Robert Wetterstetter über seine Liebe zum bayerischen Dialekt 

"Gstäiwoigln" bis "Ranzndonnern": Das steckt hinter "Boarischkult" auf Instagram 

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Robert Wetterstetter aus Steinhöring hat die bayerische Instagram-Seite "Boarischkult" ins Leben gerufen. 

Steinhöring - Sein Smartphone ist das "Gscheidkasterl", aus "Public Viewing" wird kurzerhand "Fuimlaichtergschwerlerei". Robert Wetterstetter liegt die bayerische Sprache am Herzen. Das spiegelt sich auch in seinem Instagram-Account "Boarischkult" wider. Wie er es schafft damit zwischen perfekten Urlaubs- und Modelfotos zu bestehen: 

Der bayerische Dialekt hat für Robert einen hohen Stellenwert: Vor rund fünf Jahren hat er begonnen, sich für andere Sprachstrukturen wie russisch zu interessieren, die Welt vielfältiger und bunter gesehen. Dabei sei ihm die besondere Struktur und die Mentalität der bayerischen Sprache aufgefallen. "Ich finde, ein Dialekt ist nicht nur eine Abwandlung des Hochdeutschen, sondern auch immer der Ausdruck eines ganz eigenen Volkscharakter. Die Berliner Schnauze spiegelt die Berliner wider, im Bayerischen hingegen schwingt oft etwas Ironisches, Abwertendes mit. Der Bayer zeigt weniger offen seine Gefühle. So würden ihm statt den direkten Worten 'Ich liebe dich' eher Umschreibungen wie 'I mog di fei scho' über die Lippen kommen." 


Der 30-Jährige schätze die Lebensweise und die Eigenheiten, die die Bayern an den Tag legen und ist mit seiner Heimat durchaus verwurzelt. Dennoch könne sich Robert durchaus vorstellen, einmal ein paar Jahre im Ausland zu verbringen, sei da flexibel. "Vielleicht ist diese Offenheit für andere Länder und Kulturen auch der Grund, warum mir die bayerische Lebensart so am Herzen liegt, weil man sich durch das Kennenlernen anderer Lebensanschauungen viel stärker mit der eigenen Herkunft identifiziert." 

Alles begann mit "Public Viewing" 

Robert stammt aus dem Raum Rosenheim, wohnt inzwischen in Steinhöring im Nachbarlandkreis Ebersberg. Die Idee eine bayerische Seite auf Instagram ins Leben zu rufen sei ihm bei der Fußball-WM 2018 gekommen: "Der Begriff 'Public Viewing' war in aller Munde. Dabei heißt das übersetzt Leichenschau, was im Grunde ja nicht so recht passt. Da habe ich mir spontan einen bayerischen Begriff überlegt. Herausgekommen ist 'Fuimlaichter' für 'Filmprojektor' und daraus wurde 'Fuimlaichtergschwerlerei', mein erster neubayerischer Begriff." Darin spiegle sich auch das leicht ironische, bisserl abwertende wider. Denn "Public Viewing" sei für den typischen Bayer, der eher die Ruhe schätze und im kleinen Kreis das Spiel verfolgen wolle, einfach zu anstrengend.  


Im Laufe der Zeit kamen neue Ideen dazu, das Projekt ist gewachsen. Begonnen auf Facebook hat Robert rasch auf Instagram gewechselt. Um seine Kreativität anzukurbeln betreibt der SAP-Berater gerne Sport, ist oft in der Natur unterwegs. 

"Meine Ideen kommen wie von selbst, ich sammle nicht zwanghaft und reagiere auf aktuelles wie auf die Corona-Krise mit "Spezlfasten" statt "Social Distancing". Auch der 'Tag des Bieres' wird natürlich entsprechend toleriert auf der Seite. Wenn mir etwas einfällt, dann notier ich das oder schreib es gleich in mein 'Gscheidkasterl, das 'Smartphone''", erzählt der 30-Jährige lachend. "Es macht mir Spaß mich da kreativ bisserl auszuspinnen." 

Über 5700 Abonnenten verzeichnet die Seite "Boarischkult". Neben lustigen Grafiken, schönen Schnappschüssen finden sich auch bayerische Begriffe wie "Ranzndonnern" für Magenknurren oder "Gstäiwoignln" für Wellnessen. Ab und an bekommt Robert positive Rückmeldungen, doch die meisten verhalten sich anscheinend typisch bayerisch getreu dem Motto "Ned gschimpft is globt gnua"

Robert erklärt: "Ich freue mich, wenn die Leute stolz drauf sind handwerkliche Berufe zu ergreifen oder Landwirt mit eigenem Hof zu sein. Das ist die Grundlage für unsere Kultur, die eng verbunden ist mit dem ländlichen Charakter: Lederhose war damals Arbeitskleidung und das Brauerhandwerk in Bayern genauso wenig wegzudenken wie eine eigene Blaskapelle in jedem Dorf. Ich finde es toll, wenn sich weiterentwickelt nach dem Prinzip 'Laptop und Lederhosn'. Genauso unterstütze ich es, wenn moderne Musik bayerischen Dialekt enthält oder Modelabels T-Shirts mit bayerischen Sprüchen drucken."

"Englisches Wort durchaus einmal ins Bayerische mixen" 

Seiner Meinung nach sei es nicht nur essentiell, die Tradition in Bayern zu erhalten, sondern auch, dass jeder seinen eigenen Teil dazu beiträgt. Gerade der Dialekt habe viel an Relevanz eingebüßt, er sehe aber eine Rückbesinnung - auch bei den Jüngeren, die oftmals Anglizismen aufsaugen wie ein Schwamm. "Ich halte Anglizismen für gefährlich, wenn sie sich zu sehr etablieren. Auf der anderen Seite nutzen wir Wörter wie 'Canape' oder 'Merci' aus dem Französischen. Als Jugendlicher habe ich selbst viele Anglizismen benutzt und ich finde, man kann getrost einmal ein englisches Wort eindeutschen und auch ins Bayerische mixen. Allerdings halte ich es für bedenklich, wenn die Leute nur noch mit Fremdwörtern um sich werfen, wie es beispielsweise in Geschäftsbereichen oft scheint und wo sich Ausdrücke wie 'Dabei habe ich kein pain' festfahren."   

Es sind die Eigenarten eines bayerischen Worts, mit denen man sich noch präziser ausdrücken kann und die Robert faszinieren. Beispiel: "Griabig". Es bedeute nicht genau das gleiche wie "gemütlich", sondern setze der Gemütlichkeit vielmehr noch einen drauf. "Griabig hoit"

mb

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