälten Sarah Stolle und Alexander Betz (3.v.l.), Patrick Ottmann (4.v.r.) und Gerhard Bink (3.v.r.) im Sitzungssaal. Gut eineinhalb Jahre nach dem Dreifachmord in Starnberg begann der Prozess gegen zwei Freunde des jüngsten Opfers.

Nach heftigen Vorwürfen gegen die Polizei und eine Razzia bei dem Vermieter des Hauptangeklagten wird der Fall um den Dreifachmord von Starnberg noch absurder. Denn kurz vor der brutalen Tat soll der mutmaßliche Haupttäter noch Pornos am Tatort geschaut haben.

München/Starnberg - Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ist der Fall eindeutig: Der heute 21 Jahre alte Hauptangeklagte soll in einer Nacht im Januar 2020 die Starnberger Familie ausgelöscht haben - eine 60 Jahre alte Frau, ihren 64 Jahre alten Mann und den gemeinsamen Sohn. Alle drei habe er eiskalt erschossen. Anschließend habe der Deutsche die wertvolle Waffensammlung seines Freundes und Sohn der Familie gestohlen. Er steht unter anderem wegen Mordes vor Gericht. Ein 20 Jahre alter Slowake ist als Mittäter angeklagt. Dieser soll den Täter zum Tatort gefahren und ihn später wieder abgeholt haben.

Wie bild.de nun berichtet, habe der Hauptangeklagte in der Tatnacht im Haus der Opfer Pornos geschaut. Der 21-Jährige soll zusammen mit dem Sohn der Familie in dessen Zimmer den Abend verbracht und Marihuana geraucht haben.

Laut bild heißt es aus Ermittlerkreisen, dass der Angeklagte vor der Tat auf seinem Handy ein Video mit der Porno-Darstellerin Mia Bandini geschaut haben. Möglicherweise sogar im Zimmer seines Opfers. Zudem suchte er offenbar auch nach sog. japanischen „Hentai“-Zeichentrick-Pornos. Dies hätten Auswertungen des Handy ergeben. Wenig später soll er seinen Freund und dessen Eltern im Schlaf erschossen haben.

Razzia bei Vermieter

Auf einem Foto posiert der Angeklagte im Internet mit Gasmaske und Gewehr.

Während des laufenden Prozesses hatte es bereits unter anderem eine Razzia bei dem Vermieter des Hauptangeklagten gegeben. Die Durchsuchung sei allerdings „ohne Ergebnis verlaufen“, sagte eine Sprecherin der Behörde damals . „Es gab weder eine Festnahme noch weitere Durchsuchungen.“ Außerdem ist beispielsweise die Rolle eines Freundes des getöteten Sohnes und der beiden Angeklagten durchaus rätselhaft. Nach Angaben der Ermittler soll er immer wieder dabei gewesen sein, wenn seine Freunde alte Waffen wieder in Stand setzten und damit herumschossen. Ermittlungen gegen ihn wegen der Vorbereitung eines Amoklaufes wurden allerdings eingestellt.

Bei seiner Aussage als Zeuge vor Gericht hatte sich der heute 19-Jährige zunehmend in Widersprüche verwickelt. Er berichtete davon, dass sowohl der getötete Sohn als auch dessen mutmaßlicher Mörder, der Hauptangeklagte im Verfahren, Waffen besessen und daran gebastelt hätten. Er selbst sei „um vier Uhr morgens vom SEK aus dem Bett geholt und nach Fürstenfeldbruck gefahren“ worden. An viel mehr könne er sich nicht erinnern, sagte er und begründete seine Erinnerungslücken mit angeblich heftigem Drogenkonsum. Die Richterinnen erinnerten ihn mehrfach nachdrücklich an seine Pflicht, als Zeuge die Wahrheit zu sagen.

Verteidigung erhebt schwere Vorwürfe gegenüber Polizei

Vor der Aussage des jungen Mannes war es um die geplante Aussage einer Polizeibeamtin gegangen. Bei ihr soll der Hauptangeklagte, ein 21-jähriger Deutscher, ein Geständnis abgelegt und seinen mutmaßlichen Komplizen (20) belastet haben.

Die Verteidiger des 20-jährigen Slowaken wollen, dass die Aussage der Ermittlerin nicht als Beweismittel zugelassen wird. Sie erheben schwere Vorwürfe gegen die Polizei und gehen davon aus, dass der junge Mann vor seiner Aussage gefoltert wurde. Sie sprechen von „Erniedrigung, Quälerei und Misshandlung“. Die Polizei weist die Vorwürfe entschieden zurück: „Der Vorwurf der Folter entbehrt jeglicher Grundlage“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord.

Hintergrund:

Die beiden Angeklagten waren mit dem 21 Jahre alten Sohn der getöteten Familie befreundet. Der 21-jährige Angeklagte soll mit seinem Freund am 10. Januar 2020 den Abend verbracht haben - ehe er diesen und die Eltern kaltblütig ermordet haben soll. Um die Tat zu vertuschen, soll er eine Pistole so neben dem toten Freund drapiert haben, dass es aussah, als habe dieser erst seine Eltern und dann sich selbst getötet. Sogar die Obduktion und ein Gutachten bestätigten anfangs die Theorie, dass der Sohn erst seine Eltern und dann sich selbst erschossen hätte. Erst zwei Wochen nach der Tat stellte sich die Situation plötzlich komplett anders dar.

Ermittlungen zu den am Tatort gefundenen Pistolen führten über den Ausbildungsbetrieb des Sohnes zu dem nun Tatverdächtigen. Knapp zwei Wochen nach der Tat, am 24. Januar 2020, wurde dann die Wohnung des 21-jährigen Beschuldigten durchsucht, die Ermittler fanden eine Vielzahl an Waffen sowie Munition. Auf der Fahrt zur Polizeiinspektion Fürstenfeldbruck habe er damaligen Angaben der Polizei zufolge von ganz alleine die Tat gestanden - die Tat soll er sogar gefilmt haben. Der 21-Jährige und der 20-Jährige sitzen seither in Untersuchungshaft. Denn der 20-jährige Mitangeklagte soll den 21-Jährigen damals zum Tatort gefahren, während der Tat in der Nähe gewartet und ihn anschließend wieder abgeholt haben.

Angebliches Motiv bekannt

Laut Anklagebehörde nahmen die beiden gemeinsam nach der Tat die oben erwähnten voll- und halbautomatischen Schuss- sowie Kriegswaffen aus dem Besitz des Sohnes mit. Dieses Waffenarsenal könnte auch das Motiv für die Tat gewesen sein. Denn laut einem Bericht der Bild-Zeitung hatte der Angeklagte auch einen Amoklauf im Münchner Shoppingcenter Pasing-Arcaden geplant. Sein getöteter Freund besaß die nötigen Waffen dafür, wollte aber an der Bluttat offenbar nicht mehr teilnehmen. Deshalb musste er wohl sterben, heißt es in dem Bericht weiter. Angeklagter und Opfer hatten sich wohl über ihre Waffenliebe kennengelernt. Ein Experte beschrieb laut bild.de den Hauptverdächtigen in einem psychologischen Gutachten auch als herzlos, er habe eine niedrige Schwelle für aggressives Verhalten.

Opfer durch Kopfschuss getötet

Eine Polizeistreife hatte die Leichen der 60 Jahre alten Frau und ihres 64 Jahre alten Mannes sowie des Sohnes am 12. Januar entdeckt. Die Tochter hatte sich Sorgen gemacht und Alarm geschlagen. Die Eltern lagen im Schlafanzug in ihrem Schlafzimmer im ersten Stock des Einfamilienhauses.

Die Leiche des Sohnes wurde in dessen Zimmer entdeckt. Er starb wie seine Eltern durch einen Kopfschuss; eine von zwei gefundenen Pistolen lag direkt neben ihm. Zunächst wurde deshalb vermutet, dass er zuerst die Eltern und dann sich selbst erschoss. Allerdings fehlte ein Abschiedsbrief - eine der Ungereimtheiten, die die Ermittler stutzig machten.

Beiden Verdächtigen wirft die Staatsanwaltschaft auch zwei bewaffnete Raubüberfälle auf Verbrauchermärkte mit insgesamt einigen Tausend Euro Beute vor.

mz/dpa

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