Odyssee durch die Region bis nach Zell am See

Streuner Luigi (2) nach zwei Monaten und 500 Kilometern wieder zu Hause

Streuner Luigi (2) nach zwei Monaten und 500 Kilometern wieder zu Hause
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Insgesamt muss Luigi mehrere hundert Kilometer gelaufen sein, bevor es nach zwei Monaten endlich zum Happy End in Kochel am See kam.

Nach einer zweimonatigen Odyssee quer durch Südostbayern und Österreich kann Jürgen Meißner seinen reiselustigen Hund „Luigi“ endlich wieder an die Leine nehmen.

Was für ein Abenteuer! Hund Luigi ist - nachdem er vor zwei Monaten in Warngau (Landkreis Miesbach) entlaufen war - wieder daheim. Zwischendurch wurde Luigi auch in der Region immer wieder gesichtet, unter anderem in Feldkirchen-Westerham und in Mühldorf, wo er offenbar von einem Auto angefahren wurde.

Abenteuer durch Südostbayern

Streunerhund Luigi könnte sicherlich einige spannende Geschichten erzählen, wenn er denn reden könnte. Der vierbeinige Abenteurer wurde 150 Kilometer entfernt von der Heimat bei Zell am See gefunden. Bei seiner zweimonatigen Reise durch Südostbayern muss Luigi gut 500 Kilometer zurückgelegt haben - teilweise bei Schnee und Temperaturen um die minus 20 Grad!

Überlebenstraining in Sardinien

Der zweijährige Luigi kommt ursprünglich aus Sardinien, wo er das erste Jahr seines Lebens in einem Rudel in freier Natur verbrachte, bevor der Sohn einer Bracke in ein dort ansässiges Tierheim kam. Jürgen Meißner verliebte sich in den Tierschutzhund und adoptierte ihn.

Es war Mitte Januar, als der extrem scheue Luigi, der erst drei Wochen zuvor in sein neues Zuhause eingezogen war, seinem Halter im oberbayerischen Warngau entwischte. „Luigi ist für mich ein Überlebenskünstler. Ich bin mir sicher, dass er nur wegen seiner Erfahrungen als Straßenhund so lange bei stellenweise bis zu minus 20 Grad überleben konnte“, sagt Jürgen Meißner.

Was genau passiert war

Die letzte nächtliche Gassirunde stand an. Es lag Schnee und war sehr kalt. Als sich Jürgen Meißner seine Handschuhe anziehen wollte, ließ er aus Versehenen die Leine fallen und Luigi rannte davon.

„Er reagierte auf keine Rufe, auf gar nichts mehr“, erinnert sich Meißner. Er meldete Luigi noch in derselben Nacht bei TASSO als vermisst, bestellte Suchplakate und teilte die Suchmeldung seines Hundes über Facebook. Gleich am nächsten Morgen machte sich der Hundeliebhaber nochmals selbst auf die Suche nach Luigi: „Ich konnte sowohl seine Pfoten- als auch die Leinenspuren im Schnee sehr gut nachverfolgen. Doch nach sieben Kilometern endete die Spur plötzlich an einer Straße, Luigi war verschwunden.“

Sichtung in Feldkirchen-Westerham

In den darauffolgenden vier Wochen informierte TASSO den Hundehalter immer wieder über Sichtungsmeldungen des Rüden. Kurze Zeit hielt er sich am Ortsrand im 25 Kilometer entfernten Feldkirchen-Westerham auf, wo er den Komposthaufen einer Familie durchwühlte. Die Tierfreunde stellten sogar eine Lebendfalle auf, doch Luigi ließ sich nicht einfangen. Stattdessen lief er wieder nach Warngau, zurück nach Hause. 

Kurzer Zwischenstopp in der Heimat

„Luigi hat tatsächlich wieder nach Hause gefunden, allerdings hat er sich von mir nur auf der Terrasse füttern lassen, er ist nicht hereingekommen, obwohl die Terrassentür die ganze Nacht offen stand“, erzählt Jürgen Meißner. Der Hundeexperte erklärte ihm, dass dies ein durchaus übliches Verhalten von ehemaligen Straßenhunden sei, die erst kürzlich adoptiert wurden. Sie würden ihre neue Familie und ihr neues Zuhause zwar erkennen, aber nicht direkt als geschützten Bereich wahrnehmen. „Wir schafften es nicht, Luigi einzufangen und nach ein paar Tagen tauchte er einfach nicht wieder auf“, erinnert sich der Hundehalter traurig.

Von Auto bei Mühldorf angefahren

Dann war es zwei Wochen lang ganz still um Luigi, bis er plötzlich im rund 80 Kilometer entfernten Mühldorf innerhalb von drei Tagen gleich mehrmals gesichtet wurde. Ein Zeitungsbericht über einen vom Auto angefahrenen Hund machte Jürgen Meißner hellhörig. „Die Beschreibung des angefahrenen Hundes passte genau auf Luigi. Ich rief eine Hundestaffel zu Hilfe. Die Hundeführer sagten mir, dass es sich definitiv um Luigi handle, er allerdings nicht schwer verletzt sein könne, da er sich weiterhin mit großer Geschwindigkeit fortbewege“, erinnert sich Jürgen Meißner.

Happy End nach Hunderten von Kilometern

Insgesamt muss Luigi mehrere hundert Kilometer gelaufen sein, bevor es nach zwei Monaten endlich zum Happy End kam: Der lang ersehnte Anruf kam Mitte März von TASSO – Luigi wurde in Zell am See gefunden. Zwei Hundeführerinnen hatten den Mischlingsrüden dort mithilfe ihrer Suchhunde eingefangen und ihn zum Tierarzt gebracht. Dank der Kennzeichnung und Registrierung bei TASSO konnte Luigi sofort eindeutig identifiziert und seinem Halter zugeordnet werden. 

Nie Zweifel an der Rückkehr von Luigi

„Als der Anruf von TASSO kam, habe ich vor Glück geweint“, erzählt Jürgen Meißner erleichtert. Noch in derselben Nacht fuhr der Hundehalter nach Österreich, um seinen Luigi abzuholen. Der Rüde hatte rund vier Kilo abgenommen und war sehr apathisch. Doch das änderte sich, als er auf dem Nachhauseweg Hundedame Bella Ragazza kennenlernte. Jürgen Meißner war nach Luigis Entlaufen zu dem Entschluss gekommen, dass sein ehemaliger Straßen- und Rudelhund Gesellschaft braucht und adoptierte die Labrador-Mischlingshündin, da er nie Zweifel an der Rückkehr von Luigi hatte.

„Die beiden verstanden sich schon auf dem Rückweg von Österreich auf Anhieb. Mittlerweile sind Luigi und Bella Ragazza ein Herz und eine Seele und teilen sich schmusend die Couch“, lacht Jürgen Meißner.

bcs mit Material Tasso e.v.

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