Bayerische Staatsregierung äußert sich

Streng geschützte Tiere in der Region immer wieder illegal getötet

Der tote Luchs Alus war am 6. September 2017 in einem Gebiet außerhalb des Nationalparks Berchtesgaden tot und verstümmelt aufgefunden worden.
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Der Kadaver von Luchs Alus war am 6. September 2017 in einem Gebiet außerhalb des Nationalparks Berchtesgaden tot und verstümmelt aufgefunden worden.

Landkreis/Bayern - Immer wieder werden in Bayern geschützte Wildtiere getötet. Polizei und die Bayerische Staatsregierung beschäftigen sich mit den Fällen.

„Seit 2015 sind in Bayern nachgewiesenermaßen fünf Luchse, zwei Otter und eine Wildkatze illegal getötet worden“, heißt es in der Antwort der Bayerischen Staatsregierung auf eine kleine Anfrage des Landtagsabgeordneter Florian von Brunn (SPD) vom 12. Mai 2020. Bei einem der Luchse handelt es sich um „Alus“, der 2017 tot ohne Kopf und Vorderläufe aus dem Saalachsee im Berchtesgadener Land gezogen worden war.

Auch Greifvögel und Eulen illegal getötet

„Laut Statistik des Bayerischen Landesamtes für Umwelt sind in Bayern seit 2015 nachgewiesenermaßen 15 Rotmilane, drei Schwarzmilane, 26 Mäusebussarde, zwei Rohrweihen, ein Habicht, zwei Sperber, fünf Turmfalken, ein Wanderfalke, eine Schleiereule und sieben Uhus illegal getötet worden“, so die Staatsregierung weiter. Darunter auch der im April diesen Jahres in Griesstätt mit Schrot geschossene Bussard

Die Fälle zeigen, dass es in Bayern immer wieder zur illegalen Tötung von streng geschützten Tierarten kommt. Vor allem Raubtiere und Greifvögel fallen dieser Art von Umweltkriminalität zum Opfer. Erst vor wenigen Wochen wurden im Raum Wendelstein im Landkreis Roth zwei tote Greifvögel gefunden. Beide kamen höchstwahrscheinlich durch ein hochtoxisches Kontaktgift ums Leben, welches laut Experten auch für Kinder und Hunde eine echte Gefahr darstellt.

Viele Tiere auch durch Verkehrsunfälle getötet

Gemäß der Fallauswertung des Staatsministeriums des Innern, für Sport und Integration (StMI) sind in Bayern im Zeitraum vom 1. Januar 2015 bis zum 30. April 2020 vier Wölfe, zehn Luchse, zehn Wildkatzen und 24 Otter durch Verkehrsunfälle getötet worden. Ein Wolf wurde hierbei von einem Zug erfasst. Bei den Wildkatzen liegen keine Aussagen dazu vor, ob genetische Untersuchungen und damit eine zweifelsfreie Unterscheidung von Haus- und Wildkatzen vorgenommen wurden, teilt die Staatsregierung mit.

Fälle werden strafrechtlich verfolgt

Bestehen zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für eine Straftat, z.B. ein Vergehen nach dem Bundesnaturschutzgesetz, sind die Strafverfolgungsbehörden aufgrund des Legalitätsprinzips verpflichtet, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten und die Straftat zu untersuchen. Im Hinblick auf die illegal getöteten Tiere wurden Ermittlungs- und im Falle der Anklageerhebung Strafverfahren geführt. Nur in sechs von 25 Fällen konnte ein Täter ermittelt werden. In vier Fällen wurden die Täter zu Geldstrafen verurteilt. Im Rosenheimer Fall mit dem Bussard dauern die Ermittlungen noch an.

Handlungskonzept für die Polizei

Bereits unmittelbar nach dem Fund von vier abgetrennten Luchsläufen im Jahr 2015 wurde für den Bereich der Bayerischen Polizei das „Handlungskonzept zur polizeilichen Aufgabenwahrnehmung im Zusammenhang mit dem Luchs“ erstellt. Es dient der allgemeinen Wissensvermittlung im Hinblick auf Biologie und Verbreitung des Luchses und regelt des Weiteren die polizeiliche Aufgabenwahrnehmung sowohl im Hinblick auf illegale Tötungen als auch hinsichtlich möglicher Sichtungen, Nutztierrisse und Verkehrsunfälle. Weitere Bestandteile sind die zu treffenden polizeilichen Sofortmaßnahmen in diesen Fällen. Das Handlungskonzept wurde allen bayerischen Polizeipräsidien mit der Maßgabe einer Anpassung auf regionale Gegebenheiten zugeleitet.

jb

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